Der Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus) - Er ernährt sich von dem, worüber wir die Nase rümpfen!

Eigenes Foto, Hans-Martin Scheibner
 
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Der Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus) - Er ernährt sich von dem, worüber wir die Nase rümpfen !

Aktualisierte Neufassung unseres Beitrages vom 01.09.2011 mit erweitertem Anschauungsmaterial, u. a. auch Kurzvideos.

von Christel und Hans-Martin Scheibner

Weltweit gibt es 7000 Arten

Weltweit sind bisher 7000 Arten bekannt. Haben diese koprophagen (kotfressenden) Käfer erst einmal mit ihren empfindlichen Sensoren an den Fühlern eine Nahrungsquelle entdeckt, graben sich 90 Prozent der Tiere unter dem frischen Kot ein, um dann zwischen diesem und dem Nest hin und her zu pendeln. 80 Prozent aller Arten formen Kotpäckchen, während nur 20 Prozent den Dung zu Kugeln, sogenannten Pillen rollen. Nur der sogenannte Pillendreher legt sein mit getrocknetem Dung ausgepolstertes Nest weiter weg vom Dunghaufen an. Dieser Art, welche im südlichen Europa - auch Süddeutschland, Afrika sowie warmen Zonen anderer Erdteile vorkommt und welche besonders gründlich erforscht wurde, haben wir einen gesonderten Beitrag gewidmet, welcher als Ergänzung dieses Artikels dient.

Kurz erwähnen möchten wir hier noch den in Ägypten "Heiligen Scarabäus" (Scarabaeus sacer), Symbol für den ewigen Wechsel von Werden und Vergehen. Die Käfer galten auch als Glücksbote, da sie im Nilschlamm lebten, bei drohendem Hochwasser aber an Land gingen und so die Ägypter früh genug vor den Fluten warnten.

Der Mistkäfer gilt als stärkstes Insekt der Welt, wie englische Wissenschaftler der Queen Mary Universität of London herausfanden. Er ist dazu in der Lage, etwa das 1.141-fache seines Körpergewichts zu stemmen. Im Vergleich zum Menschen müßte ein 70 kg schwerer Mensch 80 Tonnen oder sechs vollbesetzte Doppeldeckerbusse hochheben. Je kräftiger entwickelt seine Hörner sind, desto größer die Chance, ein Weibchen zu bekommen und gegebenfalls gegen Konkurrenten zu verteidigen.

Der Waldmistkäfer - kleiner Bruder des Gemeinen Mistkäfers

Der bei uns heimische vorwiegend tagaktive Waldmistkäfer gehört zur Familie der Mistkäfer (Geotrupidae) und gilt als der kleine Bruder des Gemeinen Mistkäfers (Geotrupes stercorarius). Das Wort "gemein" wird in der Biologie nicht für "böse", sondern "allgemein" angewendet.

Er kommt normalerweise in größeren Gruppen in Wäldern von Ebenen, Bergland und Gebirge Europas diesseits der Alpen, Sibirien und im Kaukasus bis in Höhen von 2000m vor. Gern hält er sich unter frischem Dung von Pflanzenfressern auf, seine wichtigste Nahrung zusammen mit der dort anfallenden Gülle, aber inzwischen scheint auch der Kot von Menschen sowie fleischfressenden Tieren auf der Speisekarte zu stehen - wohl mangels Dung, der übrigens nicht trocken sein darf. Er verachtet aber auch nicht Aas, faulende Pflanzenteile und Obst, Pflanzensäfte und Pilze, und sein guter Geruchssinn ermöglicht ihm, seine Nahrung noch aus 2 km Entfernung aufzuspüren.

Leider sind die Umweltbedingungen - wie auch die Anwendung von Pestiziden oder der Einsatz moderner Großgeräte auf Weiden und Äckern hier in Deutschland für ihn nicht gerade rosig, sodaß man ihn, aber auch seinen größeren Bruder, den Gemeinen Mistkäfer, immer seltener antrifft. Dabei ist er ein unerläßlicher Entsorgungsspezialist für Feld, Weide und Wald und von großer ökologischer Bedeutung. Er ist neben anderen Verwertern an der Einarbeitung der Exkremente in den Boden beteiligt, welches zu einer Belüftung und Verbesserung der Bodenstruktur führt, was das Einsickern von Wasser erleichtert. Durch die Vernichtung eines erheblichen Anteils an Parasitenlarven fördert er die Gesundheit von Weide- und Waldtieren. Kaum auszudenken, was passieren würde, gäbe es diese Müllentsorger der Natur nicht mehr.

Blieben nämlich alle Tierexkremente liegen, hätte das ein Ersticken der Pflanzenwelt zur Folge. Eine diesbezügliche Erfahrung mußten die Siedler Australiens nach der Einführung von Schafen und Rindern vor gut 200 Jahren machen. Die meisten dort lebenden Mistkäfer waren auf trockenen Dung von Koalas und Kängurus spezialisiert und ließen den für sie fremden weichen Kot liegen. Anfang der 60er Jahre wurde die Situation äußerst kritisch. Die Weiden drohten zu ersticken, und es kam zu einer Buschfliegenplage, welche sich durch das große Kotaufkommen (eigentlich sind sie zuständig für die Verwertung menschlichen Kots) in unerträglichem Maß vermehrten. Diese heimische Art fiel in riesigen Schwärmen über die Menschen her. Über 50 Mistkäferarten wurden daraufhin eingeführt - 20 bestanden den Tauglichkeitstest und genießen seither hohes Ansehen bei den australischen Bewohnern.

Trotz seiner anrüchigen Nahrung ist der etwa 16 - 20 mm große schwarze Waldmistkäfers (Anoplotrupes stercorosus) mit seinen grünem, blauem bis violettem Metallicglanz hübsch anzuschauen. Die Flügeldecken weisen 7 Längsstreifen auf und sind im Gegensatz zu denen des Gemeinen Mistkäfers ohne Dellen, sein gepunktetes Schild ist gerandet, die kurzen Fühler am Ende mit kleinen Fächern versehen. An den Beinen hat er Stacheln und Dornen, und er weiß sich dank seines kräftigen Panzers und Kiefers recht gut zur Wehr zu setzen. Liegt er erst einmal auf dem Rücken, fällt es ihm äußerst schwer, sich wieder umzudrehen, und so versucht durch heftiges Strampeln mit den Beinen, das Ganze zu einem guten Ende zu bringen. Mit lautem zischenden Zirpen durch Reiben seiner kräftigen Chitinplatten und Schuppen seiner Beine verwirrt er seine Angreifer. Waldtiere wie Igel, Spitzmäuse und Steinkäuze können ihm jedoch gefährlich werden.

Zur Eiablage graben die Weibchen und Männchen im Frühjahr einen gut halben Meter langen Gang in den Waldboden, von dem aus die Tiere erweiterte etwa 10 cm lange Brutstollen mit Kammern anlegen, wobei sie ein gutes Team bilden. Das Weibchen gräbt unter der Erde die Gänge und bereitet alles für die Eiablage vor, das Männchen schafft die anfallende Erde aus dem Bau.

Meist geschieht dies unmittelbar unter einer vielversprechenden Kotfundstelle. Diese Stollen werden mit Kot-Klümpchen bestückt, an welche jeweils ein Ei gelegt und angedrückt wird. Anschließend werden sie mit Dung aufgefüllt und mit tonhaltiger Erde verschlossen.

Die weichhäutigen durchsichtigen Larven fressen sich in den Dungballen, auch Brutbirne genannt, hinein und verzehren ihn langsam von innen. Er wärmt sie gleichzeitig. Auch ihren eigenen Kot verwenden sie mehrmals, sodaß die Nahrung optimal ausgenutzt wird und ihnen so ihr Vorrat nicht ausgeht. Die äußerste Schicht des Ballens wird erst nach der Verpuppung und dem Schlüpfen des Käfers durchbrochen, und die Tiere graben sich an die Oberfläche. Sie überwintern noch einmal als Käfer und sind dann im Folgefrühjahr erst geschlechtsreif, das heißt, ihr Zyklus beträgt 2 Jahre. An windstillen Abenden schwärmen die Mistkäfer brummend im Tiefflug aus. Nehmen sie mit ihren Fühlern die Duftmarke eines Weibchens war, auch Botenstoffe oder Pheromone genannt, gibt es für sie kein Halten mehr. Erhört ihn die Auserwählte, schließt sich der Kreis.

Mistkäfer als Milbentaxi

Milben (Parasitus, Jugendstadien) benutzen im Grunde alle Mistkäferarten als Taxi (Tragwirt), um sich von Altkot zu frischem Kot transportieren zu lassen (Probiose/Phoresie aus dem griechischen phorein = tragen). Hierzu heften sie sich an die Ober- und Unterseite des Käfers. Eine der häufigsten Arten ist die gemeine Käfermilbe (Gamasus coleoptratorum), ein ziemlich hartes, rotgelbes Tierchen von durchschnittlich 1,2 Millimeter Länge. Diese mitreisenden Taxikunden nennt man auch "Kommensalen", da ohne Nutzen oder Schaden für den befallenen Käfer. In sehr großen Mengen können sie dem Käfer schon einmal lästig werden - dann versucht er, sie abzustreifen. Im Großen und Ganzen geht man jedoch von einer Teamgemeinschaft aus. Diese Milben fressen auf den Dungpartikeln befindliche Pilze und Mikroorganismen. Daß sie den Käfern schaden könnten, ist aufgrund wissenschaftlicher Forschungsergebnisse wohl eher als Irrglaube anzusehen.

Eine kurze, aber allumfassende Information über den Stoffkreislauf Wald:

http://www.wandern-saechsische-schweiz.de/Biela_St...

Hier drei Kurzvideolinks über unseren heimischen Mistkäfer:

1. Pillendreher- die wahren endverbraucher mai 2010 - Egerfilm - in deutscher Sprache und auf europäischem Boden auf einer Kuhweide produziert, leider ohne genaue Ortsangabe - mit Grundinformationen über das Mistkäferleben. Länge: 3 Min. und 52 Sekunden. Begleittext des Verfassers kann angeklickt werden. Die einfachen, aber präzisen Erklärungen sind auch schon für Grundschulkinde geeignet.
http://www.youtube.com/watch?v=3aipMsj1LMs

2. Ein Link zu einer Infoseite nicht nur für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter von Kidsville, gfördert von der Deutschen Bundesregierung, wo man allerlei über Mistkäfer erfährt:
http://www.kidsville.de/tiergarten/insekten/mistka...

3. Hier ein Kurzfilm über einen Waldmistkäfer auf der Pirsch - Anoplotrupes stercorosus - in Aktion in Burgwald, Mittelhessen (Urheber Pristurus - Creative Commons-Lizenz Wikipedia). Länge: 1 Min. u. 23 Sekunden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Anoplotrupes_st...

Diese drei Links zeigen Kurzvideos über den europäischen Pillendreher:

1. Kurzfilm über einen europäischen Pillendreher im Karst bei Ljubotič oberhalb der Ortschaft Tribanj Kruščica an der kroatischen Küstenstraße ca. zehn Kilometer von Starigrad-Paklenica an der meerzugewandten Südseite Velebit-Gebirges in Kroatien / Balkan / Südeuropa.-Urheber Joadl - GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Länge: 36 Sekunden
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Scarabaeoid...

2. Sisyphusarbeit eines Mistkäferpaares, gefilmt in Nordspanien. Hier ist sehr schön zu sehen, wie zwei Pillendreher im Teamwork ihre Mistkugel transportieren - ein mühsames Unterfangen. Urheber Siga - GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Wikipedia. Länge: 1 Min. und 16 Sekunden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Sisyphusarbeit....

3. Pillendreher transportiert Hundekot zu einem geeigneten Platz und gräbt dort ein Nest - gefilmt auf Korsika - User:Amada44 - GNU Free Documentation License - Länge1 Min. und 48 Sekunden.
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dung_Beetle...

Mistkäfer sind ein beliebtes Cartoon-Objekt

Interessant ist, daß der Mistkäfer sich in englischsprachigen Ländern größter Beliebtheit erfreut. Hier erhält man nicht nur reichlich Literatur, sondern im Web auch die meisten Informationen über diesen possierlichen Käfer, und es gibt dort nicht nur reichlich Text- und Bildwitze über ihn, sondern man hat dem "Dung beetle" sogar ein eigenes Buch mit Jokes und Cartoons gewidmet: " The Dung Beetle Joke Book [Paperback]"-Autor Wallace D. Campbell and Jacob T. Wilkins.

Last not least hier der Link zu meinem Lieblingsmistkäferbildwitz auf Piero Masztalerz Cartoonseite:
http://masztalerz.wordpress.com/2011/01/31/scheiss...

Hier der Link zu unserem Beitrag "Auch ein Mistkäfer: der afrikanische Pillendreher!":
http://www.myheimat.de/xanten/natur/auch-ein-mistk...
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2 Kommentare
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Elena Sabasch aus Hohenahr | 20.02.2014 | 07:52  
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Hans-Martin Scheibner aus Xanten | 20.02.2014 | 14:12  
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