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„Der Acht300 Gewerbepark ist eine Erfolgsgeschichte“: Ein Interview mit Thomas Wörle (Wirtschaftsförderung der Stadt Aichach)

Bei der Wi-La 2017 (Foto: Redaktion)
 
Blick von oben auf den Acht 300 Gewerbepark Aichach Dasing (Foto: Stadt Aichach)
 
Thomas Wörle besuchte die Schreinerei Merz beim Tag der offenen Tür (Foto: Stadt Aichach)
myheimat: Herr Wörle, im April fand wieder die große Leistungs- und Verkaufsschau Wi-La statt. Warum haben derartige Gewerbeschauen im Zeitalter des Online-Handels immer noch eine Daseinsberechtigung?

Wörle: Zuerst ist festzuhalten, dass die Besucherzahlen den Erfolg der WI-LA unterstreichen. Das ist einfach Tatsache. Warum das so ist, liegt sicher an dem überlegten Konzept, welches neben vielen organisatorischen und gestalterischen Facetten vor allem die Bedürfnisse der Aussteller, wie auch die der Besucher angemessen berücksichtigt. Aussteller können sich zu vernünftigen Preisen präsentieren, die Besucher können sich gezielt informieren, dabei die Produkte „hautnah“ erleben, oder auch nur eine schöne Zeit verbringen.

myheimat: Wie schreitet die Entwicklung im "Acht 300 Gewerbepark Aichach Dasing" voran? Können Sie die ganze Entwicklung von Anfang bis in die Gegenwart kurz skizzieren und auch darauf eingehen, warum es ein „Interkommunaler Gewerbepark“ wurde?

Wörle:
Das sind viele Fragen auf einmal. Lassen Sie mich zuerst mit dem Lebenslauf des Acht300, von den ersten Schritten bis zur Gegenwart beginnen. Ausgangspunkt war, dass die Stadt Aichach und die Gemeinde Dasing fast gleichzeitig das Bedürfnis hatten, neue Gewerbeflächen entwickeln zu wollen. Bei beiden Kommunen wären zu diesem Zeitpunkt selbst für am Ort ansässige Firmen kaum mehr Flächen für eine mögliche Expansion vorhanden gewesen. Vor diesem Hintergrund und im Sinne einer langfristigen Erhaltung der Standortattraktivität, der Arbeitsplatzsicherung und Weiterentwicklung der Gegend, führten die Bürgermeister der Stadt Aichach und der Gemeinde Dasing 2004 erste vertrauliche Gespräche. Es war von Anfang an deutlich, dass eine interkommunale Zusammenarbeit für beide Kommunen eine Win-win-Situation darstellen würde. Vor allem wäre es eine kolossale Verschwendung von Ressourcen gewesen, viele Arbeiten im Endeffekt doppelt auszuführen. Auf alle einzelnen Arbeiten im Detail einzugehen, würde zu sehr in die Breite gehen. Besonders betonen möchte ich aber die organisatorische Ausgestaltung der interkommunalen Zusammenarbeit. Es wurde keine eigene Verwaltung beim Zweckverband selbst aufgebaut, die Aufgaben wurden vielmehr auf die Verwaltungen der beteiligten Kommunen verteilt. Nach all den konzeptionellen Vorarbeiten wurde das Interkommunale Gewerbegebiet, der Acht300 Gewerbepark Aichach Dasing, mit dem Spatenstich in 2013, also etwa zehn Jahre nach den ersten losen Gesprächen, operativ umgesetzt. Der Acht300 Gewerbepark entpuppte sich als eine Erfolgsgeschichte. Innerhalb relativ kurzer Zeit von vier Jahren wurden rund vier Fünftel der Flächen verkauft. Für die Region konnten größere neue Unternehmen mit attraktiven Arbeitsplätzen gewonnen werden, bestehenden Unternehmen konnten Flächen für die Expansion zur Verfügung gestellt werden. Gegenwärtig stehen noch ca. 40.000 Quadratmeter zum Verkauf zur Verfügung.

myheimat:
Welche Unternehmen aus welchen Branchen würden Sie sich für den interkommunalen Gewerbepark noch wünschen?

Wörle:
Ursprünglich wurde ein bestimmter Mix an Unternehmen ins Auge gefasst. Respektive der bisher verkauften Flächen, werden daher bei zukünftigen Verkäufen in erster Linie Unternehmen aus produzierenden Bereichen oder modernen Technologiebereichen berücksichtigt.

myheimat:
Wie fällt Ihre Bilanz in Bezug auf den innerstädtischen Einzelhandel in diesem Jahr aus?

Wörle:
Betrachtet aus der Perspektive der Leerstände im Stadtkern können wir sehr zufrieden sein. Es gibt nach wie vor dort kaum Leerstände, das spricht eindeutig für den Standort und unterstreicht auch, dass durch die Stadtentwicklung die richtigen Weichen gestellt wurden. Das Einkaufszentrum am Milchwerk ist auf jeden Fall ein Frequenzbringer für die gesamte Stadt. Wie sich das aber konkret messbar auf die einzelnen Geschäfte in der Innenstadt auswirkt, kann noch nicht abschließend beurteilt werden. Es ist aber eindeutig, dass der Online-Handel der bedeutsamste Mitbewerber des stationären Handels ist. Doch hat - und das kann man immer wiederholen - das Geschäft vor Ort eindeutige Vorteile für den Kunden zu bieten. Service, Beratung und sofortige Verfügbarkeit der Waren kann nur das Geschäft vor Ort bieten und solange unser stationärer Einzelhandel das gewährleistet, braucht uns nicht bange werden. In diesen Bereichen sind die Aichacher Einzelhändler sehr gut und engagiert.

myheimat:
Was wurde aus der Idee, eine digitale Einkaufsplattform in der Stadt Aichach für lokale Händler und Dienstleister einzurichten?

Wörle:
Wir arbeiten nach wie vor intensiv an dem Thema. Die Stadt Aichach war unter den ersten Kommunen, die sich deutschlandweit mit dem Thema befassten. In einem Modellprojekt lässt in dem Zeitraum zwischen 2015 bis 2018 auch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft das Thema Digitale Einkaufsstadt in den ausgewählten Städten Coburg, Günzburg und Pfaffenhofen untersuchen. Die Stadt Aichach hat parallel zusammen mit der Universität Augsburg Analysen und Überlegungen angestellt. Die bisherigen Ergebnisse, sowohl im Modellprojekt als auch in Aichach zeigen aber bis jetzt keine eindeutige Handelsempfehlung. Die oben genannten Modellkommunen haben jetzt erste Umsetzungsmaßnahmen getroffen, deren Entwicklung wir aufmerksam verfolgen. Es wird aber schwierig sein, die im Modellprojekt erarbeiteten Ergebnisse und Erfahrungen als generell anwendbar zu betrachten. Keine Stadt ist gleich. Es kristallisiert sich aber heraus, dass nur bei entsprechender Attraktivität, breit gefächerten Angeboten und Inhalten eine solche Seite von Bürgern angenommen wird. Andererseits macht es für Einzelhändler und Dienstleister nur Sinn, sich zu beteiligen, wenn genügend Frequenz und damit Nachfrage auf dieser Plattform gegeben ist. Die Bandbreite der möglichen Lösungen kann man sich auf der einen Seite in etwa wie den Online-Shop Amazon vorstellen, mit allen seinen Möglichkeiten sowohl für Käufer als auch Verkäufer, auf der anderen Seite, wie ein statisches örtliches Unternehmensverzeichnis, das es ja in einfacher Form schon auf der Website der Stadt Aichach gibt. Bundesweit wurden noch nicht viele lokale Einkaufsplattformen umgesetzt und bei den umgesetzten Plattformen sind - trotz intensiver Werbung - Teilnehmerzahlen und Umsätze nicht herausragend. Es ist also noch nicht absehbar, ob es sich bei dem Thema um eine nachhaltige Entwicklung handelt. Unsere abschließenden Untersuchungsergebnisse zu Machbarkeit und individueller Ausgestaltung werden im Januar/Februar vorliegen. Dann sehen wir weiter. Letztendlich darf man auch die Kosten für ein solches Projekt nicht außer Acht lassen, denn die sind, sowohl für die Plattform als auch für die beteiligten Händler und Dienstleister nicht gerade gering.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.aichacher | Erschienen am 13.12.2017
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