Gebäude mit Geschichte- Jerusalemhaus Wetzlar

Das Jerusalemhaus in Wetzlar
 
Der Schillerplatz
Wetzlar: Altstadt | Mitten in der Altstadt von Wetzlar gibt es einen kleinen romantischen Platz. Die untere Stadtkirche auf der einen Seite und tolle Fachwerkhäuser auf der anderen.
Etwas Romantik strahlt der Schillerplatz aus. Auffallen ist die Hausnummer 5 .
Das aus dem 17. Jahrhundert stammende, viergeschossige Fachwerkhaus mit seiner, für Wetzlar ungewöhnlichen Fassade, zieht einen regelrecht an. Die beiden dreigeschossigen Kastenerkern haben geschnitzten Eckständer, die mit Weinranken und Blättern verziert sind. Dazu kommen die gedrehten Säulen. Dieses Haus kann viel erzählen. Erbaut wurde es im späten 17. Jahrhundert. Nach der Eröffnung des Reichskammergerichtes in Wetzlar wurde der Ruf nach einem Buchdrucker laut. Es dauerte zwei Jahre, bis man den Buchdrucker Georg Ernst Winkler in die Stadt holen konnte. Der geborene Schlesier kaufte das Haus und gründete die erste Buchdruckerei in Wetzlar. Nach zahlreichen Rechtsstreitigkeiten wurde 1742 der Bereich links der heutigen Haustür angebaut. Die Familie vermietete eine zwei Zimmer Wohnung im ersten Obergeschoss an Karl Wilhelm Jerusalem. Er war Legationssekretärs des Reichskammergerichtes. Trotz seiner Blitzkarriere war er ein sehr unglücklicher Mensch. Die ständige Mobbing Attacken seiner Vorgesetzten, und seine unglückliche Verliebtheit zu einer verheirateten Frau, ließen den jungen Mann verzweifeln. Er erschoss sich am 30. Oktober 1772 an seinem Schreibtisch im Erkerzimmer seiner Wohnung. Der Selbstmord, eine Todsünde, und das Mobbing und die unglückliche Liebe des Jerusalem waren Goethe bekannt. Eine Steilvorlage für sein gesellschaftskritisches Werk,, Die Leiden des jungen Werthers,, das seiner Zeit sehr schnell verboten wurde und heute zu den Klassikern gehört. Bereits früh kam es zum Wertherboom und die Buchdruckerei wurde förmlich von Touristen überrannt. Jeder, der in Wetzlar war, wollte die Wohnung sehen und das Grab besuchen. Es kam zu zahlreichen Selbstmorden am Grab. Der Buchdrucker war nicht begeistert von der plötzlichen Berühmtheit der kleinen Wohnung, weil jeder durch den Laden nach oben in die Wohnung wollte. Im ersten Stadtführer von Wetzlar wird sogar von Rauswürfen berichtet. Das Haus blieb bis in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Besitz der Buchdruckerfamilie. Danach kaufte es ein Tierarzt. Bereits 1904 nahm die Stadt Wetzlar einen Kredit auf, um das Haus zu kaufen. Das Haus hatte seinen Namen Jerusalemhaus bekommen und wurde Museum und Mietshaus. 1910 wurde bereits das Fachwerk wieder freigelegt. Von 1916 bis 1984 wurde das Jerusalemzimmer immer wieder neu gestaltet, um näher am Original zu sein. 1984 bis 1986 wurde umfassend saniert und renoviert. Seit 1987 wird das Jerusalemhaus nur noch für die städtische Museumsgeschichte verwendet. Die 2 Räume des Jerusalem sind jetzt originalgetreu eingerichtet. Die Wetzlarer Goethegesellschaft hat ihre Goethe-Werther-Bücherei in diesem Haus untergebracht. Der Besuch des Jerusalemhauses ist heute ein ,,Muss,, für alle Goethefreunde. Die Geschichte des Hauses ist lebendig und der Platz, an dem es steht, hat eine gewisse Romantik, die einem das Leiden des jungen Werther nachempfinden lassen. Viel Spaß in Wetzlar!
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Reinhold Peisker aus Burgdorf | 29.04.2016 | 09:10  
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Nicole Freeman aus Heuchelheim | 29.04.2016 | 09:41  
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Roland Horn aus Dessau | 29.04.2016 | 09:44  
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Werner Szramka aus Lehrte | 29.04.2016 | 11:34  
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Katja Woidtke aus Langenhagen | 29.04.2016 | 16:02  
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Ingeborg Behne aus Barsinghausen | 01.05.2016 | 09:27  
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