Griechenland 2014: Die soziale Krise wächst

Wann? 29.04.2014 19:00 Uhr

Wo? Tasch’s Wirtshaus, Franz-Schubert-Straße 3, 35578 Wetzlar DE
Argiro Baduva (Foto: Ulrike Eifler)
Wetzlar: Tasch’s Wirtshaus | Veranstaltungshinweis des DGB Mittelhessen

Am Dienstag den 29.04.2014 findet um 19.00 Uhr im Tasch’s Wirtshaus (Franz-Schubert-Straße 3, 35578 Wetzlar) eine Diskussionsveranstaltung mit Argiro Baduva statt.

Die Aktivistin der griechischen Lehrergewerkschaft DOE, Argiro Baduva, berichtet und diskutiert über die Ursachen und Folgen der Wirtschaftskrise in Griechenland. Während in den bundesdeutschen Medien davon berichtet wird, Griechenland sei auf dem »Weg der Konsolidierung«, kann Baduva ein Lied davon singen, dass die von der Troika durchgesetzten harten sozialen Sparmaßnahmen für die griechische Bevölkerung genau das Gegenteil dessen bewirken: Weitere Verarmung und Verelendung weiter Bevölkerungskreise.

In der mittelhessischen Maizeitung hat Baduva über die Opfer und Verzweiflung vieler unschuldiger Menschen, aber auch von der Solidarität, die durch die Nachbarschaftskomitees, Solidaritätskliniken und Sozialmärkten entsteht:

Argiro Baduva:
»Eigentlich bin ich Optimistin, die unerschütterlich davon träumt, dass diese Welt verändert werden kann und die Menschen eines Tages eine gemeinsame Sprache haben werden. Doch in diesem Sommer spürte ich nun schon zum fünften Mal einen harten Faustschlag in der Magengegend. Jedes Jahr werden in Griechenland zu Beginn der Sommerferien Tausende Lehrkräfte entlassen. Und weil seit Beginn der Krise mehr als 2.500 Schulen geschlossen wurden, bleibt die Wiederbeschäftigung nach Ferienende von Jahr zu Jahr ungewiss.

In diesem Sommer traf mich die Faust so schwer, dass es mir egal war, als ich von Claire Kapsachati hörte. Sie war Lehrerin und erlitt einen Herzschlag, nachdem sie von ihrer Entlassung erfahren hatte. Einen Tag nach ihrem Tod kam der Brief vom Ministerium: Die Entlassung war ein Irrtum. Es war mir egal, dass der Gesundheitsminister mit Pharmaunternehmen illegale Geschäfte machte, während Krebskranke starben, weil ihnen das Geld für die Behandlung fehlte. Und es war mir auch egal, dass unter den Augen der Küstenwache afrikanische Flüchtlinge bei dem Versuch, die griechische Küste zu erreichen, jämmerlich ertranken.

Stattdessen schaute ich immer wieder verstohlen auf die Homepage des Bildungsministeriums, in der stillen Hoffnung zum Schuljahresbeginn wieder eingestellt zu sein. Irgendwann fielen mir die Worte eines Schriftstellers aus Kreta ein: »Hadere nicht mit der Frage, ob wir gewinnen oder verlieren werden. Sondern kämpfe! Nur wer kämpft, wächst über die eigene Ohnmacht hinaus«. Und so wie Yannis Ritsos und Mikis Theodorakis einst unsere Eltern und Großeltern mit ihren Liedern inspirierten und ermutigten, machte auch dieser Autor mir Mut. Heute weiß ich: Sie werden mir meine Würde nicht nehmen. Denn ich halte nicht still in einem Land, in dem Lehrer, Kinder und chronisch Kranke dem Kürzungsdiktat der Troika geopfert werden.

Überall entstehen solidarische Strukturen von unten – Nachbarschaftskomitees, Solidaritätskliniken und Sozialmärkte. Sie entstehen, weil wir kämpfen – ums Überleben und gegen die Kürzungen. Und auf den antifaschistischen Demonstrationen ballen wir unsere Fäuste und rufen laut, dass wir diese Welt verändern werden. Nur dort spüren wir, dass wir nicht allein sind. Der Kampf muss weitergehen.«
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1 Kommentar
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Christian Momberger aus Gießen | 18.04.2014 | 23:24  
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