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Die Erfindung des Schießpulvers: Über die Salpetersieder im Wittelsbacher Land

Berthold Schwarz, angeblicher Erfinder des Schießpulvers, Kupferstich von J. G. Schmidt, um 1380.
Es berühmen sich die hochmüthigen Chineser, daß das Pulver und Geschütz von ihnen schon vor vielen Seculis zu erst erfunden worden. Doch Alexius Sincerus, Autor einer Schrift über das Salpetersieden, erachtete diese Überlieferung als reine Legende, denn der Alchemie treibende Franziskanermönch Berthold Schwarz aus Freiburg habe das nach ihm benannte Schwarzpulver erfunden. Er mischte Salpeter mit pulverisiertem Schwefel in einem Mörser, in den ihm glühende Holzkohle geriet und die Materie zur Explosion brachte. Gleichsam aus Versehen habe der Mönch etwas gefunden, so er nicht gesuchet.

Das Salpeter- und Munitionswesen unterstand allein dem Landesherrn, der für die Erlaubnis zum Salpetergraben Patente erteilte. Gegen einen Vorschuss zur Errichtung der Siedehütten und dem Ankauf des meist kupfernen Siedegeschirrs verpflichteten sich die Saliterer, pro Jahr eine bestimmte Menge Salpeter zu einem festgesetzten Preis abzuliefern. Um eine möglichst hohe Ausbeute zu erzielen, stand ihre Tätigkeit unter dem besonderen Schutz des Landesherrn. Der Transport des Saliters war frei von Brücken- und Pflasterzoll, sie selbst waren vom Hand- und Militärscharwerk befreit. Ihre mitarbeitenden Söhne und Knechte waren sogar vom Militärdienst freigestellt. Die Kurfürsten misstrauten ihnen jedoch und wiesen die Landrichter permanent an, die in ihrem Bezirk aufgestellten Saliterer strengstens zu überwachen, damit das zur Landesverteidigung dringend benötigte „Fabrikat“ nicht anderweitig, und schon gar nicht ins Ausland verkauft werde. Für diesen Fall sah die im März 1624 erlassene ausführliche Saliterordnung noch die Lebensstrafe vor.

Salpeter, wenne er gelutert ist, so haißet er nit mer Salpeter, er haiset Salnite. Die Entstehung des Wortes Salniter kommt laut dem bayerischen Sprachforscher Johann Andreas Schmeller von sal nitrum (lat.). Nitratsalz und wurde durch Assimilation zu Salliter (Salitter).

Bettina Brühl schildert in ihrem Text „Salpetersieder im Wittelsbacher Land – „beim Saliter“ in Aindling und Baar“mit welchen zum Teil rabiaten Mitteln Saliterer in Aindling, Baar und Axtbrunn arbeiteten, um an den begehrten Salpeter zu gelangen. Deshalb wurde in der Bevölkerung den Saliterern kaum Sympathie entgegen gebracht, im Gegenteil sie waren gefürchtet und oftmals wohl auch gehasst. Erschienen in der Reihe „Altbayern in Schwaben“ 2012.

Der Band 2012 der Reihe „Altbayern in Schwaben“ ist im örtlichen Buchhandel oder im Landratsamt Aichach-Friedberg erhältlich. Dort gibt es auch Restbestände der Jahrgänge 2001 bis 2010.

Quelle: „Altbayern in Schwaben 2012“
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