Besuch im Dunkelkaufhaus in Wetzlar

Wetzlar: Dunkelkaufhaus | Vor einiger Zeit besuchte ich mit meinem Mann und meiner Enkelin das Dunkelkaufhaus in Wetzlar. Es ist kein Kaufhaus im klassischen Sinn. Man kann dort nichts kaufen
Man sieht dort die Welt mit den Augen eines Blinden.

Als wir dort ankamen, begrüßte uns ein Mann, der von Geburt an blind ist
Er erklärte uns kurz, was uns erwartet.

Wir gingen durch eine Tür in eine vollkommene schwarze Finsternis
Im ersten Moment hatte ich ein beklemmendes Gefühl, aber nach ein paar Minuten, war es noch halb so schlimm. Und je länger wir uns in der Dunkeleit aufhielten, desto besser wurde es.
An der linken Wand mußen wir uns immer entlang tasten. Nach einer Weile sagte der Blinde: „Bitte gehen Sie einen Schritt nach vorne“

Wir standen vor einem Tisch, auf dem Bürsten jeder Art lagen. Wir sollten sie ertasten und sagen, welche Bürsten es waren, Haarbürste, Nagelbürste, Schrubberbürste. Klobürste, usw.

Dann ging es wieder an der Wand lang, bis nach einigen Metern wir dann wieder vor einem Tisch standen. Wir mußten an kleine Stoffsäckchen riechen und die Gewürze erkennen. Das fand ich nun schon schwerer. Manchen rochen einfach nur muffig..

Zwischendurch erzählte der Blinde aus seinem Leben, fragte uns, wie wir uns fühlten, machte Witze. Es war sehr kurzweilig und lustig. Im Dunkeln hat man vergessen, einen Blinden vor sich zu haben, während man im Hellen ihn durchaus als Blinden wahr nahm und ihn dann auch gefühlsmäßig mit etwas Hemmungen begegnete.

Dann ging es weiter, und wir sollten verschiedene Stoffe ertasten, Von Wolle, Baumwolle, Kunstfaser bis hin zum Putzlumpen.
Als nächstes ertasteten wir verschiedene Gegenstände, und wir mußten diese Gegenstände Berufsgruppen zuordnen. Aus meiner Sicht war es auch gar nicht so schwer.

Dann war an der Wand ein Satz geschrieben, den wir „lesen“ mußten, war für mich auch nicht so schwer, aber es dauerte eine Weile..

Zum Schluß kamen wir an einen Tisch mit Barhockern. Wir setzt uns hin, und er brachte uns Kaffee und Kuchen. Der Kaffee kam aus einem Kaffeevollautomat, den er selbst bediente.
Wir mußten erraten, welcher Kuchen vor uns stand. Es war Apfelkuchen mit Streusel. Das Essen mit der Kuchengabel war gar nicht so einfach.

Nachdem ich nach mehrmaligen Versuchen keinen Kuchen auf die Kuchengabel bekam, habe ich die Finger genommen. Aber wir haben uns alle nicht bekleckert. :-)

Nach knapp zwei Stunden war die Führung beendet. Die Tür öffnete sich, und uns umgab eine gleißende Helligkeit. Im ersten Moment mußten wir die Augen wieder schließen.

Die Augen taten weh. Nach einer Weile haben wir uns wieder an die Helligkeit gewöhnt und waren froh, wieder unter den Sehenden zu sein.

Es war eine einmalige Erfahrung, sich im Dunkeln zurecht zu finden.

Die Erfahrung mit diesem blinden Führer hat uns auch gezeigt, daß auch in vollkommender Dunkelheit das Leben lebenswert ist und auch, wenn man nichts sieht, sein Leben aktiv gestalten kann.

http://cms.dunkelkaufhaus.de/
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18 Kommentare
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Tina vom Saalestrand aus Bad Kösen | 01.11.2013 | 19:52  
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Frank Werner aus Wernigerode | 01.11.2013 | 19:54  
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Kirsten Steuer aus Pattensen | 01.11.2013 | 19:57  
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Tina vom Saalestrand aus Bad Kösen | 01.11.2013 | 19:59  
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 01.11.2013 | 20:07  
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 02.11.2013 | 10:04  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 02.11.2013 | 17:57  
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