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Die Unersättlichen

Achtung, Satire!
Achtung, Satire!

Kaum kostet der Sprit mal ein paar lumpige Cent mehr, kocht der Zorn des Volkes auch gleich hoch. Sehr zum Unverständnis unserer Politiker jedenfalls, die sich gerade bei diesem heißen Eisen auch gern selbst in der Opferrolle sehen möchten.
So eben noch hat sich Otto Normalverbraucher ein schickes neues HD-Superflat-Fernsehgerät für schlappe 2000 Euro geleistet, nachdem er aus dem Winter-Urlaub zurückkehrte, will aber ausgerechnet an den paar Piepen für den Sprit geizen.
Wieder zurück an seinem Arbeitsplatz entlädt sich der Zorn auch gleich im gemeinsamen Kollegenkreis, ausgerechnet gegen diejenigen, welche sich nicht wehren können, weil sie nicht da sind.
Die Hartz 4 - Empfänger?
Nein, die sind diesmal nicht das Ziel allgemeiner Hetzkampagnen, denn die haben ja ihren Flachfernseher schon vergangenes Jahr gekauft, will man eifrigen Agitatoren Glauben schenken.
Unsere Politiker sind schuld am hohen Benzinpreis!
So die allmorgendliche Volksmeinung während der Frühstückszeit in deutschen Firmen.
In Deutschland gärt es - und es ist nicht das Bier, was den Menschen den Schaum auf die Lippen bringt.
Doch schaut man mal hinter die Kulissen und hat den nötigen, wirtschaftlichen Einblick - so wie ich, dann wird schnell klar, dass sich Gottes Zorn und der aller Autofahrer diesmal eindeutig an die falsche Klientel richtet.
Wer also hat wirklich Schuld an den hohen Spritpreisen?
Doch die Hartz 4 - Empfänger?
Die Bild-Zeitung?
Unsere Politiker?
Nein, es sind...
...natürlich die Scheichs, besser gesagt: die Ölscheichs!
Von denen scheint es ja da unten reichlich zu geben. Kennen wir ja.
Denn jeder von uns weiß, dass die Ölscheichs in ihrem Geld nur so schwimmen und jedes neue Familienmitglied dort schon als Multimillionär geboren wird, während es sich die Oberhäupter der Familien in Monaco gut gehen lassen.
Teure Partys auf kilometerlangen, chrompolierten Luxusjachten, leichte Oben-Ohne-Mädels aus Osteuropa und Schampus, der in Strömen fließt.
All dies will und muss natürlich auch von jemanden bezahlt werden.
Und da nun kommen wir ins Spiel.
Hier, im sonnigen Monaco werden die Spritpreise von morgen gemacht und selbst unsere hochbezahlten Politiker können das nicht in unserem Namen verhindern.
Je nachdem, wie der Abend so läuft, oder wie zickig eben die bestellten Girls sind, müssen wir daheim im kalten Deutschland dafür büßen oder blechen und dürfen fleißig zahlen.
Allmorgendlich sitzen die verkaterten, millionenschweren Scheichs zusammen und schicken nach ihren Buchhaltern.
Zuerst schaut man angestrengt und mit verkniffenen Augen auf den Wochentag.
"Ah, Sonntag in Deutschland."
Also zack - schnell noch die Benzinpreise angehoben.
Später, nach dem anstrengenden Champagner-Kaviar-Frühstück kommt dann die eigentliche und überaus harte Arbeit.
Mühevoll werden alle sechzehn Ferienkalender der einzelnen Bundesländer auf dem edlen Mahagonitisch ausgebreitet.
Erinnert den Laien irgendwie an Canasta und spielt sich bestimmt auch so ähnlich.
Jetzt kommt das Knifflige: Es muss ganz genau geschaut werden, in welchem Bundesland gerade Ferienbeginn ist und dann dort - genau: Zack und Preise hoch.
Klingt einfach, ist es aber nicht!
Denn das den Scheichs dabei auch mal Fehler unterlaufen sehen wir an den niedrigen Benzinpreisen in Tschechien oder Östrreich.
Tja, kein Systhem ist vollkommen.
Wer hat noch Schuld am hohen Benzinpreis?
Doch unsere Politiker?
Nein, der Dollar natürlich!
Denn komischerweise entwickelt er sich immer so nach oben oder unten, dass es sich stets nachteilig für unseren starken Euro und damit auch für das Barrel Rohöl auswirkt.
Kann man ja fast täglich in der Zeitung lesen und muss dafür nicht mal BWL studiert haben.
Als dritten Schuldigen machen wir in letzter Zeit verstärkt die Chinesen aus.
Nicht weil dort in China irgendwo ein Sack Reis umfiel, sondern weil China boomt und brummt, fast so wie ein Edelbordell in der Hafenstraße.
Chinas Wirtschaft wächst und das ganze Land befindet sich in einer Art mobiler Aufbruchstimmung.
Womit ist man mobil? Mit Fahrrädern?
Nein, schon lange nicht mehr, sondern?
Genau: mit Autos!
Und womit fahren die?
Richtig: mit Benzin!
Und weil die vielen Chinesen jetzt ausgerechnet den Sprit kaufen, der eigentlich für uns reserviert war, müssen wir die jetzt eben überbieten, die Chinesen.
Ist etwa so wie bei Ebay, nur eben gerade nicht so lustig für uns.
Was also können wir tun und wie können wir uns am besten dagegen wehren?
Die Lösung liegt eigentlich auf der Hand und sollte jedem einleuchten:
Wir bieten ab jetzt auf Fahrräder.
Denen zeigen wir es, den Chinesen!
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Weiterveröffentlichungen:

Osterländer Volkszeitung | Erschienen am 24.03.2012
2 Kommentare
59.223
Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 14.03.2012 | 20:45  
630
Andreas Hermsdorf aus Windischleuba | 16.03.2012 | 16:34  
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