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Eine Führung mit explosivem Charakter - Schülerinnen der Agnes-Bernauer-Realschule Augsburg erkunden den Industriepark Gersthofen

Die Neuntklässlerinnen der Agnes-Bernauer-Realschule Augsburg zusammen mit ihrem Lehrer Oliver Reb (links oben), Ausbilder Rudolf Neugebauer, IGS-Personalleiter Reinhold Pfiffner und Ausbilder Thomas Winterer (ganz oben v.l.) vor dem Ausbildungszentrum
 
Ingrid Knöpfle (l.) präsentiert Daten und Fakten über den Industriepark
 
Die beiden Ausbilder Thomas Winterer und Rudolf Neugebauer (v.l.)
 
Auch IGS-Personalleiter Reinhold Pfiffner und sein Kollegin Verena Sommerreißer nahmen sich Zeit für die Agnes-Bernauer-Realschülerinnen
Über 100 Jahre Erfahrung, ca. 1.500 Mitarbeiter, davon 140 Azubis und das Ganze auf einer Fläche von 35 Hektar, verteilt auf zehn Unternehmen. Klingt beeindruckend? Ist es auch. Wie sehr, zeigte sich den 13 Schülerinnen der Agnes-Bernauer-Mädchenrealschule Augsburg und ihrem Lehrer Oliver Reb direkt vor Ort im Industriepark Gersthofen.

Ingrid Knöpfle, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, empfing die Gruppe und führte sie in den Schulungsraum des Ausbildungszentrums. Dort angekommen warteten bereits die Ausbilder Thomas Winterer, der für die Ausbildung zum/zur Chemikant/in zuständig ist, Rudolf Neugebauer, verantwortlicher Ausbilder für Chemielaboranten, sowie IGS-Personalleiter Reinhard Pfiffner und Verena Sommerreißer, die vor zwei Jahren ihre Ausbildung zur Industriekauffrau erfolgreich im Industriepark abgeschlossen hat und jetzt im Service Center Personal der IGS (Industriepark Gersthofen Servicegesellschaft) arbeitet.

Zunächst stellte Ingrid Knöpfle den Schülerinnen in einer Präsentation die wichtigsten Daten und Fakten über den Industriepark vor. Angefangen bei der Entstehung des Unternehmens, das 1900 als Filialwerk der Farbwerke Hoechst AG gegründet wurde, über die einzelnen Unternehmen und die Anzahl der Mitarbeiter, bis hin zur Unterscheidung der Begriffe Industriepark Gersthofen und IGS als Betreibergesellschaft, der der Betreiber hinter den einzelnen Firmen ist. Wichtig sei letzere Information, betonte Frau Knöpfle, da Bewerbungen an die IGS und nicht an „Industriepark Gersthofen“ adressiert werden sollen. Alle Azubis im Industriepark Gersthofen haben einen Ausbildungsvertrag mit der IGS und werden im Auftrag der verschiedenen Firmen ausgebildet.

Weitere Tipps zur erfolgreichen Bewerbung bei der IGS folgten in der anschließenden Diskussionsrunde mit den Ausbildern. So sollten der Bewerbung ein Anschreiben, ein Lebenslauf in tabellarischer Form, Kopien der letzten beiden Schulzeugnisse sowie weitere Zeugnisse egal welcher Art beiliegen. Auch die Bescheinigung über ein absolviertes Schülerpraktikum ist wichtig und kann dem Ausbildungsbetrieb bei der Auswahl der Lehrlinge helfen. Nach der erfolgreichen Bewerbung werden die in Frage kommenden Auszubildenden zum Einstellungstest eingeladen. Bei diesem werden neben Grammatik, Rechnen, Geometrie und abstraktem Denkvermögen je nach Fachrichtung auch noch Kenntnisse in Naturwissenschaften bzw. Allgemeinwissen abgefragt. Der Bewerber erfährt direkt nach der Auswertung des Tests noch am gleichen Tag im Rahmen des anschließenden Vorstellungsgespräches sein Ergebnis und seine Chancen auf einen Ausbildungsvertrag.

Schließlich stellten die Schülerinnen noch allerhand Fragen. So zum Beispiel wie viele Auszubildende denn überhaupt eingestellt werden. Dies variiere in den einzelnen Bereichen; bei den Chemikanten beispielsweise sind es momentan 21 Auszubildende. Welche Ausbildungsberufe werden eigentlich angeboten? Herr Winterer zählt auf: die Ausbildung zum/zur Chemikant/in, Chemielaborant/in, Elektroniker/in für Betriebstechnik, Industriemechaniker/in, Industriekaufmann/-frau, Koch/Köchin, Fachkraft für Lagerlogistik sowie Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Eine weitere interessante Frage lautete: „Wie viel verdient ein Auszubildender denn im ersten Lehrjahr?“, was Frau Verena Sommerreißer mit „etwas über 700 €“ beantworten konnte. Herr Winterer ergänzte , dass die Ausbildung im Industriepark Gersthofen als der größte Ausbilder im Landkreis Augsburg anerkannt und sehr gut sei.

Außerdem wollten die Schülerinnen wissen, wie oft und wo man in der Ausbildung in der Berufsschule sei. „Das hängt von dem gewählten Ausbildungsberuf ab“, erklärte Herr Winterer. So haben Industriekaufleute wöchentlich Unterricht in Neusäß, Auszubildende technischer Berufe haben meist Blockunterricht in der Berufsschule Augsburg. Eine weitere Frage lautete, wie denn die Arbeitszeiten der jeweiligen Berufsbilder seien. Chemikanten arbeiten von 06:45 bis 15:45 Uhr (nach der Ausbildung meist im Drei-Schicht-System; also Frühschicht von 6:00-14:00 Uhr, Spätschicht von 14:00-22:00 Uhr und Nachtschicht von 22:00-6:00 Uhr). Laboranten hingegen arbeiten in der Ausbildung von 07:30 bis 16:15 Uhr. Außerdem findet Herr Neugebauer es wichtig zu wissen, dass es im Beruf des Laboranten zwei Hauptrichtungen nach der Ausbildung gebe: Zum einen die Analyse von bestehenden Produkten, zum anderen Forschung in neue Verbindungen für neue Produkte.

Nach all den Fragen schlug Herr Winterer schließlich vor, einen Rundgang durch die Lehrwerkstätten im Ausbildungszentrum zu starten. Zunächst wurden die Schülerinnen also durch die Räume, in denen sich die Industriemechaniker-Azubis befinden, geführt. Aufgrund des „etwas höheren Lärmpegels“ dort zogen die Schülerinnen angeführt von Herr Neugebauer in das Lehrlabor für die zukünftigen Laboranten. Dort gibt es gleich am Eingang zwei Vorschriften zu beachten: Handy aus und Schutzbrille tragen. Herr Neugebauer erklärte nun kurz allerlei Gerätschaften, die im Labor vorzufinden warensind: Von Pipetten über Kolben, den Abzug, die Eismaschine (kein Speiseeis!), ein Thermostate, Lösemittel, einem Schmelzpunktapparat, einem IR-Gerät, dem Refraktometer bis hin zu äußerst teuren Waagen, die bis auf ein zehntausendstel Gramm genau messen können. Herrn Neugebauers Tipp daher: „Luft anhalten beim Messen – sonst atmet man die Probe ein.“ Abschließend erklärte er, dass in diesem Berufsbild bei den Auszubildenden der Mädchenanteil in der Regel zwei Drittel der Azubis ausmache. Auf die Frage einer Schülerin, ob eher Gymnasiasten oder Realschüler bevorzugt werden, antwortet Herr Neugebauer, dass der größere Teil seiner Azubis von der Realschule komme, Abiturienten seien eher in der Minderzahl. Diese Zusammensetzung ist dadurch begründet, dass Gymnasiasten nach der Ausbildung oftmals studieren wollen, das Unternehmen seine Azubis aber lieber bei sich behalte. Die Ausbildung zum Chemielaboranten dauert an sich dreieinhalb Jahre, Gymnasiasten können auf drei Jahre verkürzen und Schüler, die sehr gute Noten in der Berufsschule haben, können sogar auf zweieinhalb Jahre verkürzen.

Als nächstes folgte eine Tour durch das Lehrtechnikum der Chemikanten, diesmal von Herrn Winterer angeführt. Zuallererst jedoch wieder die Warnhinweise vor dem Betreten: Helmpflicht, Handyverbot und „Warnung vor explosionsfähiger Atmosphäre“! Auch in dieser Lehrstätte ist ein kleines Labor vorzufinden. Den größeren Teil machte jedoch die Halle aus, in der Reaktoren, Destilliergeräte und ein Rektifikationsapparat „beheimatet“ sind. Außerdem konnte man im Raum eine Tafel vorfinden, an der für jeden Azubi eine bestimmte Aufgabe aufgelistet war. So eine Aufgabe umfasst beispielsweise die Herstellung eines bestimmten Produkts oder die Erstellung einer Powerpoint-Präsentation zu einem ausgewählten Thema. Auch interessant war es zu erfahren, dass die meisten Unfälle in der Lehrstätte nicht etwa durch Verätzung, Verbrennung oder sonstige Gefahren, die man hier erwarten könnte, zustande kommen, sondern durch einfachste Versehen wie: stolpern, ausrutschen, anstoßen usw. Schließlich wurde noch das ganz neu installierte Prozessleitsystem erklärt, von dem aus per Touchscreen alle Prozesse im Lehrtechnikum überwacht und gesteuert werden können. Anhand der sperrigen und schweren Geräte war jedoch auch für die Schülerinnen schnell erkennbar: Der Beruf des Chemikanten ist eher ein Männer-dominierter Beruf.

Nachdem auch diese Tour beendet war, kehrten alle wieder in den Schulungsraum zurück, wo nun noch weitere Fragen auf die Ausbilder warteten. So machte sich eine Schülerin, die gerne Chemikantin lernen würde, Gedanken, ob ihre Noten im Zeugnis gut genug seien, um überhaupt in die engere Auswahl der Bewerber zu kommen. "Bewerbung herschicken", war die Antwort der Ausbilder. Es käme zum Beispiel manchmal auch vor, dass Bewerber, die sich um eine Ausbildung zum Chemielaboranten bewerben, deren Noten aber nicht optimal dafür sind, gefragt werden, ob sie sich auch eine Ausbildung zum Chemikanten vorstellen könnten. Außerdem wurde das Schnupperpraktikum angesprochen, das die IGS speziell in den Osterferien anbietet. Wer Interesse an solch einem Praktikum habe, solle einfach ein kurzes Anschreiben verfassen à la „Sehr geehrte Damen und Herren, ich bewerbe mich um einen Praktikumsplatz als Chemikant/Laborant in Ihrem Haus“ und dies zu den Ansprechpartnern Herrn Pfiffner oder Frau Sommerreißer schicken. Im Übrigen bevorzuge die IGS die schriftliche Bewerbung, betonte Verena Sommerreißer. Ein letzter Tipp von Herr Neugebauer: Das Zeugnis der 9. Klasse sollte so gut wie möglich sein, da es sehr wichtig ist – sogar wichtiger als das Abschlusszeugnis!

Viele Informationen zur Ausbildung bei IGS gibt es auf der Homepage www.industriepark-gersthofen.de oder seit kurzem auch in Facebook und auf YouTube. Außerdem sind die Ausbilder und einige Azubis am 24. März auf der Berufsinfo-Messe "fit for job" in Augsburg anzutreffen. Einfach mal hingehen und informieren!
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Ratgebermagazin | Erschienen am 20.03.2012
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