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„Ob wir uns großartig von anderen Bands unterscheiden, interessiert uns nicht“

      Englischlehrer und Bandleader. Bairische Tugenden und englischer Gitarrenpop. Mainstream und Idependent. Bei Florian Laske scheint auch wirklich gar nichts zusammenzupassen. myheimat sprach mit dem sympathischen Komponist der Aichacher Independent-Pop-Band „tonair“. Und siehe da, es passt sehr wohl...

myheimat: Du bist Englischlehrer und gleichzeitig Leadsänger der Indie-Pop-Band „tonair“. Wie lässt sich das eher biedere Berufsbild des Lehrers mit dem antiautoritären Image des „Rock ´n’ Roll“ in Einklang bringen?
Florian Laske: Eigentlich ganz gut. Zumal das antiautoritäre Image des „Rock ´n’ Roll“ gar nicht mehr so antiautoritär ist. Viele „Rock ´n’ Roller“ sind doch mittlerweile die wahren Spießer und etliche Lehrer sind froh, wenn sie antiautoritär sein dürfen. Als ich im September anfing am Gymnasium bei St. Stephan Englisch zu unterrichten, hatte ich natürlich kein Interesse, dass die Leute von „tonair“ erfahren. Die Schüler fanden dies jedoch bald heraus, sprachen mich auf Videos und Lieder von „tonair“ an. Das fand ich anfangs gar nicht so toll. Ich will das eigentlich lieber trennen, was meistens auch funktioniert. In der Schule muss man natürlich autoritär sein, aber unsere Band lebt ja schließlich nicht den chaotisch, zerstörerischen „Rock ´n’ Roll“
myheimat: Warum wurdest du Englischlehrer? Musiklehrer würde doch eigentlich näher liegen?
Florian Laske: Klar, ich habe auch Musikpädagogik studiert. Ich entschied mich aber dann für Englisch und Deutsch, weil es mir ganz einfach mehr Spaß machte.
myheimat: Auf der bandeigenen Homepage erfährt man, dass „tonair“ heimische Tugenden pflegen. Was sind deiner Ansicht nach heimische Tugenden und wie spiegeln sie sich in eurer Musik wieder?
Florian Laske: Heimische Tugenden sind für uns bairische Gemütlichkeit, Natürlichkeit, kurzum – einfach sympathisch zu sein. Dies sind Werte die wir für uns reklamieren. Unsere Musik ist frei von großartigen Effekten. Unsere Texte handeln nicht von zerreißenden Herz-Schmerz-Geschichten, d. h. es ist alles relativ „nah am Menschen“ und natürlich belassen. Insoweit passen die erwähnten Tugenden auch gut zu unserer Musik, die klar und relativ unaffektiert ist. Auf das Bairische spielen wir mit Absicht an, was allerdings nicht ganz ernst zu nehmen ist (lacht)…
myheimat: Anajo, Klee, Die Sterne, etc. sind alles Bands, die den typisch deutschen Indie-Pop repräsentieren. Warum verfasst ihr eure Liedtexte hingegen in Englisch?
Florian Laske: Ich schrieb Liedtexte eigentlich von Anfang an lieber in englischer Sprache. Als ich damit begann Lieder zu komponieren, war es außerdem modern Songs in Englisch zu schreiben. England war für mich seither ein Land, wo ich unbedingt hin, dessen Sprache ich gut beherrschen wollte, was ich schließlich dann auch verwirklichte. Mittlerweile fühle ich mich in dieser Sprache auch sehr sicher und wohl. Ich muss sie nicht benutzen, weil ich denke, dass ich keine guten Texte schreiben kann und deswegen lieber in Englisch schreibe, frei nach dem Motto: „dann versteht es eh keiner.“ Das ist Schwachsinn. Wenn ich deutsch singe, habe ich ganz einfach das Gefühl, dass es nicht so richtig zu mir passt. Das Englische flutscht einfach besser durch…
myheimat: Independent-Pop-Bands gibt es wie Sand am Meer. Was unterscheidet deiner Meinung nach „tonair“ von anderen Popgruppen?
Florian Laske: Popbands gibt es tatsächlich wie Sand am Meer. Uns wird auch oft gesagt, dass wir zwar ganz nette Musik machen, aber viele fragen was daran eigentlich so besonders ist. Was uns von anderen Bands unterscheidet, ist, dass es uns total egal ist, inwiefern wir uns von anderen Bands unterscheiden. Das hört sich jetzt auch wieder nach einem typischen Band-Klischee an, aber uns ist es mittlerweile tatsächlich egal. Wir machen die Musik, die wir machen, ob diese dann nach 60s klingt, ob sie veraltet ist, sich unneu anhört ist uns egal, ohne dabei böse oder trotzig sein zu wollen. Wir sind einfach froh mit der Musik, die wir machen und ob wir uns jetzt großartig von anderen Bands unterscheiden, interessiert uns nicht wirklich.
myheimat: Die von dir komponierten Liedtexte sind teilweise sehr poetisch verfasst. Wodurch wirst du beim Liederschreiben inspiriert?
Florian Laske: Meistens von irgendwelchen Alltagsbegebenheiten, das kann eigentlich alles sein. Man liest etwas in der Zeitung, man hat irgendwelche Gedanken im Kopf. Klar manche unserer Lieder handeln auch von Liebe, aber eigentlich kann ich gar nicht genau sagen, wodurch ich wirklich inspiriert werde
myheimat: „tonair“ ist frisch, jung und sympathisch. Euer glatter Stil muss einem ganz einfach gefallen. Hast Du nicht wenigstens manchmal das Bedürfnis mit eurer Musik anzuecken und sich vom Mainstream wegzubewegen?
Florian Laske: Klar, immer wieder. Das Bedürfnis haben wir alle und versuchen es auch im Kleinen umzusetzen. Ob man das so merkt, weiß ich nicht genau. Was ist Mainstream? Wir wissen, dass wir immer so ein bisschen dazwischen liegen. Wir machen weder anbiedernde Popmusik, die sich dem totalen kommerziellen Erfolg verschrieben hat, noch machen wir Independent Musik, die uneingängig ist. Für uns war schon immer wichtig, dass unsere Lieder eingängig und mit schönen Melodien versehen sind, weil es uns ganz einfach gefällt. Aber natürlich möchte ich ab und an mit unseren Liedern und Texten anecken, was manchmal ja auch gelingt, ohne dass es alle merken.
myheimat: In den 60er und 70er Jahren war Musik Rebellion, Identifikation und wurde politisch instrumentalisiert. Hat Musik in unserer heutigen Zeit an Aussagekraft eingebüßt?
Florian Laske: In politischer Hinsicht auf jeden Fall. Musik, die heute im Radio läuft und in den Charts gespielt wird, ist oft voll von sexuellen Anspielungen und banalen Dingen. Ob sie deswegen schlechter ist, weiß ich nicht genau. Es gibt trotzdem Künstler, die sich auch heute noch mit ihrer Musik politisch äußern und die wird es auch immer geben. Die Frage ist, wie viel Gehör sie in der heutigen Zeit noch finden. Früher erlangten sie mehr Aufmerksamkeit, weil neben Musik auch andere Lebensbereich stark politisch gefärbt waren. In unserer gegenwärtigen Kultur ist das Unpolitische schon ganz offensichtlich. Ich selbst bin auch niemand, der sich wahnsinnig politisch engagieren oder äußern will. Hier bin ich genauso geprägt, also kann ich es auch nicht kritisch sehen. Das ist halt ein Zeichen unserer Zeit.
myheimat: Das Musikvideo zu „I Love You So Much More“ wurde im Aichacher Schwimmbad gedreht. Warum habt ihr euch gerade für diesen Ort entschieden?
Florian Laske: Das hat einen ganz einfachen Grund. Es war gar nicht so leicht ein Schwimmbad zu finden, in dem gedreht werden durfte. Hinzu kam das Problem, dass wir den Raum für drei Tage benötigten und dies war bei vielen Hallenbädern mit hohen Kosten verbunden. Das Aichacher Hallenbad war schließlich eines der wenigen Bäder, bei dem uns angeboten wurde, das Video dort zu drehen. Die Verantwortlichen unterstützten uns und fanden die Idee toll.
myheimat: Warum sollte der Videodreh überhaupt in einem Schwimmbad stattfinden?
Florian Laske: Das war die Story des Drehbuchs. Die Szene mit dem Träumer, der sich nach seiner Traumfrau sehnt, die Wassereffekte, wenn das Licht in das Wasser eintritt oder an der Wand reflektiert wird. Da war das Schwimmbad als Location eben ideal geeignet.
myheimat: „tonair“ verkörpert Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit. Was verbindet dich persönlich mit deinem Geburtsort Aichach?
Florian Laske: Viel zu viel, leider (lacht)! Nein, „leider“ könnte man sagen, wenn man Angst hätte, man kommt nicht von zuhause weg und würde lieber in die große, weite Welt hinausziehen. Bei mir ist das nicht der Fall. Ich bin gerne in Aichach, für mich ist es wichtig, Leute, die ich kenne, in einem bekannten Umfeld anzutreffen, dort kenne ich mich aus, dort ist meine Familie. Für mich ist es daher optimal in Augsburg zu leben, dort ein wenig „Großstadt-Gefühle“ zu erleben und meine Freiheit zu genießen. Es ist aber immer wieder schön nach Aichach zu kommen. Manchmal auch ein bisschen befremdlich wie sich Dinge nicht verändern (lacht), oder doch verändern. Witzigerweise kenne ich viele Leute, die jetzt älter sind, eine Familie gründen und wieder nach Aichach zurückkehren, egal ob sie in Hamburg, Berlin oder Augsburg gelebt haben.
myheimat: In einem Interview hast du einst erklärt, dass die Studioaufnahmen von „tonair“ oftmals unterschätzt werden und erst auf der Bühne voll zur Geltung kommen. Wann wird uns „tonair“ das nächste Mal live entzücken?
Florian Laske: Am 28. März im Thing in Augsburg, zusammen mit dem Solokünstler „Matou“. Dies ist unser einziges Konzert im Frühjahr, weil wir ein bisschen pausieren wollten, bevor wir im Sommer wieder zahlreiche Open-Airs spielen.
myheimat: Abschließend eine persönliche Frage. Ganz ehrlich, würdest du dich in 10 Jahren lieber vor einer 7. Klasse eines Gymnasiums oder auf der Bühne der Münchner Olympiahalle stehen sehen?
Florian Laske: Also wenn ich es mir aussuchen könnte, dann lieber auf der Bühne der Olympiahalle, obwohl die Olympiahalle meiner Meinung nach gar keine so schöne Auftrittsmöglichkeit für Bands darstellt. Mir macht Musik einfach unheimlich viel Spaß, dass ich es natürlich schön finden würde, damit mein Geld zu verdienen, sprich davon leben zu können. Andererseits bin ich auch wahnsinnig gern Lehrer.

Wir verlosen 3 CDs des aktuellen Albums "Back to the Nineties" von "tonair". Schicken Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff "tonair" mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse an verlosung@myheimat.de. Einsendeschluß ist der 14.03.2009!

Am Samstag, den 28.03.09 werden euch "tonair" im Thing in Augsburg ihre Pop-Delikatessen servieren. Mit dabei sein wird Augsburgs Lieblingsnochgeheimtippsongwriter "Matou". Beginn ist 21.00 Uhr.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin friedberger | Erschienen am 25.02.2009
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1 Kommentar
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Ramin Torabzadeh aus Augsburg | 12.02.2009 | 09:16  
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