Werkstätten fehlen die Autos

Scharzfeld (dx). Niedersachsens Autofahrer bringen ihre Wagen immer seltener in die Werkstatt. Im Jahr 2014 habe es bei Reparaturaufträgen einen Rückgang um mehr als 8 Prozent gegeben, sagte der Präsident des Niedersächsischen Kfz-Gewebes, Karl-Heinz Bley. Da aber das Werkstattgeschäft seit jeher der zentrale Ertragserbringer sei, sieht sein Fazit düster aus: „Auf Dauer können wir so nicht überleben.“ Svenja Fricke, Geschäftsführerin des gleichnamigen Autohauses in Scharzfeld und Obermeisterin der Kfz-Innung im Kreis Osterode, sieht vor Ort ebenfalls vielfältige Probleme für die Betriebe, die Lage aber keinesfalls so düster wie Bley.


Längere Wartungsintervalle

„Die Wartungsintervalle für die Fahrzeuge sind heute deutlich länger geworden als sie es früher waren. Zudem besitzen viele neue PKW eine verzinkte Karosserie – sie rosten also nicht mehr.“ Beides Gründe für Fricke, dass die Fahrt zur Werkstatt abgenommen habe.

Werkstattbindung durch Versicherungen

Ein weiteres, viel größeres Problem sei in den vergangenen Jahren aufgetaucht: die Werkstattbindung durch die Versicherungen. Dies bedeutet, dass die Versicherungen mit einem Karosseriebetrieb, Lackierei, usw. einen Vertrag schließen. „Im Schadensfall schlagen sie ihren Kunden vor, die Reparatur beim Vertragspartner vornehmen zu lassen.“ Für den Verbraucher sei dies vermutlich egal, denn Stammwerkstätten fehlten aber natürlich diese Aufträge.

Schwere Vorgaben der Hersteller

Aber auch die Hersteller selber sieht Svenja Fricke als Gründe für die Probleme des Gewerbes. So bildeten große Betriebe, die zugleich Vertragshändler seien, eher die Ausnahme im Kreis Osterode. Der Großteil der Firmen arbeite meist als Servicepartner oder als Freie Werkstatt, da die Auflagen der Hersteller an die Unternehmen schlichtweg nicht zu erfüllen seien.

Kaum Verdienst am Neuwagen

Klare Aussagen trifft die Obermeisterin in diesem Zusammenhang beim Thema Neuwagenverkauf. Hier sei für die Autohäuser in Zeiten von Tageszulassungen und Rabattschlachten schlichtweg kaum noch etwas zu verdienen. „Keiner kauft heute seinen Wagen zum angegebenen Preis.“

Kunden recherchieren im Internet

Die Kunden wüssten heute besser denn je, was sie für einen Wagen wollten und was dieser kosten solle. „Aktuelle Umfragen zeigen, dass jeder potenzielle Neuwagenkäufer, der noch keine 60 Jahre alt ist, im Internet recherchiert, Preise vergleicht - und diese dann auch dem Händler vor Ort mitteilt.“ Zudem habe ein Wandel eingesetzt: „Früher kauften die Kunden im Schnitt alle fünf Jahre einen Neuwagen, heute sind es achteinhalb Jahre.“

Der Artikel ist auch im Harzer WochenSpiegel vom 6. Mai 2015 nachzulesen.
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