„… auf zu den Herrnhuter Sternen“ - Reise nach Herrnhut

  Nun sieht man sie wieder adventlich leuchten hinter den Fenstern vieler Wohnungen, über den Altären der Kirchen, in Fußgängerzonen und auf Marktplätzen – die „Herrnhuter Sterne“. Weltweit weisen sie den Menschen Wege aus dem Dunkel in das Licht der Christgeburt. Mit Fingerfertigkeit, Geduld und jahrelanger Übung werden ihre 25 Einzelteile zusammen gefügt.
Für 38 Reisende aus Wennigsen, Gehrden und Bredenbeck war es ein besonderer Höhepunkt der diesjährigen Fahrt der Marien-Petri-Gemeinde, in der Oberlausitz einigen Frauen in ihrer Werkstatt bei der Herstellung der „Herrnhuter Sterne“ zuzuschauen und etwas über die Geschichte dieser Sterne zu erfahren.
So hatte ein Erzieher der „Herrnhuter Unitäts-Knabenanstalt“ in Niesky/Oberlausitz Ende des 18. Jhds die Idee, seinen Schülern auf spielerische und anschauliche Weise Geometrie zu vermitteln. Er ließ aus Papier geschnittene und verklebte Zacken zu Sternen zusammensetzen. Als die Schule um das Dreikönigsfest im Januar 1821 ihr 50 jähriges Bestehen feierte, schmückten ihre Sterne Hof und Eingangsbereich der Schule. Ursprünglich war der „Herrnhuter Stern“ also der Stern der drei Weisen aus dem Morgenland. Erst später wurde er zum Adventsstern und trat seinen Weg an in die weite Welt. Um 1900 begann eine Herrnhuter Manufaktur mit der handwerklichen Herstellung.
Der Ort Herrnhut ist aber nicht nur wegen seiner Sterne eine Reise wert. Gästepfarrerin Erdmute Frank erzählte der Reisegruppe, wie Herrnhut im 18. Jhd. gegründet wurde als Zufluchtsstätte für Flüchtlinge. Die mussten in der Zeit der Gegenreformation ihre Heimat verlassen. Zehn evangelische Männer, Frauen und Kinder erreichten im Juni 1722 aus dem nahe gelegenen Mähren das Gut des Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf und erhielten dort Asyl. Sie gehörten zu der alten Böhmisch-mährischen Brüder-Unität, die schon 1457 auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik in der Nachfolge des Prager Reformators Jan Hus entstanden war. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges war dort nur noch die katholische Konfession erlaubt. Mitglieder der evangelischen Brüder-Unität mussten ihrem Glauben abschwören oder auswandern.
Unterhalb des Hutberges bauten die Flüchtlinge eine Siedlung, der sie später den Namen „Herrnhut“ („Unter des Herrn Hut“) gaben. Die christlich geprägte Solidarität des Grafen Zinzendorfs mit den in Not geratenen Flüchtlingen zog Menschen unterschiedlicher geistlicher Prägung aus vielen Teilen Europas an. Auseinandersetzungen unter den Emigranten um den richtigen Weg als Christen wurden am 13. August 1727 in einem feierlichen Abendmahlsgottesdienst beigelegt. Dieser Tag wird als Gründungstag der „Herrnhuter Brüdergemeine“ begangen.
Wie stark Gottvertrauen und ein darin enthaltenes Mitgefühl für Notleidende in aller Welt Menschen beseelen kann, wird in der weltweiten Ausstrahlung dieser kleinen pietistisch geprägten Freikirche deutlich. Bis in die Gegenwart ist die „Herrnhuter Brüdergemeine“ auf vielen Gebieten diakonisch tätig. Das Advents- und Weihnachtslicht der „Herrnhuter Sterne“ unterstreicht diese Ausstrahlung in beeindruckender Weise.
(Fotos: Joachim Klang, Dirk Müller, Dirk Steffens)
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