Wie lange wird es noch wirksame Antibiotika geben?

Dr. Karl-Heinz Simon, Mitglied der SGW
Im Rahmen eines Mitgliedertreffens der SeniorenGemeinschaft Wertingen wurde dieses hoch brisante Thema anschaulich präsentiert, diskutiert und erläutert.
Wie der Vorsitzende des Vereins Hans-Josef Berchtold in seiner Einführung erwähnte, verlieren bereits 87 Jahre nach der Entdeckung des Penicillins – der Wunderwaffe der Medizin- die derzeit verwendeten Antibiotika mehr und mehr an Wirkung. Schuld sei die zunehmende Resistenz der Bakterien gegenüber den eingesetzten Antibiotika. Die Folge: tausende Menschen kommen so jährlich in deutschen Krankenhäusern zu Tode.
In einem Bildvortrag von Dr. Karl-Heinz Simon, dem langjährigen Tierarzt und Präsidenten des deutschen Tierärzte Verbandes, spannte der Redner einen weiten Bogen. Von der Definition über die Entstehung bis hin zu den Folgen der Antibiotika Resistenz wurden alle Bereiche beleuchtet.
Wichtigster Resistenzerreger sei der MRSA-Erreger der sowohl aus der Tiermast, aus den Kliniken wie auch aus der Öffentlichkeit kommt. Ihm folgt der VRE-Erreger als veränderte menschliche Darmbakterien und schließlich der ESBL-Erreger, dessen Enzym bestimmte Antibiotika durch Spaltung unwirksam mache.
Dr. Simon verwies auf eine bundesweite amtliche Erhebung der Antibiotika Mengen aus dem Jahre 2011. Dabei entfielen auf den medizinischen Einsatz beim Menschen rund 700 t und 1.400 t antibiotischer Grundsubstanzen bei der Tierhaltung, also doppelt so viel.
Die Ursachen einer medizinischen Über- und Fehlversorgung seien: viele Ärzte verordnen nicht kritisch genug, die Patienten kommen mit falschen Erwartungshaltungen in die Praxis, Ärzte verordnen immer mehr Breitband – Antibiotika und das Ausweichen auf diese als Reserve-Antibiotika, wenn herkömmliche Antibiotika nicht mehr helfen, geschehe zu rasch.
Auch multiresistente Keime in Krankenhäusern stellten ein großes Problem dar. Jährlich würden durchschnittlich 500.000 Patienten mit Krankenhauskeimen infiziert werden - etwa 15.000 Personen würden daran sterben. Einheitliche Hygienestandards seien noch nicht überall eingeführt.
Zum Schluss beleuchtete der Referent noch die Rückläufigkeit der Antibiotika-Forschung. Zwischen 1994 – 2003 kamen 16 neue Präparate auf den deutschen Markt. Zwischen 2004 – 2013 aber nur noch 7 Präparate.
Für Dr. Simon gibt es nur dann eine langfristig wirkungsvolle Lösung die Antibiotika Resistenz in den Griff zu bekommen , wenn der Antibiotika Einsatz bei der Tierhaltung durch reglementierte und kontrollierte Vorgaben des Gesetzgebers drastisch reduziert wird, die Humanmediziner die Über- und Fehlversorgung verringern, die Kliniken einheitlich verpflichtende Hygienestandards erfüllen, die Pharmaindustrie mehr in die Antibiotikaforschung investiert und jeder einzelne Bürger bewusster mit Antibiotika umgeht.
Eine rege Diskussion schloss sich dem Vortrag an. Der Vorsitzende beschloss die Veranstaltung mit der Bemerkung dass die Gefahr von vielen erkannt – aber noch lange nicht gebannt sei.
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 10.07.2015 | 15:38  
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