Streiks bedrohen die Zukunft des Bahnverkehrs in der Region

Walkenried (dx). Kein Ende ist im Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergesellschaft GDL in Sicht. Die Auswirkungen der Streiks – vergangene Woche fand der mittlerweile Siebte statt – sind für Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ Anlass zu großer Sorge um die Zukunft des Schienenverkehrs im Südharz. Zwar seien die letzten beiden Streiktage dank eines brauchbaren Notfahrplans vor Ort gut bewältigt worden, doch „die Unsicherheiten bei den Fahrgästen waren und sind groß“, wie Initiativen-Sprecher Michael Reinboth betont. Seine Prognose ist deutlich: „Wer kann, kehrt der Bahn den Rücken."

Auto statt Bahn

Denn während es in den Metropolen und Ballungsräumen oft kaum Alternativen zum Schienenverkehr gibt und die Kunden, wenn auch zähneknirschend, zur Bahn zurückfinden, sieht es diesbezüglich sowohl im Güterverkehr als auch im Nahverkehr der ländlichen Räume anders aus. Hier gibt es Alternativen durch Verlagerung der Verkehre auf die Straße, und genau dies findet nach der Beobachtung von „Höchste Eisenbahn“ aktuell auch statt.

Zurück in die 90er

„Wir werden wieder auf den Stand zu Beginn der 90er Jahre zurück geworfen, wo es im ländlichen Raum überwiegend die Zwangskunden waren, die, auch als ,4A‘ bezeichnet (Alte, Ausländer, Auszubildende, Arme), die Züge nutzten“, beschreibt Reinboth die Situation.

Gutes Angebot vor Ort

Besonders ärgert ihn dabei, dass das dank des überzeugenden Angebots der letzten Jahre dafür gesorgt wurde, dass die Süd- und Westharzstrecke neue Kunden gewinnen konnte. Vor allem Berufspendler hätten ihre Wagen stehenlassen und die Bahn genutzt. Dies würden allein die Pendlerparkplätze an den Bahnhöfen verdeutlichen. „Doch wenn die Bahn nicht mehr zuverlässig ist, werden vor allem diese Kunden wieder abspringen.“ Bereits beim jüngsten Streik, wo dank Notfallfahrplans fast alle Verbindungen fuhren, waren die Züge spürbar leerer als sonst. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, wenn die GDL weiter streikt. Und hieran besteht kein Zweifel - die nächste Verhandlungsrunde wurde bereits abgesagt.

„Kunden werden reagieren“

Die Leidtragenden sind für Michael Reinboth allein die Kunden: „Um diese schert sich in dieser Auseinandersetzung niemand mehr – und solche Behandlung lassen wir uns auf Dauer eben nicht bieten.“ Die Form des Protestes sei dabei auch klar: die Kunden fahren nicht mehr mit der Bahn. Die Folgen: „Wenn der Schienenverkehr im ländlichen Raum das Desaster überhaupt überlebt, wird es sehr lange dauern, das verlorene Vertrauen wieder herzustellen“, resümiert Reinboth, der seit mehr als 40 Jahren für den ÖPNV kämpft.

Zusammenbruch wenn die EVG streikt

Er sieht aber auch noch ein anderes, viel größeres Problem: Sollte die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft im Kampf um Mitglieder ebenfalls zum Streik aufrufen, werde vermutlich gar nichts mehr gehen. „Dann fallen auch die Stellwerke und andere Teile der Infrastruktur aus. Private Bahnen können dann, selbst wenn sie es wollten, auch nicht mehr fahren“, so die Prognose von Michael Reinboth.

Weitere Informationen zur Initiative Höchste Eisenbahn für den Südharz gibt es hier: http://www.suedharzstrecke.de/.

Der Artikel ist auch im Harzer WochenSpiegel vom 29. April nachzulesen.
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