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Das Hagendenkmal im Elm

Anton Liebig, Edler von Lübeck, Mineralienliebhaber und späterer Generalmajor, Hofmarschall und Kammerherr, lässt im Jahr 1845 im Elm, 25 Schritte östlich vom damaligen Standort des „Tetzelsteins“, das Hagendenkmal bauen.
„1845.
In dieser ietzt so viel bewegten Zeit,
Die wir mit iener wohl vergleichen mögen,
In welcher Luther lebte, lehrte, schuf,--
Wollt‘ ich der wohlbekannten kühnen That
Des Ritter Hagen, der dem Tezel hier
Den reich gefüllten Ablaßkasten leerte,
Nachdem ihm Ablaß ward, ein Denkmal weih’n,
Wie es ein schlichter Stein nicht immer sein kann.
Nur darum hielt ich den Gedanken fest,
Und schuf in dieser Waldes Einsamkeit
Der That dieses Denkmal, neben ienem Stein,
Der drei Jahrhunderte die Stelle wahrte,
Die gut gekannt im Volkesmunde blieb:
Denn iedes Kind zeigt gern dem Wandersmann,
Wo Tezel um den Ablaßschatz gekommen.“

Diese Worte befinden sich auf einer Erläuterungstafel in einem bekannten Denkmal im Elm, einem Mittelgebirgszug östlich von Braunschweig. Anton Liebig, Edler von Lübeck (1783-1863), Mineralienliebhaber, Oberst und Flügeladjutant des Herzogs Wilhelm (1806-1884), hatte das Denkmal 1845/46 auf eigene Kosten errichten lassen.
Das als „Hagendenkmal“ bekannt gewordene Bauwerk bezieht sich auf den berühmten päpstlichen Ablassprediger und Inquisitor Dr. Johann Tetzel (1465-1519), der auch in der Elm-Region seinen Ablasshandel betrieben haben soll. Der Kasten Tetzels, eine mit Eisen innen und außen bewehrte Truhe, soll ihm auf der Elmhöhe zwischen Küblingen und Königslutter vom Ritter „von Hagen“ abgeknöpft worden sein.
„Didaskalia – Blätter für Geist, Gemüth und Publizität“ berichteten in ihrer Ausgabe vom 30. November 1845 über das besondere Bauvorhaben: 
„(Braunschweig, 21. Nov.) [...] Nicht weit von Sambleben, in der Nähe des einständigen Wirthshauses Großen Rode im Elm, findet man einen hohen, bemoosten Stein, an welchen sich folgende Überlieferung knüpft: Als der berüchtigte Dominikaner, Johann Tetzel, Subkommissarius des Erzbischofs von Mainz, welcher den Ablaß für ganz Deutschland vom Papste in Generalpacht genommen, im Jahr 1517 mit seinem Ablaßkram auch in unserer Gegend erschien, strömte ihm, wie überall, des rohen und unwissenden Volkes gar viel entgegen, um entweder die Seelen theurer Angehörigen aus dem Fegfeuer loszukaufen, oder wohl auch, um für die eigenen Sünden, bereits geschehene oder künftig zu begehende, einen Ablaßbrief zu erhandeln. […] Zur Erinnerung aber an das kühne Unternehmen des Ritters von Hagen wurde im ‚großen Rodt‘ jener noch dort an Ort und Stelle befindliche Stein errichtet. Um nun dem Andenken an jene Zeit des ersten Kampfes geistiger Aufklärung und Freiheit gegen die durch Pfaffenlug und Priestertyrannei geschaffene Finsterniß und Knechtschaft des Geistes, eines Kampfes, welcher leider selbst in unsern Tagen noch nicht beendet, ein würdigeres Denkmal zu stiften, hat einer der edelsten Männer unseres Vaterlandes von hoher Landesregierung den oben erwähnten Platz am Elm erbeten und erhalten, auf welchem er gegenwärtig aus eigenen Mitteln ein solches, mit Zuziehung eines ausgezeichneten Architekten, errichten läßt. Dieses Denkmal erhält, dem Vernehmen nach, die Gestalt einer kleinen, mit einem Thurm versehenen gothischen Kapelle ohne sichtbaren Eingang, in deren Mitte eine steinerne Erinnerungstafel mit der bezüglichen Inschrift, welche durch zwei, die Fenster vertretenden Öffnungen deutlich zu lesen ist, aufgestellt werden wird. Unter den Fensterbögen wird man den Ablaßkasten Tetzels, welcher sich gegenwärtig in Ulm befindet, nach einer treuen Kopie in Stein gehauen erblicken und über den Spitzbögen die Wappen des Ritters von Hagen und des Begründers. Das ganze Denkmal, in einem eben so einfachen als edeln Styl gehalten, wird aus dem naheliegenden großen Steinbruch, welcher treffliche Quadern liefert, errichtet, und wird in architektonischer Hinsicht noch deßhalb merkwürdig seyn, weil außer dem Stein nicht Holz noch Eisen oder irgend ein anderes Material zum Bau benutzt wird.“
Der aus Königsberg gebürtige und vielseitig gebildete Anton Liebig, Edler von Lübeck, avancierte 1847 zum Generalmajor, Hofmarschall und Kammerherr, er starb 1863 im Range eines Oberhofmarschalls in Braunschweig. Die im Verlag von Carl Schünemann herausgegebene Zeitschrift „Niedersachsen“, die lange den Untertitel „Norddeutsche Monatshefte für Heimat und Volkstum“ trug, gab 1916 über den besonderen Menschen, der zudem am 19. Mai 1847 zum Ehrenbürger der Stadt Braunschweig ernannt worden war, preis: „Zu besonderem Namen gelangte Wilhelm von Lübeck, der, 1828 braunschweigischer Major und Chef der Artillerie, im Jahre 1863 als Herzoglicher Generalmajor, Kammerherr und Oberhofmarschall am braunschweigischen Hofe im 88. Lebensjahre verstarb.” 
Im Niedersächsischen Landesarchiv befindet sich unter der Signatur NLA WO, 28 Alt, Nr. 1195 eine Akte des Oberforstamtes Königslutter aus dem Jahr 1845, die sich mit der Erbauung des Hagendenkmales beim Tetzelsteine befasst und der auch eine Karte beigefügt ist. 
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