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Ukrainer überrascht vom Wittelsbacher Land

Das Wittelsbacher Land war Ziel einer Delegation von Verwaltungs-Führungskräften aus der Ukraine und der Krim. Sie informierten sich über Regionalmanagement und Möglichkeiten von sanftem Tourismus. Dazu wurde das Baumhaus-Hotel der Famil
Bukowina heißt „Buschland“. In dieses einst wilde Buschland beiderseits der rumänisch-ukrainischen Grenze wanderten im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche Schwaben aus. Deren Nachfahren leben noch heute dort, und deutsch klingende Namen sind nicht selten in der Bukowina. Czernowitz zum Beispiel. Die 240000-Einwohner-Stadt, ehemals Tschernowitz geschrieben, ist Hauptstadt des Oblast (Landkreises) Tscherniwizi.

Aus Czernowitz kam jetzt eine neunköpfige Delegation in das Wittelsbacher Land, um sich Anregungen für bürgernahe Verwaltung und funktionierendes Regionalmanagement zu holen. Bei den Gästen handelte es sich um Verwaltungs-Führungskräfte, vergleichbar einem bayerischen Landrat oder seinen Abteilungsleitern. Sie machten auf Einladung der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) eine einwöchige Rundreise durch Schwaben, informierten sich in verschiedenen Gemeindeverwaltungen, besuchten die Schule der Dorf- und Landentwicklung in Thierhaupten sowie eine Kreistagssitzung in Aichach. Besonders überrascht zeigten sich die Ukrainer vom Bürger-Engagement in der Region.

„So etwas wie Vereine gibt es in der Ukraine nicht. Vieles, was bei uns von Bürgern ehrenamtlich gemacht wird, die Feuerwehr zum Beispiel, muss dort vom Staat angeordnet und bezahlt werden. Davon wollen die Ukrainer aber natürlich wegkommen“, erklärt Otto Hallabrin vom Europabüro des Bezirks Schwaben. Der Bezirk unterhält seit 1997 eine offizielle Partnerschaft mit der Bukowina.

Auf dem Programm stand auch ein Besuch bei zwei Unternehmen, die beispielhaft dafür sind, wie man mit regionalen Ressourcen wirtschaftliche Erfolge erzielt: das Baumhaus-Hotel in Pöttmes und die Brauerei Kühbach.
Mit ihrem Baumhaus-Hotel beweist die Familie Soos-Schupfner, dass sanfter Tourismus auch außerhalb der gängigen Urlaubsregionen erfolgreich sein kann. Sechs Gästebetten gibt es auf ihrem Bauernhof – in fünf Metern Höhe in den Wipfeln von Donaumoos-Ulmen... Die Baumhäuser haben Landwirt Janos Soos-Schupfner und seine Frau Judith aus Natur- und Recyclingmaterialien errichtet, Strom und Wasser in luftiger Höhe, Komposttoilette und Pflanzenkläranlage gehören zur Ausstattung. Alle Häuser sind für 2011 komplett ausgebucht, Anfragen für 2012 gibt es bereits.

Auf dem aufsteigenden Ast befindet sich auch die Brauerei Kühbach. Baron Federico von Beck-Pecozz erläuterte den osteuropäischen Besuchern, wie man mit ausschließlich regionalen Rohstoffen Produkte für die Region erzeugt. Auch das Energiekonzept der Brauerei interessierte die Besucher: Zur Brauerei gehören eine große Solar- und eine Biogasanlage, die die Brauerei, das zugehörige Schloss und eine Anzahl von Kühbacher Haushalten mit selbst erzeugter Energie versorgen.

Solch autarke Strukturen gibt es in der Bukowina bisher kaum. Auch fast 20 Jahre nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion herrschen dort zentralistische Verwaltungs- und Wirtschaftsstrukturen. Die sollen gelöst und an europäische Standards herangeführt werden, erklärt Otto Hallabrin. Der Know-how-Transfer auf Verwaltungsebene ist ein Schritt dahin. Darüber hinaus wird die Bukowina auch finanziell über die Bukowina-Stiftung unterstützt. Der stellvertretende Landrat des Wittelsbacher Landes, Rupert Reitberger, ist hier sehr engagiert. Er veranstaltet Kultur-Events zugunsten der Stiftung. Das gespendete Geld wird unter anderem für den Aufbau eines funktionierenden Gesundheitswesens verwendet. Derzeit wird in Czernowitz eine Zahnarztpraxis für Waisenkinder eingerichtet. Reitberger: „Es gibt in der Ukraine keine Krankenversicherung wie bei uns. Alle Leistungen müssen privat bezahlt werden. Für Waisenkinder bedeutet das: Sie bekämen keinerlei medizinische Versorgung ohne unsere Hilfe.“
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