Verschiebebahnhof in der Sozialversicherung – der VdK klagt an

Bei einem Pressegespräch klagte VdK Kreisgeschäftsführer ernst Braun(Bild rechts) die Missstände in der Sozialversicherung an. IM Bild links: Kreisvorsitzender Georg Böck. Foto:Friedrich
Verschiebebahnhof in der Sozialversicherung – der VdK klagt an
Pressegspräch mit Ernst Braun von der VdK-Kreisgeschäftsstelle Dillingen-Wertingen

Wertingen Man sollte hierzulande davon ausgehen können, dass man im Fall von Erkrankungen, vor allem wenn diese langwierig sind, in jedem Fall gesetzlich umfassend und nachhaltig abgesichert ist, so Ernst Braun als Kreisgeschäftsführer des VdK-Kreisverbandes Dillingen-Wertingen bei einem kürzlichen Pressegespräch mit unserer Zeitung im Gasthof Birzele.
Schließlich und so sehen es die meisten Versicherten, hat man ja auch lange genug und nicht zu knapp in die Sozialkassen eingezahlt. Dass dies leider nicht immer zutrifft und in den letzten Jahren vermehrt Probleme auftauchen, beklagt der hauptamtliche Kreisgeschäftsführer des VdK-Kreisverbandes Dillingen-Wertingen, Ernst Braun. Anhand von Beispielen erläutert er in einem Gespräch mit unserer Zeitung die Probleme.
Beispiel: Frau B., 30 Jahre alt, erfährt dass sie an Krebs erkrankt ist und begibt sich in ärztliche Behandlung. Nach den üblichen 6 Wochen Lohnfortzahlung erhält sie Krankengeld. (Nach dem Gesetz für längstens ca. 1 ½ Jahre). Nach einen Krankenhausaufenthalt und mehreren Chemobehandlungen ist sie wieder zuhause und wird vom Haus- und Facharzt weiter betreut und erhält zwischenzeitlich seit gerade mal 12 Wochen Krankengeld-leistungen seitens ihrer Krankenkasse. Diese erkundigt sich telefonisch offensichtlich besorgt um den Gesundheitszustand ihrer Versicherten, wie es ihr geht und vor allen Dingen ob und wann sie wieder ihrer Arbeit nachgehen kann.
Kurze Zeit darauf, häufig ohne vorheriges Anhörungsverfahren, wird Frau B. aufgefordert
einen Reha-Antrag zu stellen. Falls die Betroffene dieser Aufforderung nicht nachkommt, wird das Krankengeld eingestellt. Wenn in dem Reha-Verfahren festgestellt wird, dass bei der Erkrankten voraussichtlich noch mehrere Monate ein eingeschränktes Leistungsvermögen besteht, muss sie Rentenantrag stellen und die oft deutlich niedrigeren Rentenleistungen hinnehmen. Die meisten Betroffenen wollen aber keine Berentung, sondern sobald als möglich wieder eingegliedert werden, was auch häufig die Meinung der Ärzte ist. Die Kassen sehen hier nur die Tatsache, dass ihr Etat belastet ist und suchen nach anderen möglichen Leistungsträgern. Das solche Entscheidungen den Patienten oft stark belasten, ist offensichtlich zweitrangig. Manche Krankenkassen gehen dabei sehr rigoros vor, was ein anderes Beispiel beweist.
Herr S., 48 Jahre alt, arbeitet über 40 Jahre in einer metallverarbeitenden Firma und leidet seit einem Unfall an Rückenbeschwerden. Obwohl die Behandlungen noch nicht abgeschlossen sind, meldet sich die Krankenkasse nach ca. 10 Wochen und teilt ihrem Versicherten mit, dass er nach den medizinischen Feststellungen der Krankenkasse, seinen bisherigen Beruf in seinem Betrieb wohl nicht mehr ausüben kann und er sich daher ans Arbeitsamt wenden muss, da ansonsten das Krankengeld eingestellt wird. Diese Feststellung erfolgt in aller Regel ohne vorherige Untersuchung des Patienten! Herr S. versteht die Welt nicht mehr. Er hat seit über 40 Jahren immer brav in die Krankenkasse eingezahlt, noch nie Krankengeld bezogen und nun soll er schon keinen Anspruch mehr haben und
sich an die Bundesagentur für Arbeit wenden, obwohl er natürlich wieder gesund werden will, um bei der bisherigen Firma weiterarbeiten zu können.

Weiteres Beispiel: Herr F., 45 Jahre alt, wurde an der Wirbelsäule operiert. Er bezieht seit ca. 15 Wochen Krankengeld und ist von seinem behandelnden Arzt weiterhin vorläufig
krank geschrieben. Er erhält plötzlich von seiner Krankenkasse die Mitteilung, dass nach den Auswertungen der vorhandenen ärztlichen Unterlagen, keine Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes mehr vorliegt und daher das Krankengeld in aller Kürze gestrichen wird. Herr F. und sein behandelnder Haus- oder Facharzt sind sprachlos. Der medizinische Dienst der Kasse entscheidet ohne den Betroffenen gesehen oder gar untersucht zu haben, dass er ab sofort wieder arbeiten kann. Dass eine aktuelle Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorliegt, ist für die Kasse nicht maßgebend. Wie bereits eingangs erwähnt, passieren solche Dinge immer wieder, ohne das gesetzlich vorgeschriebene Anhörungsverfahren. Dies sind Tatsachen, welche auch die unabhängige Patientenberatung Deutschland bestätigt. Hier heißt es in einem Kommentar der Augsburger Allgemeinen „Wie im Jahr zuvor, waren die Berater oft damit beschäftigt, dass Kassen ihren Versicherten trotz Krankschreibung, Krankengeld verweigerten oder sie wieder zum Arbeiten drängten. In knapp 1.400 Fällen machten die Berater hier tatsächliche Probleme ausfindig und meinten den Versicherten geschehe unrecht!“ Auch kommt es vor, dass eben zuständige Sachbearbeiter der Kassen bei den Patienten anrufen und meinen: „Reißen Sie sich doch mal zusammen, dann wird das schon wieder!“
Der Kreisgeschäftsführer Ernst Braun bestätigt auch in seinem Zuständigkeitskreis diese Vorgehensweise mancher Kassen und spricht von teilweiser Willkür gegenüber den Versicherten. Auffällig ist, so Braun, dass es hier zwischen den einzelnen Kassen große Unterschiede in der Vorgehensweise gibt. „Ich möchte da nicht alle über einen Kamm scheren!“ Er rät daher jedem Betroffenen von seinem Recht Gebrauch zu machen. Dies kann sowohl im Widerspruch-, dem sogenannten Vorverfahren, als auch im Klageverfahren bei den zuständigen Sozialgerichten geschehen. Gott sei Dank, so Braun weiter, gewinnen wir viele Fälle, wenn auch der Gang zum Gericht oft notwendig ist.
Es sollte im Sinne des Gesetzgebers sein, dass die ohnehin durch Krankheit betroffenen Versicherten Leistungen, die sie durch Beiträge langjährig finanziert haben, auch erhalten.
Der Kreisvorsitzende, Georg, Böck, seines Zeichens auch Bezirksausschutzvorsitzender
für Schwaben im Sozialverband VdK, stimmte mit dem Kreisgeschäftsführer überein künftig besonders gravierende Fälle zu dokumentieren und sich damit an die Presse zu wenden.
Dies sei eine Verpflichtung des Sozialverbandes um künftig soziale Ungereimtheiten oder Ungerechtigkeiten vermeiden zu können.
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