Johanniter-Helfer mit Worten statt Fäusten im Einsatz

Abwehren eines Angriffs (Foto: Daniel Frenzel Johanniter)

Fortbildung: Deeskalationskurs, damit Helfer nicht zu Opfern werden.

Immer häufiger sehen sich Menschen in medizinischen und sozialen Berufen bei ihrer Arbeit mit aggressivem Verhalten konfrontiert. Auch vor den Helfern im Katastrophenschutz
und Rettungsdienst macht die Gewalt nicht halt.
In zwei Pilot-Fortbildungen haben sich jetzt 40 Helferinnen und Helfer der Regionalbereitschaft des Johanniter Regionalverbandes Niedersachsen-Mitte mit dem Thema befasst. Negative Erlebnisse sollen aufgearbeitet werden und für „das nächste Mal“ das nötige Rüstzeug geschaffen werden.

Oft fühlen sich die Helfer unsicher oder auch überfordert, wenn sie mit Aggressionen und Gewalt konfrontiert werden. Der Kurs soll dabei zeigen, das viele Gewalttätigkeiten durch rechtzeitiges Wahrnehmen von Signalen und geschickte Kommunikation vermieden werden können.

Jeweils 20 Johanniter (pro Kurs) der Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG) Wunstorf, Langenhagen, Deister und Schwarmstedt hörten den zwei Ausbildern und einer Ausbilderin aufmerksam zu.
Zu Beginn des sechsstündigen Kurses erzählten die SEG-Helfer von ihren Einsatzerfahrungen, zum Beispiel mit enthemmten Volltrunkenen oder verfeindeten gewaltbereiten Besuchergruppen bei Stadtfesten und Sportveranstaltungen. „Wir beobachten seit langem, dass die Gewaltbereitschaft auch gegenüber Rettungskräften zunimmt“, so Regionalbereitschaftsführer Tim Heinrich. Viele Johanniter haben bereits entsprechende negative Erfahrungen gemacht. Gemeinsam werden die Übergriffe aufgearbeitet und die Warnsignale vor einer möglichen Eskalation besprochen, zum Beispiel bestimmte Beleidigungen oder ein verringerter körperlicher Abstand. In Fallbeispielen lernen die Helfer, wie sie dem Aggressor wirkungsvoll begegnen und ihn mit Worten besänftigen können. Bei den Rollenspielen lässt sich gut erkennen, welche Gesprächs-Technik und Körpersprache einen Streit anheizt oder abkühlt.

Der praktische Teil „Eigensicherung und Selbstverteidigung“ findet in einer Sporthalle der Polizei in Hannover statt. „Wenn alles reden nichts mehr hilft, sollten unsere Helfer wenigstens ohne blaues Auge davonkommen“, ist sich Heinrich mit den Einheitsführern seiner Bereitschaft einig.

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