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Ein transatlantisches Bläserfeuerwerk mit vielen Überraschungen

Die erste Überraschung des Abends war die gelungene kanadisch-bayerische Interpretation der Polka „Klarinettenmuckl“ durch die beiden Klarinetten-Solisten Jack Li (rechts) und Joachim Janyga (links).
 
Der jüngste Solist des Abends, der 16 jährige Tizian Pollanka, interpretierte das Concertino op. 26 für Klarinette und Orchester von Carl Maria von Weber. nicht nur mit technischer Finesse, sondern ebenso mit emotionaler Tiefe und das Orchester begleitete ihn zurückhaltend im Hintergrund.
 
Das Highlight des umfangreichen kanadischen Beitrags war das brillante, mit großer Leidenschaft gespielte Klarinettensolo von Jack Li mit den Rossini-Variationen „Introduction, Theme and Variations“. Die solistischen Passagen waren perfekt mit dem Orchester abgestimmt.
Aichach: Deutschherren-Gymnasium | Aichach. Deutschherren-Gymnasium.
Der Vorsitzende des Musikvereins Aichach, Simon Weiß, hieß die Gasteltern und kanadischen Gäste, 80 junge Musiker der „2018-Tour-Band“ der St. Georges Boy School, mit ihren Dirigenten Mark Rnic und Dr. Dean Markel aus Vancouver willkommen und begrüßte die zahlreichen Gäste unter anderen auch Bürgermeister Klaus Habermann mit Gattin in der vollbesetzten Aula des Aichacher Deutschherren-Gymnasiums.

Die kanadischen Dirigenten hatten mit ihren Kollegen Eduard Augsburger ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm einstudiert. Das weit gefächerte Repertoire des Abends, reichte von der bayerischen und ungarischen Volksmusik über die gefühlvolle Romantik, ergreifender Kirchenmusik und schwungvoller Jazz-Musik bis zu konzertanter Blas- und Unterhaltungsmusik.

Als Vorband agierten die Aichacher Stadtmusikanten. Moderator Sepp Huber informierte humorvoll über die traditionelle bayerische Musik, die vor 200 Jahren aus Tänzen entstanden ist. Zünftig spielten sie auf mit dem Schottisch „Rehragout“ im 2/4 Takt. Mit dem Zwiefachen „Bayerischer Bauer“, folgte eine regionaltypische Spezialität, der mit dem permanenten Taktwechsel von 2/4 Takten und 3/4 Takten eine große Herausforderung für Tänzer ist. Die erste Überraschung des Abends war die gelungene kanadisch-bayerische Interpretation der Polka „Klarinettenmuckl“ durch die beiden Klarinetten-Solisten Jack Li und Joachim Janyga. Mit dem Trinklied „Auf der Vogelwiese“ von Josef Poncar brachte das neu entdeckte Gesangsduo Wolfgang Glas und Luca Ostermeier mit Ihrem humorvollen Solo die Zuhörer zum Schmunzeln. Bei einem Querschnitt durch die bayerische Tanzmusik durfte der Landler, der Blues der Bayern, als der populärste bayerische Tanz natürlich nicht fehlen. Die zweite Überraschung des Abends war die Premiere des Landlerpotpourries „ Landlerisch für die Stadtmusikanten“, das der im Wittelsbacher Land bekannte Vollblutmusiker und Tenorhornist Wolfgang Glas arrangiert hatte. Im letzten Stück, der Polka „Trompetenecho“ von Slavko Avsenik nutzen die Trompeter die Gelegenheit sich zu profilieren.

Nach einem kurzen Umbau übernahmen Lucia Brummer und Cristoforo Calabró die Moderation und kündigten die Musikstücke charmant und mit wissenswerten Informationen an. Mit ihren ersten Stück, der hymnischen Eröffnungsfanfare „The Olympic Spirit“ von John Williams, der Erkennungsmelodie der Olympischen Sommerspiele 1988 in Südkorea, signalsierte die Stadtkapelle und das Jugendblasorchesters der Musikschule Aichach mit ihren 45 Musikern Aufbruchsstimmung und Tatendrang.
Ein Glanzstück des Abends war das bekannte Musikstück der Romantik, das Concertino op. 26 für Klarinette und Orchester von Carl Maria von Weber. Der jüngste Solist des Abends, der 16 jährige Tizian Pollanka, interpretierte das Werk nicht nur mit technischer Finesse, sondern ebenso mit emotionaler Tiefe und das Orchester begleitete ihn zurückhaltend im Hintergrund. Strümischer Beifall zeigte die Begeisterung des Publikums.
Vor Beginn des nächsten Stücks war der Dirigent verwundert, dass für das Trompetensolo “Cherry Pink and Apple Blossom White” von Pérez Prado der Solist nicht mehr an seinem Platz saß. Hoch oben auf den Balkonen beidseits der Bühne erönten überraschenderweise zwei Trompeten. Die beiden Trompetensolisten Luca Ostermeier und Francesco Calabró traten in einen leidenschaftlischer Wettstreit, wer die Noten auf der Trompete am besten langziehen konnte. Deshalb wird das Stück auch Gummi-Mambo genannt. Ein kleiner Gag, der das Publikum sichtlich erheiterte.

Es folgte das Medley „Movie Milestones“ mit den dynamischsten und unvergesslichsten Filmmusiken von Hans Zimmer. Das Orchester arbeitete die unterschiedlichsten Effekte der Melodien wie „Gladiator“, „Madagascar“, „Der König der Löwen“ und „Fluch der Karibik“ gut heraus, von aufregend und intensiv bis zart und skurril.
Die Spannung steigerte sich bis zum Finale mit dem Titel “Sparkling drums” von Ted Huggens. Ein Stück für Schlagzeugvirtuosen, das ein fulminantes Feuerwerk beinhaltete und Alex Gilliar die Möglichkeit gab die grandiose Beherrschung seines Instrumentes voll zu entfalten. Zu Beginn des Solos ging das Licht aus, die Noten wurden nur von Pultleuchten beleuchtet und minutenlang waren nur noch die wirlbenden blau-flourescenten Schalgzeugsticks zu sehen und die schnell wechselnden sowie verschiedensten Rhythmen zu hören.


Im zweiten Teil des Konzerts bedankte sich der Director of Music Mark Rnic zuerst bei den Gasteltern, die den Schülern das Highlight der Reise, den Homestay” ermöglicht hatten und äußerte seine große Freude wieder in Aichach sein zu dürfen.
Die beiden kanadischen Dirigenten informierten das Publikum mit Wissenswertem über die einzelnen Werke auf charmante und humorvolle Art und griffen abwechselnd zum Tacktstock. Ergreifend dargeboten wurde die Vertonung von Josef Rheinbergers Choral "Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden", einer Textstelle aus dem Lukas-Evangelium mit dem ausgewogenen Klangcharakter der einzelnen Register.
Das Highlight des umfangreichen kanadischen Beitrags war das brillante, mit großer Leidenschaft gespielte Klarinettensolo von Jack Li mit den Rossini-Variationen „Introduction, Theme and Variations“. Die solistischen Passagen waren perfekt mit dem Orchester abgestimmt. Aufbrausender, langanhaltender Applaus für eine fast professionelle Darbietung von Li mit ausgezeichneter Technik und Tongebung.
Eine weitere Überraschung war „Csárdás“ von Vittorio Monti, einer der bekanntesten Kompositionen für Violine und Klavier, die die Kanadier in der außergewöhnlichen Besetzung für Violine und Blasorchester neu arrangiert und dann an Swetlana Augsburger geschickt hatten. Eine einzige gemeinsame Probe genügte der Profimusikerin. Swetlana Augsburger demonstrierte ihr instrumentales Top-Niveau und setze sich mit Leichtigkeit gegen die sensibel begleitenden 80 Kanadier durch, das hört man nicht alle Tage.
Wie die Aichacher Stadtmusikanten mit ihrem Zwiefachen, so hatten auch ihre Gäste ungewohnt Rhythmisches in ihrem Repertoire, die “Serenade for Windband, op: 22 von Daniel Bourgeois. Der Komponist schrieb das Werk im 11/8 Takt und änderte ihn als kleine Herausforderung in der Mitte des Stücks zum 13/8 Takt.
Beim Konzertwerk „Air for Band“ von Frank Erickson gab es einen überraschenden Dirigentenwechsel, denn bereits beim ersten Konzert 1994 hatte Amateurdirigentin Hildegard Rindfleisch den Platz am Dirigentenpult übernommen.
Zur Auflockerung durfte das Aichacher Publikum zusammen mit dem Dirigenten schon mal mit Sprechsilben den Rhythmus des Jazz-Stückes „Sang“ von Dana Wilson einüben, den die Musiker danach mit sichtlicher Begeisterung vokal und instrumental ausbauten. Eine tolle Idee!
Beim letzten Stück, dem mit rasanten Tempo vorgetragenen Marsch "Storm and Sunshine" von John Phillip Sousa zogen die jungen Musiker nochmal alle Register ihres Könnens.
 
Zum Schluss ein überraschendes Joint-Venutre mit 120 Musikern aller drei Gruppen im Einsatz. Die Bohemian Rhapsodie von Freddie Mercury wurde mit Vielfalt und auf anspruchsvollem Niveau präsentiert. Ein schöner gemeinsamer Ausklang.
Als Wertschätzung 24 jährigen guten Zusammenarbeit ehrte Simon Weiß besonders engangierte Musiker mit Geschenken. An erster Stelle Sepp Huber, der über 24 Jahre (!) die Organisation des Aufenthalts organisiert hat, den langjährige Vorsitzenden des Musikvereins Hans Schlittenbauer und natürlich die drei Dirigenten.

Das Fazit: Ein umfangreiches Konzertprogramm, das wegen der reichhaltigen Abwechslung und dem hohen musikalischen Niveau nie an Spannung verlor. Fast nicht enden wollender Applaus am Schluss zeigte die Begeisterung der Zuhörer.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.aichacher | Erschienen am 14.12.2018
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