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Ladekonzept für Elektrofahrzeuge in Aichach

Dieter Saliger und Hubert Fischer an der Elektroladesäule am alten Friedhof in Aichach
 
Elektrofahrzeuge verschiendenster Art können am alten Friedhof Strom tanken
 
Plug & Play - einfache Bedienung einer Ladesäule

Der Mobilitätswandel im Fahrzeugsegment – weg vom Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität – ist nicht mehr aufzuhalten. Er wird nicht nur in Metropolen stattfinden, sondern auch in Kleinstädte Auswirkungen zeigen. Hier gilt es, insbesondere für unser liebenswertes Aichach, vorbereitet zu sein und den Weg in die Zukunft aktiv mitzugestalten. Der Stadtentwicklungsausschuss des CSU Ortsverband Aichach hat sich hierzu Gedanken gemacht.

Zulassungszahlen bestätigen den Trend zur Elektromobilität

Deutschlandweit waren in 2018 ca. 120.000 reine Elektrofahrzeuge und 470.000 Hybridfahrzeuge zugelassen. Das entspricht einem Anstieg von knapp 45% (Elektro) bzw. 38% (Hybrid) im Vergleich zum Vorjahr. Im Landkreis Aichach-Friedberg ist dieser Trend leicht abgeschwächt, aber dennoch vorhanden: hier betrug der Zuwachs an zugelassenen Elektrofahrzeugen etwas mehr als 35% (Hybridfahrzeuge: 31%) auf insgesamt 168 zugelassene Elektrofahrzeuge (639 Hybridfahrzeuge) in 2018.
Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren massiv verstärken: nicht nur durch Reichweitensteigerungen auf mindestens 400 km, sondern auch durch rasanten Anstieg der zur Auswahl stehenden Elektrofahrzeuge. Innerhalb der kommenden Jahre werden die Automobilhersteller ihre Fahrzeugmodelle auch als elektrifizierte Variante anbieten. Der große Durchbruch wird ab dem Jahr 2020 erwartet.
Die skandinavischen Länder haben den Trend zur Elektromobilität für Europa bereits vorweggenommen: in Norwegen beträgt der Marktanteil an Elektrofahrzeugen bereits knapp 50%, davon 63% reine Elektrofahrzeuge. In 2018 wurden dort 73.000 Elektrofahrzeuge neu zugelassen. Gründe hierfür sind neben einem hohen Haushalts-Nettoeinkommen auch staatliche Subventionen, sowie eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur anzuführen.

Arten und Einsatzzweck von Elektroladesäulen

Bei Elektroladesäulen ist grob zu unterscheiden zwischen Ladeleistungen von 22 kW und 50 kW aufwärts, sogenannte Schnellladesäulen. Mit ihnen ist es möglich, die Batterie eines Elektrofahrzeuges (Beispiel hier: Tesla Model S 75D) je Stunde um ca. 200 km Reichweite aufzuladen. Sinnvolle Platzierung dieser Schnellladesäulen ist deswegen überall dort, wo die Elektroreichweite mit kurzen Standzeiten erhöht werden muss. Dies ist vorwiegend an Autobahnen und Bundesstraßen der Fall.
22 kW Säulen findet man überall dort, wo zügiges Laden während moderater Standzeiten getätigt werden soll: etwa während des Einkaufens, Kinobesuchs oder Restaurantaufenthaltes. Hier werden je Stunde 80 km Reichweite „getankt“.
Nicht vergessen werden darf die Möglichkeit, Elektroautos mit Lichtstrom zu laden. Das ist die einfachste Möglichkeit und kann i.d.R. über eine gewöhnliche Haushaltssteckdose laufen. Aus diesem Grunde findet man diese Ladeart vorwiegend in Privatgaragen oder Bahn- und Flughäfen – überall dort also, wo die Fahrzeuge längere Standzeiten haben. Damit kann je Stunde die Reichweite um ca. 10 km erhöht werden.

Elektroladekonzept für Aichach

Schwenken wir hier den Blick auf Aichach.
Möglichkeiten, Elektroautos zu laden finden wir mit jeweils zwei 22 kW Ladepunkten am alten Friedhof, sowie am Kundenparkplatz der Firma Zorn in der Münchner Straße und bei BMW Weiß im Industriegebiet – dort ist sogar kostenfreies Laden möglich. Geplant sind Ladesäulen am neuen Feuerwehrgelände sowie am Landratsamt. Auch die Supermarktketten Lidl und Aldi haben signalisiert, für ihre Kunden während des Einkaufs bundesweit Lademöglichkeiten bereitzustellen – inwieweit dies auch für deren Standorte in Aichach gilt, bleibt abzuwarten.
Insgesamt muss festgestellt werden, dass die Ladeinfrastruktur in Aichach für den in den nächsten Jahren zu erwartenden Anstieg an Elektrofahrzeugen unterdimensioniert ist. Wir vom CSU Ortsverband Aichach haben uns deshalb im Rahmen des Stadtentwicklungsausschusses Gedanken zu einem Elektroladekonzept für unser liebenswertes Aichach gemacht und fordern einen Ausbauplan, um zukunftsführend benötigte Ladepunkte bereitzustellen. Dies muss punktuell durch Neuaufbau von Ladesäulen geschehen, aber auch durch intelligente Maßnahmen, die einen raschen Ausbau bei Bedarf ohne große Baumaßnahmen ermöglichen. So ist es einer Eingabe des Stadtentwicklungsausschusses unseres CSU Ortsverbandes zu verdanken, dass bei der gerade begonnenen Sanierung der Oberen Vorstadt, Leerrohre in vier der dort entstehenden Parkplätze verbaut werden. Dies ermöglicht später deren einfache Aufrüstung mit Elektroladesäulen, ohne die Teerdecke erneut aufreißen zu müssen.
Ein sinnvoller Standort für die Installation einer Schnelladesäule in Aichach wäre am an der B300 gelegenen Industriegebiet Süd – hier würden bereits Verpflegungsmöglichkeiten für die kurze Rast bereitstehen.
Aufbau von Ladesäulen mit 22 kW Ladepunkten bzw. deren Vorbereitung wäre an frequentierten Parkflächen in Aichach sinnvoll, wie etwa am Sissi-Schloss in Unterwittelsbach, im Schulzentrum, sowie an der Grundschule Aichach-Nord, am Krankenhaus und Freibad, am grünen Parkplatz in Innenstadtnähe, am Pfarrzentrum, in der Tiefgarage, am Kino, am Clever Fit Parkplatz, bei den beiden Ärztehäusern an der Martinstraße und Sudetenstraße, am Arbeitsamt, sowie auf Supermarktparkplätzen.
Eine Bereitstellung von Ladepunkten mit längeren Ladezeiten ist in Aichach beispielweise am Bahnhof und dem alten Verkehrsübungsplatz sinnvoll, wo die Fahrzeuge lange Standzeiten haben. Auch Hotels und deren Gäste könnten von einer ortsnahen Bereitstellung von Lademöglichkeiten über Lichtstrom profitieren.

Moderate Investitionen

Wer hohe Investitionskosten für den Ausbau der Ladeinfrastruktur für unsere Kleinstadt befüchtet, der sei beruhigt. Es gibt aktuell staatliche Subventionen für den Ausbau des Ladenetzwerkes, sowie budgetschonende Mietmodelle von Stromanbietern. Davon konnte sich der Stadtentwicklungs¬ausschuss bei einer Strategiediskussion bei den Augsburger Lechwerken überzeugen: eine Ladesäule mit zwei 22 kW Ladepunkten kann gemäß vorliegendem Angebot monatlich für 140 Euro gemietet werden.
Beim Ausbau wird empfohlen, auf eine einheitliche Infrastruktur von möglichst einem Anbieter zu achten. Dies hat für den Kunden den Vorteil einer einheitlichen Registrierung und Abrechnung des verbrauchten Ladestroms. Ein weiterer Vorteil wäre auch bei einer Konzepterweiterung vorhanden, bei der beispielsweise Ladengeschäfte in der Innenstadt Ihre Kunden beim Einkauf mit einer Prepaid-Karte mit Stromladeguthaben incentivieren könnten.
Budgetschonend würde sich auch ein „Anzapfen“ von vorhandenen Laternen in Aichach erweisen, bei dem über am Markt verfügbare Plug&Play-Lösungen Straßenlaternen sehr einfach mit einer Lademöglichkeit für E-Fahrzeuge aufgerüstet werden können. Hier entfällt das kostspielige Verlegen von Stromleitungen. Auch die Bereitstellung mobiler Stromspeicher bei Veranstaltungen – wie etwa dem Aichacher Volksfest – würde hohe Investitionskosten für benötigte infrastrukturelle Baumaßnahmen vermeiden.
Eine weitere Idee des Konzeptes ist die Aufrüstung des grünen Parkplatzes mit Solarüber-dachungen, die den benötigten Strom für Speisung der Ladesäulen selbst erzeugen. Hier (aber auch anderswo) könnten zudem innovative Parkplatzkonzepte – wie etwa die sternförmige Anordnung von Parkplätzen um eine Ladesäule – den gleichzeitigen Zugang von mehreren Fahrzeugen zu einer Ladesäule ermöglichen.

Wegeführung zu Ladesäulen

Um das Auffinden von vorhandenen Ladepunkten den Besuchern unserer Kleinstadt zu ermöglichen, kann eine einfache POI Erweiterung auf dem Internetportal aichach.de sowie in der Aichach App vorgenommen werden. Hierbei würde mit einfachsten Mitteln eine Übersicht der verfügbaren Elektroladesäulen entstehen.
Daneben regen wir die Kennzeichnung von Parkplätzen an, bei denen Lademöglichkeiten vorhanden sind. Dies kann beispielsweise durch eine einfache Kennzeichnung auf bereits vorhandenen blauen Parkplatzschildern geschehen: ein kleines Stromsteckersymbol im unteren rechten Rand der Schilder könnte hierbei vollkommen ausreichen.

Fazit

Zusammenfassend möchten wir die Stadt Aichach auffordern, proaktiv tätig zu werden um den Wandel zur Elektromobilität zu unterstützen. Das dient nicht nur dem Imagegewinn und steigert die Attraktivität unserer Stadt, sondern bedeutet auch deren zukunftsweisenden Ausbau. Dass das nicht zwingend mit teuren Maßnahmen geschehen muss, belegen unsere Konzeptanregungen. Eine intelligente und vorausschauende Planung bei bevorstehenden Baumaßnahmen können bereits weite Teile des Weges hin zur Elektromobilität ebnen. Auch eine Partnerschaft mit Stromanbietern kann budgetschonende Synergien hervorbringen.
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