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Die südliche Umfahrung von Bad Kösen und Naumburg ist Unsinn, die nördliche wird immer notwendiger!

Seit zwei Wochen warte ich vergeblich auf die Veröffentlichung meines nachfolgenden Leserbriefs zum Artikel „Mehrheit für Doppelstrategie“ in der MZ vom 29.04.2010.
Er wurde bisher nicht gedruckt, so dass ich mich Frage, ob die Zeitung Politik macht, indem nur genehme Artikel veröffentlicht werden, aber nicht solche, die die Wahrheit über Sinn und Unsinn aufzeigen. Ist das Demokratie?


Hier meine Stellungnahme zu dem sinnlosen Bau einer südlichen Umgehungsstraße vom 05. Mai 2010:

Die Entscheidung, die südliche Naumburg -Umfahrung für ca. 90 Mio. € mit einer 60 m hohen und 1260 m langen Brücke, sowie einem 60 m tiefen Bergeinschnitt zu bauen, muss von klaren Fakten abhängig gemacht werden.
Wahrheit und Objektivität sollten dominieren. Die gegenwärtigen Emotionen gehören nicht hierher.

1. Die Verwaltungsgemeinschaft Bad Kösen hat in dem Anhörungsverfahren vom 28.07.1994 und 20.12.1995 (hierüber gibt es Niederschriften) den Bau einer südlichen Umfahrung abgelehnt und gleichzeitig der Realisierung einer Nordumfahrung (über Fränkenau – Almrich) zugestimmt.
Bei der Südumfahrung hätte man sich gegebenenfalls mit der unterhalb der Saale geführtenTunnellösung einverstanden erklären können. Die war zu teuer!
Erst jetzt hat der Ortsrat seine Zustimmung zur Südumfahrung gegeben – wahrscheinlich in Unkenntnis der Beschlüsse aus 1994/95.
2. Von besonderer Bedeutung sind die offiziell festgestellten Zahlen bezüglich der Verkehrsentwicklung.
In die Zeit von 1993 -2009 fällt der Bau bzw. Ausbau der wichtigen Autobahnen A4, A9, A14, A71 und A38 (fertig gestellt Ende 2009). Diese Autobahnen haben die Verkehrsflüsse erheblich verändert, was auch in Naumburg festzustellen ist. Zum Beispiel fährt man heute nach Nordhessen und NRW nicht mehr über die A4 unter Nutzung der B87, sondern über die A38 schneller, bequemer und Zeit sparender.
Auf der A4 fehlt die Verbindungsautobahn Wommen – Kassel – z. Zeit 70 km Landstraße. Dieser Abschnitt wird wahrscheinlich niemals gebaut. Demnach wird weiterhin die A38 genutzt.

1993 fuhren auf der B87 Richtung Eckartsberga durchschnittlich 7.200 Autos – 1994 waren es 12.000 Autos in Bad Kösen. Auf Grundlage dieser Zahl erfolgte eine Hochrechnung, die bei zu erwartenden 18.000 Autos/Tag lag. Hier musste eine Entlastungslösung gefunden werden. In der Zwischenzeit haben die um uns fertig gestellten Autobahnen diese Entlastung übernommen.
Bei einer erneuten Zählung 2000/01 wurden anstatt der 7.200 Autos nur noch 3.950 Autos gezählt, die sich im Jahre 2005 weiter auf 3.630 reduzierten. Von diesen 3.630 Autos würde die Hälfte die Umgehung nutzen können – das wären 1.815 Autos/Tag – und NICHT 18000 Fahrzeuge je Tag, wie ursprünglich prognostiziert.
Der Verkehr von Naumburg nach Bad Kösen ist von 10.050 (1993) auf 7.700 (2005) zurückgegangen. Dieser Verkehr kann die Umgehung sowieso nicht nutzen, da es hauptsächlich Zielverkehr ist.
Der Verkehr aus Richtung Großraum Freyburg hat von 15.100 (1993) auf 18.500 (2005) zugenommen. Er dürfte nach Fertigstellung der A38 die Zahl 20.000 überschritten haben. Hier liegt das Problem der Zukunft für Naumburg.
Hier brauchen wir die eine verkehrstechnische Lösung.
Die Zählung von 2010 steht z. Z. noch aus. Sie wird für den kritischen Bereich, für den die Brücke gebaut werden soll, unter 3.600 Autos/Tag liegen – also gerade einmal 20 % der prognostizierten 18.000 Autos/Tag erreichen.
Ist die Ausgabe von 90 Mio. € Steuergeldern hierfür gerechtfertigt?
Die Zahlenangaben im Artikel vom 29.04.2010 mit 10.000 PKW und 1.100 LKW/Tag sind schlichtweg falsch.

3. Die Region lebt vom Tourismus. Die Aufnahme der Region in das Welterbe ist eine wichtige Voraussetzung für die weitere Belebung des Tourismus. Den Titel haben wir schon gefunden: „Der Naumburger Dom und die hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft“. Toll!
Zu dieser Herrschaftslandschaft müssen die Rudelsburg – Sicherung der westlichen Grenze des Bistums Naumburg und Burg Saaleck – Burg der Landgrafen von Thüringen – gehören. Ohne sie wäre ein Beitritt zum Welterbe nicht denkbar.
Mit der Zerschneidung dieser Landschaft durch den Taleinschnitt und durch die Realisierung dieser gigantischen Brücke können wir uns vom Beitritt zum Welterbe verabschieden. Dies ist in einem Schreiben der ICOMOS vom 10.03.2010 deutlich beschrieben worden. Warum teilt man das der Bevölkerung nicht mit?
Derjenige, der meint, beides haben zu können – Umgehung und Welterbe – ist naiv und wirklichkeitsfremd.
Auf der Grundlage dieser eindeutigen Fakten sollten die politischen Gremien schnellstens ihre Entscheidung überdenken.

Max Will, Bad Kösen – 05. Mai 2010
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6 Kommentare
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Naumburger Tageblog aus Naumburg (Saale) | 20.05.2010 | 19:56  
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Ingrid Reichardt aus Bad Kösen | 26.05.2010 | 21:06  
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Frank Biedenweg aus Abtlöbnitz | 17.06.2010 | 01:17  
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Frank Biedenweg aus Abtlöbnitz | 23.06.2010 | 13:41  
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Axel Zimmermann aus Bad Klosterlausnitz | 17.01.2012 | 19:49  
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Frank Biedenweg aus Abtlöbnitz | 24.04.2012 | 22:08  
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