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Vizeweltmeister im Kickboxen - WM Silbergewinn auf Jamaika

Wirkungstreffer im Halbfinale
Montego Bay (Jamaika): Convention Center | Dass der Landkreis Dachau sportlich viel zu bieten hat, ist jedem bekannt, der fußballbegeistert ist. Dass es neben den traditionell bekannten Sportarten aber auch weitere erfolgreiche Sportler hier gibt, wissen meist nur diejenigen, die sich neben Fußball und Tennis auch mit anderen Sportarten beschäftigen.

Insbesondere Kickboxen eilt nach wie vor noch oft der Ruf einer Schlägersportart voraus, der nur von zwielichtigen Gestalten in dunklen, muffigen Sporthallen betrieben wird.Die Wahrheit sieht natürlich anders aus. Neben der technischen Äquivalente stellt insbesondere die Kondition hohe Hürden für Wettkämpfer in dieser Sportart. Und hart schlagen muss nicht automatisch auch gewinnen heißen.

Sportler aus dem Landkreis Dachau überregional erfolgreich

Und dass man es auch in dieser Sportart zu etwas bringen kann, bewies Benjamin Rauch aus Altomünster. Nach seiner Teilnahme bei der Weltmeisterschaft 2016 in Sindelfingen, qualifizierte er sich 2018 erneut für die Deutsche Nationalmannschaft. Ein zweiter Platz bei der Deutschen Meisterschaft, sowie der Gewinn der Munich Open im April 2018 führten zur Nominierung für das Nationalteam.Und diesmal sollte es nach der Heim-WM vor zwei Jahren fast ans andere Ende der Welt gehen.

ISKA Weltmeisterschaft auf Jamaika

Vom 10.09 bis 15.09.2018 veranstaltete der Weltverband ISKA (International Sports Kickboxing Association) die Weltmeisterschaft in Montego Bay, Jamaica.Bei der ISKA handelt es sich um einen der beiden weltweit größten Verbänden, der neben den eigenen Veranstaltungen auch die bekannten Verbände GLORY, Bellator und K1 sanktioniert und deren Events mitveranstaltet.

Dementsprechend war die Weltmeisterschaft auch mit Athleten aus der ganzen Welt gut besucht. Von der Ukraine über Dänemark, England oder Portugal, bis zu den amerikanischen Staaten und Australien waren Nationalteams im Conference Center in Montego Bay vertreten.

Die "Reggae Boys" dominieren den Wettbewerb

Vor allem das Heimteam aus Jamaika zeigte sich dabei äußerst motiviert. Die dortige Kickboxnationalmannschaft bestand im Wesentlichen aus Kämpfern des Olympiateams im Vollkontakt-Taekwon-Do. Und eben diese Profisportler holten sich im Erwachsenenbereich Sieg um Sieg.

Auch in der Klasse der Schwergewichte über 91kg, in der Benjamin Rauch startete, waren neben zahlreichen anderen Ländern auch drei Jamaikaner gemeldet.

Bereits in der Vorrunde traf der 36-Jährige auf einen dieser Profis, der sofort loslegte wie die Feuerwehr. Von den Bundestrainern Guido Fiedler und Maurizio Granieri hervorragend eingestellt, ließ sich Benjamin aber nicht beeindrucken und setzte immer wieder gute Treffer. Zum Ende der zwei Runden hatte er sich einen deutlichen Punktevorsprung erarbeitet, der zum ersten Sieg eines deutschen Kämpfers gegen einen Lokalmatador führte.

Das diese Schmach vom Heimteam ausgemerzt werden sollte, zeigte Kampf Nummer 2, bei dem Benjamin Rauch erneut einem Jamaikaner, der einen weiteren Deutschen in der Vorrunde eliminiert hatte, gegenüberstand. Doch das wüste Anstürmen und Abfeuern von Kick- und Schlagkombinationen brachte dem Kämpfer mit Heimvorteil auch hier nichts. Stattdessen zeigte sich der deutsche Kämpfer im Turnier angekommen und zeigte starke Wirkungstreffer, die insbesondere im Gesicht des Jamaikaners Spuren hinterließen. Kurz vor Ende der 2.ten Runde war die technische Überlegenheit auf dem Scoring Board der Kampfrichter dann auch zu deutlich und der Kampf wurde abgebrochen und als technischer Knock-Out Sieg für Benjamin Rauch gewertet.

"Explosiver" Finalkampf 

Der abschließende Finalkampf sollte dann eigentlich im Rahmen einer zwei Tage später stattfindenden Abendveranstaltung im Sportfernsehen in Jamaika live übertragen werden. Da sich dies jedoch mit dem Heimflug nach Deutschland überschnitt, wurde der Kampf direkt im Anschluss durchgeführt. Und wieder sollte es gegen den letzten im Tournament verbleibenden Jamaikaner gehen, der im Halbfinale durch Knockout gesiegt hatte.

Dabei handelte es sich um Akino Lindsay, der den Beinamen "Semtex" trägt. Und genauso explosiv ging er auch zu Werk.  
Es entwickelte sich ein harter Kampf, der neben schönen Techniken beider Kämpfer zunächst insbesondere durch taktische Fouls des Jamaikaners auffiel. Insbesondere die Beine von Benjamin wurden unzulässig mehrfach mit harten Kicks getroffen, bis der Hauptkampfrichter eine förmliche Verwarnung aussprach. Direkt danach setzte Benjamin zu einem Kick zum Kopf des Gegners an, als er von einem Drehkick in den Unterleib getroffen zu Boden ging.

Durch den harten Treffer war er im Anschluss nicht mehr in der Lage den Kampf fortzusetzen und musste das Finale somit an seinen Gegner aus Jamaika abgegeben.

„Schade, dass nach einem derartigen Turnierverlauf eine solche Technik mein Finale beendet.“, äußerte Benjamin, sichtlich enttäuscht.

Nichtsdestotrotz hatte er in einer der sowohl von der Anzahl, als auch der Qualität der Kämpfer am stärksten besetzten Gewichtsklassen des Turniers die Silbermedaille und damit die Vizeweltmeisterschaft gewonnen.

„Gegen Profisportler ist es natürlich immer schwerer. Ich muss ganz normal arbeiten gehen und betreibe den Sport als Hobby. Die Jungs können hier davon leben und trainieren täglich mehrfach. Umso höher sind meine beiden Siege zu werten. Das ist, wie wenn im Fußball der Amateurverein gegen die hochbezahlte Profitruppe gewinnt.“

Ohne Sponsoren geht nichts

Neben den Bundestrainern und zahlreichen Trainingspartnern aus Kampfsportvereinen im süddeutschen Raum, die ihm bei der Vorbereitung zur Weltmeisterschaft geholfen hatte, dankte Benjamin noch seinen Sponsoren, dem Sportfachgeschäft Heimatsport, sowie dem Fitnessstudio Aktivita, die beide ihren Sitz in Aichach haben.

Als nächste Ziele benannte Benjamin die im November in Würzburg stattfindende Internationale Deutsche Meisterschaft der ISKA.
Und spätestens 2019 will er in Cork {Irland} dann nach der Goldmedaille greifen. „Wenn ich es mir finanziell leisten kann und Urlaub kriege.“, entgegnete er mit einem Schmunzeln. „Doch jetzt steht erstmal ein wenig Regeneration an, bevor es mit dem Wettkampftraining weitergeht.“
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