Sechstes Literarisches Quartett am Gymnasium Wertingen

Lotte Albrecht, Dr. Christian Pöpperl, Madeleine Wieland, Paul Demny und Moderator Stephan Weidner unterhalten sich über Literatur
Der Abend endete mit einer provokant-ironischen Frage des Moderators an das Publikum: „Haben Sie etwas von der Krise des bayerischen Gymnasiums bemerkt?“ In der Tat: Über eine Stunde lang hatten drei Schüler der 12. Klasse des Wertinger Gymnasiums das Vorurteil widerlegt, dass junge Leute nicht mehr lesen und sich kaum artikulieren können. Im Rahmen der Dillinger Kulturtage hatten es sich Lotte Albrecht, Madeleine Wieland und Paul Demny zusammen mit dem Deutschlehrer Dr. Christian Pöpperl zur Aufgabe gemacht, vier Bücher vorzustellen und sich darüber zu unterhalten. Bereits zum sechsten Mal hatte die Schule ein literarisches Quartett nach dem Vorbild des jüngst verstorbenen Kritikers Marcel Reich-Ranicki zu veranstaltet. Auf dem Programm stand zunächst eine Novelle von Franz Hohler („Steinflut“), die Ende des 19. Jahrhunderts in den Schweizer Bergen spielt und die das scheinbare Idyll eines solchen Schauplatzes gründlich aufhebt. Als zweiten Titel hatten sich die Schüler Robert Harris’ Thriller „Angst“ ausgewählt. Hier erfährt ein Mann die Abgründe der modernen Finanzwelt. Für Heiterkeit sorgte der dritte Roman: Wolfgang Haas lässt den Leser seines Kriminalromans tief in die österreichische Seele blicken. Der aus anderen Werken bereits bekannte Kriminaler Brenner gerät in eine Reihe skurriler, mit schwarzem Humor erzählter Begebenheiten. Den Schluss bildete Mary Pearsons „Zwei und dieselbe“. Eine Frau erwacht nach einem Unfall aus dem Koma und muss sich ihre Welt neu erarbeiten.
In den sich an die Vorstellung des Inhalts anschließenden Diskussionsrunden vermieden es die Teilnehmer, sich auf dröge Interpretationen einzulassen, sondern sprachen offen über ihre persönlichen Erfahrungen mit den Texten. Dabei zeigte sich, wie unterschiedlich diese Erfahrungen sein können. Mit Witz und Mut zum Widerspruch vermittelten sie ihren Zuhörern, was sie aus der Lektüre mitgenommen hatten – und dass es sich lohnen könnte, das eine oder andere Werk demnächst zur Hand zu nehmen. Für all diejenigen, die nicht länger warten wollten, hatte die Buchhandlung Gerblinger schon einmal einen Büchertisch aufgebaut und bot die Werke zum Verkauf an.
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