Verpackungskünstler am Werke: die Gespinstmotten
Momentan sieht man allerorten silbrig eingesponnene Sträucher und Bäume - das Werk der meist graugelben Raupen der Gespinstmotte. Während ihre Kunstwerke bei Sonnenschein seidig schimmernden, muten sie bei trüben Wetter fast gespenstisch an. In den Nestern wimmelte es nur so, aber wir entdeckten auch noch einige restliche winzige Eier, welche wie kleine fast schwarze Pünktchen in den Gespinsten klebten. Normalerweise fügen die Freßattacken dem Wirt keinen nennenswerten Schaden zu, doch In diesem Jahr ist der Befall, wie wir feststellten, extrem. Wir können uns nicht erinnern, in früheren Jahren solch eine Masseninvasion erlebt zu haben. In Vynen am 28.05.2012 (Pfingstmontag) z.B. waren hauptsächlich Weiden und Traubenkirsche betroffen. Hier haben die Tiere selbst Baumstämme und dicke Äste eingewebt. Es wird geraten, befallene Stellen herauszuschneiden, doch diesen Fällen scheint uns dies zwecklos. Einige Weiden sind inzwischen so kahlgefressen, daß sie wie abgestorben anmuten, das Werk von Zigtausenden pro Baum.
Die Gespinstmotten (Yponomeuta), wovon es in Mitteleuropa 80 Arten gibt, gehören zu den Schmetterlingen, stellen aber eine eigene Familie dar. Sie alle sind auf eigene Gehölze spezialisiert, höchstens jedoch auf zwei Arten. Spinnen die Raupen jedoch Bänke, Zäune Geräte auf Spielplätzen und Sportanlagen etc. ein, überleben sie dies nicht, da sie schlicht und einfach verhungern. Trotzdem kommt dies immer wieder vor, und befallenen Anlagen müssen während dieser Zeit gesperrt werden. Diese Motten gehen jedoch weder an Lebensmittelvorräte, noch fressen sie Löcher in Textilien.
Die nachtaktiven Falter haben eine Flügelspannweite von 20mm,ihr Körper ist 10mm lang. Das obere hellbeige Flügelpaar hat kleine dunkle Punkte, das untere ist etwas dunkler gefärbt. Im Hochsommer legen sie in Nester an ihrem Wirtsgehölz, meist in Zweiggabelungen, 40 - 80 Eier. Nach 3 - 4 Wochen schlüpfen die Raupen und überwintern unter einem Schutzschild, wobei milde Winter ihr Überleben begünstigen.
Im Frühjahr verlassen sie mit dem Austrieb der Gehölze ihr Versteck, und das große Fressen beginnt - zuerst die Knospen und die jungen Blätter. In dieser Zeit können den kleinen Vielfraßen Nässe und Kälte besonders schaden. Mit zunehmendem Alter, das ist meist im Juni der Fall, beginnen sie mit dem Einweben ihrer Wirtspflanze, und, je nach Befall, kann es zum absoluten Kahlfraß kommen. Gleichzeitig produzieren sie dabei jedoch leicht abbaubaren Raupenkot, sodaß der Wirt einen Großteil durch den Blattfraß verlorengeganenen Mineral- und Nährstoffe wieder zurückerhält. Diese feinen Netze sind besonders zäh und reißfest und werden bei Beschädigung unverzüglich repariert.
Betroffen hiervon können in jedem Jahr Pfaffenhütchen, Weißdorn, Traubenkirsche, Weiden und Obstgehölze wie Äpfel, Birnen und Pflaumen sein. Die meisten Gehölze treiben Mitte Juni, also Johanni, wieder aus, da sich die inzwischen 2cm großen Raupen dann verpuppen. Bleiben sie kahl, kann man von einer natürlichen Auslese kranker und geschwächter Gehölze ausgehen. Doch bei Obstbäumen sind Ernteausfälle möglich, deshalb entfernt man hier die Gespinste möglichst früh. Gegen den Einsatz von chemischen Bekämpfungsmitteln sind die Raupen nur im Frühstadium nicht immun, da sie dagegen später durch das Gespinst, was auch Nässe abhält, geschützt sind, weshalb, aber auch aus Naturschutzgründen, davon abgeraten wird. Bei wachsender Raupendichte, dazu noch verbunden mit ungünstigen Bedingungen, leiden die Tiere unter Hungerstreß, welche diese nicht nur schwächt - viele überleben auch nicht.
Der Zyklus ist mit dem Ausschlüpfen der Falter gegen Anfang Juli beendet. Während das Weibchen bis zu 2 Monate alt werden kann, stirbt das Männchen nach der Paarung. Auf ihr Flugaufkommen sowie das Paarungsverhalten wirken sich heiße, trockene Sommer besonders vorteilhaft aus, während nasse, kühle Sommer der Population eher schaden.
Natürliche Feinde sind Vögel, Fledermäuse, viele Insektenarten wie Schlupfwespen, aber auch Krankheiten durch Fadenwürmer, Pilze und Viren. So sind auch dieser Falter und seine Raupen als Teil des ökologischen Gesamtsystems zu sehen.
Wir haben übrigens immer wieder beobachtet, daß Passanten diese Tiere für die Raupen des Prozessionsspinners hielten, trotzdem aber erschreckend sorglos damit umgingen. Allerdings löste der Anblick der befallenen Gehölze bei vielen auch Ekel aus. Gefährlich für Menschen sind die Raupen der Gespinstmotte jedoch nicht, sodaß man sie sorglos aus der Nähe betrachten kann - im Grunde ein faszinierendes Naturphänomen, wenn sie denn nicht überhand nehmen.
Die Photos wurden von uns am 28.05.2012 in Vynen am See gemacht. Nur das letzte Bild der fertigen Motte ist von wikipedia: Traubenkirschen-Gespinstmotte (Yponomeuta evonymella) – Urheber: James K. Lindsey / frei.













