Gedenken am Straßenrand

Straßenkreuz an der Priorteich-Kurve bei Bad Sachsa.
Osterode (dx). Sie sind mittlerweile eine alltägliche Erscheinung im Straßenbild. Geschmückte Orte, an denen Menschen plötzlich in den Tod gerissen wurden. Oft dekorieren Angehörige die Stelle des Unglücks zunächst mit Kerzen, Blumen oder Kuscheltieren. Später bilden sie dann ein Mahnmal – die Straßenkreuze. Auch im Erscheinungsgebiet des Harzer WochenSpiegel sind die stummen Zeugen von Unglücken zu finden, die zugleich Mahnmal für alle andren und Trauerarbeit für die Hinterbliebenen sind. „Es handelt sich um den Versuch, das erlittene Leid mit anderen zu teilen. Indem sie die Stelle markieren und den Verlust öffentlich machen“, sagte ein Sprecher Evangelischen Landeskirche. Ein solcher Trauerort ist aber nicht nur die Erinnerung an eine verstorbene Person, sondern zugleich ein deutlicher Hinweis auf die Unverfügbarkeit des Lebens – eine Warnung an die Verkehrsteilnehmer, dass jeden zu jeder Zeit das Schicksal eines plötzlichen Unfalltods treffen kann. Rechtlich befindet sich die Aufstellung der Straßenkreuze in einer Grauzone. Streng genommen handele es sich um „Hochbauten“, die so nah am Fahrbahnrand nicht zulässig wären, sagt Osterodes Erster Kreisrat Gero Geißlreiter. Der Landkreis wie auch die Landesbehörde für Straßenbau dulde aber Kreuze aus Pietätgründen. Historisch gehen die Straßenkreuze auf die sogenannten Sühnekreuze aus dem Spätmittelalter zurück. Als Bestandteil von Verträgen sollten sie nach einem Mord eine blutige Fehde zwischen den Familien von Opfern und Tätern beenden. In Deutschland nahm die Bedeutung der Kreuze als Trauerort am Straßenrand Ende der 1980er Jahre deutlich zu. Die Uno hat aufgrund der weltweit gestiegenen Bedeutung der Mahnmale sogar den dritten Sonntag im November zum Weltgedenktag für die Opfer des Straßenverkehrs erklärt.
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