Vor zwölf Jahren typisiert, heute eine Chance Leben zu retten

Wann? 28.07.2014 17:00 Uhr bis 28.07.2014 20:30 Uhr

Wo? DRK-Heim, Kurfürstenring 31, 59457 Werl DE
Benjamin Schmidt aus Warstein hat bei der Stefan-Morsch-Stiftung Stammzellen gespendet.
 
Zusammen mit dem Blutspendedienst West des DRK organisiert die Stefan-Morsch-Stiftung Blutspende- und Typisierungstermine.
Werl: DRK-Heim |

Ein kleiner Pieks vor 12 Jahren war Benjamin Schmidts erster Schritt auf dem Weg zum Lebensretter. Seit der Blutabnahme von damals ist der 30-Jährige aus Warstein (Kreis Soest) als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registriert. Nun hat der Ingenieur den zweiten entscheidenden Schritt getan: Er hat einem an Leukämie erkrankten, ihm völlig fremden Menschen, mit seiner Stammzellspende die Chance gegeben, den Blutkrebs zu besiegen.

Im Juni 2001 ließ sich Benjamin Schmidt während der Blutspende in der Grundschule Suttrop bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester Stammzellspenderdatei, als potenzieller Lebensretter typisieren. In Kooperation mit dem Blutspendedienst West wird bei Blutspendern auch die Typisierung bei der Stefan-Morsch-Stiftung angeboten. „Das nächste Mal übrigens am Donnerstag, 28. Juli, 17 bis 20.30 Uhr, im DRK-Heim in Werl, Kurfürstenring 31“, so eine Sprecherin der Stiftung.
Fast 11 000 Menschen erkranken jährlich allein in Deutschland an Leukämie. Wenn Chemotherapie und/oder Bestrahlung nicht helfen, ist die Stammzelltransplantation die letzte Chance. Die wenigsten Patienten finden jedoch einen geeigneten Stammzellspender in der eigenen Familie. Dann beginnt die Suche nach einem passenden, fremden Spender. Zwar sind in den Spenderdateien weltweit mehr als 20 Millionen potenzielle Spender registriert. Trotzdem ähnelt die Suche, nach einem Menschen, der die gleichen Gewebemerkmale wie der Patient hat, manchmal der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
Als Benjamin Schmidt damals Blut spendete, ließ er sich gleich 5 ml Blut mehr abnehmen, um sich typisieren zu lassen: „Es ist eine gute Sache, darum wollte ich mich registrieren lassen.“ Der Ingenieur wurde genau über Stammzellspende aufgeklärt, füllte einen Fragebogen zu seinem Gesundheitszustand aus und unterschrieb eine Einverständniserklärung. Sein Blut wurde auf seine Gewebemerkmale, die HLA-Werte, hin untersucht. „Typisierung“ lautet der Fachbegriff dafür. Benötigt ein Leukämiepatient eine Transplantation, werden seine HLA-Werte mit denen von potenziellen Spendern in der Datei verglichen. Um als Spender in Frage zu kommen stimmen im Idealfall zehn von zehn dieser Werte überein.
Der Sommer war gerade vorbei, als Schmidt 2013 Nachricht von der Stefan-Morsch-Stiftung erhielt: Er komme als Spender für einen Leukämiepatienten in Frage. „Das war sehr spannend. Damit hatte ich nicht gerechnet.“ Der nächste Schritt waren genauere Blutuntersuchungen. Die Stiftung schickte ihm ein Blutentnahme-Set zu, mit dem ihm sein Hausarzt Blut abnahm. Das wurde wieder an die Stiftung gesendet. Vier Wochen später war klar, dass er der optimale Spender für den Leukämiepatienten ist. Vor der Entnahme fuhr der begeisterte Mountainbiker zur Stefan-Morsch-Stiftung nach Birkenfeld zur Voruntersuchung, wo er gründlich über die Chancen und Risiken der Spende aufgeklärt wurde.
Seine Freundin und seine Familie freuen sich über sein Engagement. Für seine Vorgesetzten bei der Firma Grauthoff Türengruppe in Mastholte war die Möglichkeit einer Stammzellspende völlig neu. Nachdem Schmidt ihnen alles erklärt hatte, waren auch sie begeistert und unterstützen sein Vorhaben.
Um Stammzellen zu spenden gibt es zwei Möglichkeiten: Bei der Entnahme von Knochenmark wird der Beckenknochen punktiert – niemals das Rückenmark. Die Stammzellen können aber auch dem Venenblut entnommen werden. Das nennt sich Apherese und funktioniert ähnlich wie eine Blutplasmaspende. Vorher muss sich der Spender etwa vier Tage lang zwei Mal täglich ein Medikament spritzen, dass die Stammzellbildung im Knochenmark anregt und die Zellen ins Blut übergehen lässt.
Das Spritzen des Botenstoffs übernahm Benjamin Schmidt selbst. Beim ersten Mal musste er sich überwinden, „aber das war dann kein Problem mehr.“ Bei allen Schritten standen ihm die Mitarbeiter der Stefan-Morsch-Stiftung zur Seite. „Ich wurde über alles genau aufgeklärt und musste mich um nichts kümmern. Ich fühle mich gut aufgehoben“, erzählt er. Auch die Apherese hat er gut überstanden: „Alles super gelaufen. Ich würde es wieder tun!“ Deshalb unterstützt er den Aufruf in Werl mit seinem Erfahrungsbericht.

Warum kooperiert die Stefan-Morsch-Stiftung mit dem DRK Blutspendedienst West?

Der überwiegende Teil der Empfänger von Bluttransfusionen sind heute Patienten mit bösartigen Erkrankungen: Kinder, Jugendliche und Erwachsene die beispielsweise an Blutkrebs (Leukämien) erkrankt sind. Dies hängt neben der eigentlichen Erkrankung insbesondere mit der modernen Chemotherapie zusammen. Diese Chemotherapie führt in vielen Fällen zu einer vorübergehenden kompletten Unterdrückung der körpereigenen Blutbildung im Knochenmark (Aplasie), so dass die Patienten in diesen kritischen Behandlungsphasen lebenswichtig auf Blutübertragungen angewiesen sind. Viele moderne und heilende Behandlungsverfahren, gerade im Kampf gegen Krebs, können nur durchgeführt werden, wenn für diese Patienten genügend Blut zur Verfügung steht. So helfen Blutspenden auch über die Wartezeit hinweg, die es dauert um beispielsweise einen passenden Stammzellspender zu finden, wenn eine Transplantation erforderlich ist.

Jeder kann helfen

Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren registrieren lassen. Informationen über Ausschlussgründe lassen sich auf der Internetseite der Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de) nachlesen. Die Typisierung ist für alle Spender kostenlos, jedoch werden Spenden zur Finanzierung der Blutuntersuchungen gerne entgegen genommen – da jede Blutanalyse mindestens 50 Euro kostet. Die aktuellen Termine für die Typisierungsaktionen der Stefan-Morsch-Stiftung findet man auf der Internetseite (www.stefan-morsch-stiftung.de).

Warum liegt das Typisierungsalter bei der Stefan-Morsch-Stiftung bei 40 Jahren?

Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren registrieren lassen. Das Höchstalter für eine kostenlose Neuaufnahme haben wir für unsere Datei so festgelegt, da wir wissen, dass Spender, die älter als 40 Jahre sind, nicht mehr oder nur noch sehr selten von den Transplantationszentren als Spender angefordert werden. Das liegt unter anderem daran, dass sich mit zunehmendem Alter die Zellteilung verlangsamt und die Beschwerden zunehmen. Deshalb bitten wir, Spender, die älter als 40 Jahre sind, einen Beitrag für die Typisierungskosten zu leisten. Denn als gemeinnützige Organisation finanzieren wir die Registrierungen aus Spendengeldern. Und diese Gelder wollen und müssen wir so verantwortungsvoll wie möglich einsetzen.
Sollten Sie noch Fragen haben – die Stefan-Morsch-Stiftung ist unter der gebührenfreien Hotline 08 00 - 766 77 24 oder über info@stefan-morsch-stiftung.de erreichbar. Auf der Homepage www.stefan-morsch-stiftung.de oder via Facebook kann man sich ebenfalls informieren.

Hintergrund: Stefan-Morsch-Stiftung

Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz im rheinland-pfälzischen Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die gemeinnützige Stiftung seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke – in jeder Frage. Leukämie - 11. 000 Mal pro Jahr wird allein in Deutschland diese Diagnose gestellt. Mal ist es ein berühmter Fußballer, mal die Frau eines Arbeitskollegen, mal der Sohn eines Vereinskameraden, mal der Bekannte eines Freundes – es könnte aber auch Ihr Kind, Ihre Frau, Sie selbst treffen.
Hilfe ist oft nur möglich, wenn es Menschen gibt, die sich freiwillig als Stammzellspender und damit als potenzieller Lebensretter für Patienten zur Verfügung stellen. Deshalb werben wir dafür, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich die Chance, für einen Patienten einen passenden Stammzellspender zu finden. Nur dann hat die Übertragung von Stammzellen den gewünschten Erfolg, bei Krankheiten, für die es ansonsten keine vergleichbaren Möglichkeiten der Heilung oder des Überlebens gibt. So vermitteln wir täglich Stammzell- oder Knochenmarkspender aus der Spenderdatei als Lebensretter für Patienten weltweit.
Die Stiftung ist Teil eines Netzwerkes, das Menschen über alle Grenzen hinweg das Leben rettet. So sind wir angeschlossen an das Zentrale Knochenmarkspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD), in dem alle für die Suche nach einem passenden Spender relevanten Daten aus ganz Deutschland zusammenlaufen und damit weltweit zur Verfügung stehen. Aufgrund der internationalen Zusammenarbeit kann es sein, dass ein deutscher Patient Stammzellen aus Kanada erhält, oder ein Stammzellspender in Deutschland für einen Erkrankten in Griechenland gefunden wird.
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