Die Autorin Ingeborg Lauwaßer legt mit „Artayo“ einen Krimi nicht nur für Katzenfreunde vor.

Werderaner Autorin Ingeborg Lauwaßer legt mit „Artayo“ einen Krimi nicht nur für Katzenfreunde vor.

Werder (Havel) - Katzenkrimis mag es viele geben, aber nicht so einen wie „Artayo“ von Ingeborg Lauwaßer. Auf 120 Seiten erzählt sie von einer verlassenen Abtei, darin allerlei verwahrloste und von den Wesen auf zwei Beinen geschundene Katzen, die in einer Art Kommune leben. Der Handlungsort könnte Britannien sein, vielleicht aber auch Werder, Heimatstadt der Autorin, die schon mehrere Bücher zur Lokalgeschichte, aber auch das herrliche Buch von den Zwieseln (PNN berichteten) geschrieben hat.

Manchmal sehen Abteien ja ganz anders aus, als man denkt. Egal, die Geschichte beginnt, wie es sich gehört, mit Finsternis, Grollen und bleischweren Wolken. Die Kater Fogh und Scumbag waren gerade auf dem Heimweg, als ein blumenbemaltes Auto mit quietschenden Bremsen hielt und ein lebendes Etwas entsorgte, mitten im Regen, auf dunkelster Landstraße. Blut aus allen Rohren, gebrochene Knochen, ein Jammer. Die beiden bringen die arme Kreatur zu einem der Gründungsväter dieser Katzen-Kommune, zu Apodrecer, Arzt und Apotheker in einer Person. Der flickt ihn einigermaßen zusammen, doch ein Hinken bleibt zurück. Damit ist der Fremde, Pilger genannt, in bester Gesellschaft, denn bei der Personage, von Fogh bis Santos, von Aurea bis Grace hat man es mit einem „zusammengewürfelten Haufen Strandgut“ zu tun, oft mehr tot als lebendig, doch stets der Liebe begierig. Da tut es Not, sich um die Geburtenkontrolle zu kümmern, eine Sache für die Kastraten. Und natürlich wird auch getrauert und beerdigt, was Flash vorbehalten ist, weil der so schöne Reden halten kann, zum Heulen. Artayo, der Titelheld, wird erst spät eingeführt. Dafür obliegt es ihm, als aufkeimendem Jungkater, das Rätsel und die zahlreichen Morde zu erschnüffeln. Außerdem ist er ja unsterblich in Aurea verliebt. Wenn sie sich an ihn schmiegt, spürt er „raschen Blutzufluss genau an der richtigen Stelle“.

In diesem locker und spannend geschriebenen Buch geht es höchst menschlich zu, man liebt und hurt, intrigiert und verheimlicht, bis man bei den lebendig gezeichneten Figuren durchaus von Menschen im Katzenfell sprechen kann. Die echten Zweibeiner machen es dem Viehzeug ja auch nicht leicht, einen Kater haben sie mit Benzin übergossen und angezündet, ein anderer wurde als Lebendfutter für Hundekämpfe gefangen. Das war Pilger, den man eingangs halbzerrissen per „Blumenkutsche“ entsorgte.

Und dann gibt es das Geheimnis um eine uralte Truhe in Apodrecers Labor, die mit dem Welt- und Menschenfrieden in Zusammenhang gebracht wird. Sieben Schlüssel soll sie haben. Als ein Mord nach dem anderen geschieht, dämmert Artayo ein Zusammenhang mit den gründungsväterlichen Schlüsselbesitzern...

Auf dem Kirchturm kämpft der mutige Jungkater dann gegen den Mörder. Doch damit nicht genug, Ingeborg Lauwaßer findet auf den letzten Seiten mehrere Möglichkeiten, den Leser ins Retardieren zu bekommen, denn der Tod des Mörders ist längst nicht das letzte Geheimnis, und nicht das Ende der Geschichte.

Die Autorin kann hervorragend schildern. Lakonischer Ton, eine leichte Sprache, die trefflich ins Alltägliche geht, erotische Anspielungen, höchst kätzische Betrachtungen über das Menschenleben, Humor auf der einen Seite (wie missmutig der alte Fogh über Katzenmamas und Katzenkinder spricht), kein leichtes Hineinkommen ins Sujet am Anfang, aber das wird Katzenkrimi-Freunde nicht davon abhalten, dieses vergnügliche Broschur in ihre Sammlung aufzunehmen.


Ingeborg Lauwaßer: Artayo, „Havel-Künstler“, 117 Seiten, 9,80 Euro.
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Findus Quist aus Gießen | 30.04.2016 | 08:17  
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