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Erste Augsburger Desintegrationstage 26. bis 28. März 2019

(Foto: © Hanser Verlag)
 
Max Czollek (Foto: © Peter-Andreas Hassiepen)

Lesung, Talk, Guerilla-Museumstour und Poetry Slam mit Max Czollek und Kulturschaffenden aus Deutschland und Österreich

Das Jüdischen Museum Augsburg Schwaben (JMAS) und das Kulturhaus abraxas laden Ende März 2019 zu den „Ersten Augsburger Desintegrationstagen“.

Der Berliner Lyriker und Theatermacher Max Czollek fordert in seinem Buch „Desintegriert Euch!“ (2018) Jüdinnen und Juden dazu auf, nicht mehr im deutschen Gedächtnistheater mitzuspielen und plädiert für neue Solidaritäten.

Das JMAS und das abraxas haben Max Czollek für drei Tage nach Augsburg eingeladen und wollen mit ihm und deutschen und österreichischen Kulturschaffenden darüber nachdenken, was aus seiner Forderung nach Desintegration vor allem im kulturellen Bereich folgen könnte.

Max Czolleks leidenschaftliches Plädoyer „Desintegriert euch!“ trifft den Nerv jüdischen Lebens in Deutschland heute. Zwar wird vom offiziellen Deutschland regelmäßig das „Niemals vergessen!“ beschworen, das nicht zur Phrase verkommen dürfe, jedoch wird es Juden und Jüdinnen übelgenommen, wenn sie sich ihrer zugedachten Rolle als Versöhner*innen verweigern. Allzu oft als bloße „Mitbürger*innen“ bezeichnet, werden sie, historisch wie aktuell, funktionalistisch auf einen „Beitrag“ zur Deutschen Geschichte reduziert.

Das ritualisierte Bild einer jüdisch-christlichen Kultur bedeutet, so Czollek, keinen Kulturtransfer auf Augenhöhe, sondern bildet die Machtverhältnisse ab, innerhalb derer die christliche Mehrheitsgesellschaft die Juden „in guter Regelmäßigkeit verbannte, enteignete oder umbrachte. Eine solche muslimisch-christliche Tradition wünscht man keinem Muslim und keiner Muslima.“

Czollek kritisiert aus jüdischer Perspektive die Unehrlichkeit des Integrationsdiskurses sowie die zunehmend von völkischen Rassismen geprägte Debatte darüber, „wer dazugehört“ – und plädiert für neue Solidaritäten: Zwischen Juden und Jüdinnen und Muslimen und Musliminnen. Der populistisch verwerteten „deutschen Leitkultur“ möchte er eine „jüdisch-muslimische Leitkultur“ entgegensetzen, die sich Zuschreibungen widersetzt und sich nicht an die Erwartungshaltungen der Mehrheitskultur anpasst, sich also desintegriert.

Max Czolleks Buch wird seit seinem Erscheinen heftig diskutiert – und es ist an der Zeit, diese Diskussion aufzunehmen und weiterzudenken. Was könnte aus dieser Forderung folgen und welche Auswirkungen kann dies auf Kulturschaffende haben?

Die „Ersten Augsburger Desintegrationstage“ gehen diesen Fragen in drei Tagen gemeinsam mit dem Autor nach. Ausgehend von einer Buchpräsentation von „Desintegriert euch“ in der ehemaligen Synagoge Kriegshaber wird sich ein Talk mit Kulturschaffenden aus Berlin, Wien und Augsburg im Kulturhaus abraxas der Frage widmen, wie neue Solidaritäten zwischen Juden/Jüdinnen und Muslim*innen im kulturellen Leben umgesetzt werden können.


Max Czollek

Max Czollek wurde 1987 in Berlin geboren, besuchte die Jüdische Schule und studierte Politikwissenschaften an der FU Berlin. Am Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin wurde er mit einer Arbeit über „Das Antisemitismus-Dispositiv“ promoviert.
Der Lyriker und Essayist kuratierte mit Sasha Marianna Salzmann 2016 unter dem Titel „Desintegration“ einen „Kongress zeitgenössischer jüdischer Positionen“ am Maxim Gorki Theater. 2017 organisierten sie ebenda die „Radikalen Jüdischen Kulturtage“.
Czollek ist Mitglied des Lyrikkollektivs G13 und Kurator des internationalen Lyrikprojekts „Babelsprech“, außerdem Mitherausgeber der Zeitschrift Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart. Im Verlagshaus Berlin erschienen die zwei Gedichtbände Druckkammern (2012) und Jubeljahre (2015) sowie der Essayband A.H.A.S.V.E.R (2016). Bei Hanser veröffentlichte Czollek 2018 Desintegriert Euch!


Programm

Die Tickets gibt es an den einzelnen Spielstätten im Vorverkauf und an der Abendkasse.

26. März, 19.00 Uhr
Desintegriert Euch!
Buchpräsentation und Lesung mit Max Czollek

Ort: Jüdisches Museum, Standort Ehemalige Synagoge Kriegshaber, Ulmer Straße 228, 86156 Augsburg
Eintritt: 5,00/3,00 Euro


27. März, 19.00 Uhr
Neue Solidaritäten oder jüdisch-muslimische Leitkultur?
Talk mit Mirna Funk (Berlin), Tülay Ates-Brunner (Augsburg), Alexander Ratschinskij (Augsburg) und Max Czollek (Berlin)
Moderation: Can Gülcü (Wien)

Ort: Kulturhaus abraxas, Sommestr. 30, 86156 Augsburg | Eintritt: 5,00/3,00 Euro


28. März, 17.30 Uhr
Guerilla-Museumstour

mit Max Czollek, dem Augsburger Comic-Zeichner Paul Rietzl und Museumsdirektorin Dr. Barbara Staudinger

Begrenzt auf 30 Personen!
Anmeldung bis 26. März 2019 erforderlich unter
Tel.: 0821 – 51 36 58 oder Mail: office@jkmas.de

Die Tour dauert etwa 90 Minuten, der anschließende Poetry Slam um 20.30 Uhr kann problemlos erreicht werden.

Ort: Jüdisches Museum, Standort Innenstadt, Halderstraße 6-8, 86150 Augsburg | Eintritt: 8,00/5,00 Euro


28. März, 20.30 Uhr

Desintegration für alle
Poetry Slam gehostet von Horst Thieme
mit Ezgi Zengin (Augsburg), Pauline Füg (Fürth), Helmuth Steierwald (Nürnberg), Max Czollek (Berlin) u. a.

Ort: Beim Weissen Lamm, Ludwigstraße 23, 86152 Augsburg | Eintritt: frei

(Pressemitteilung Jüdisches Museum Augsburg Schwaben)
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