Kneippianer erklimmen das Oberharzer Wasserregal (11.-14.06.2015)

  Wennigsen (Deister): Wennigsen | Während einer vom Kneipp-Verein Wennigsen/Gehrden e.V. angebotenen viertägigen spannenden und landschaftlich sehr abwechslungsreichen Wanderfreizeit im Oberharz hatten achtzehn Kneippianer unter der Leitung von Gisela Gehrmann die Möglichkeit, auf den Spuren des Bergbaues und der dazu gehörenden Wasserwirtschaft den Oberharz zu erkunden. Der Aufenthalt begann mit einer Ortsbesichtigung von Clausthal-Zellerfeld; u.a. ging es zur sanierten Marktkirche, Deutschlands größter Holzkirche aus dem Jahre 1642. Vor dem Besuch des Bergwerksmuseums, das zu den ältesten Technikmuseen Deutschlands zählt, hat die Gruppe, das örtliche Wassertretbecken besucht, das in der Nähe einer Rekonstruktion eines Wasserpumpensystems lag. Dieser Rundgang durch die geschichtsträchtige weitläufige Bergwerkstadt entsprach bereits einer Testwanderung für die nächsten Tage. Die beiden folgenden 19 km langen Tageswanderungen entführten die Gruppe in Gegenden fernab der touristischen Wanderrouten.

Beeindruckend war es in den nächsten beiden Tagen das Oberharzer Wasserregal, das 2010 wegen der hohen Bedeutung und weltweiten Einmaligkeit zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde, auf „Wasserwanderwegen“ entlang von zahlreichen Bauwerken, Seen und Wassergräben mit umfangreichen Informationen durch die Wanderführerin zu erkunden, aufgelockert von Picknickpausen in der Natur. Hinweistafeln, u.a. mit schematischen Darstellungen des Oberharzer Wasserregals mit seinen Teichen, Gräben und Wasserläufen und der entsprechenden Wasserkraftnutzung in den Bergwerken machten Geschichte fast greifbar.

Die Kunst der Wasserleitungen bestand darin, das Wasser in Gräben mit ganz geringem Gefälle zu sammeln, die parallel zu den Berg-Höhenlinien verlaufen und teilweise auf einer Länge von 10 km zu den Bergbauregionen geführt wurden, um auf Wasserräder aufzuschlagen, die Pumpen anzutreiben und damit aus der Tiefe große Mengen Wasser zu heben. Während der Wanderung entlang des kilometerlangen Dammgrabens konnte das eindrucksvoll beobachtet werden. Häufig führte die Wanderstrecke auch entlang künstlich angestauter Teiche, wo das Wasser für eine geregelte Zufuhr zu den Pumpsystemen gespeichert wurde. Es gab früher mindestens 149 Stauteiche, mehr als 500 Kilometer Gräben und ca. 21 km unterirdische Wasserläufe zur Sammlung, Umleitung und Speicherung des Oberflächenwassers. Die Kneippianer durften 15 der Teiche entdecken, die von den Harzwasserwerken noch aktiv unterhalten werden.

Durch farbenprächtige Bergwiesen und schattige Wälder führte der Wasser-Wanderweg Nr. 22 entlang der „Fernwasserleitung“ für die Gruben von Zellerfeld. Hier am „Zellerfelder Kunstgraben“ war die Arbeit der Bergleute sehr gut nachzuvollziehen, die den Graben anlegten mit kleinen Brücken, Steinbögen und Trockenmauern. Farne und Feuchtigkeit liebende Pflanzen in allen Variationen säumten diesen landschaftlich abwechslungsreichen Weg.
Am letzten Tag stand noch die Besichtigung der Iberger Tropfsteinhöhle bei Bad Grund auf dem Programm, bevor es wieder in Fahrgemeinschaften Richtung Heimat ging.

Während der Wanderungen erhielten einige Kneippianer zum ersten Mal Kontakt mit der Geschichte dieser Kulturlandschaft und die Bedeutung für den Oberharzer Bergbau; eine Vielfalt, die, über Jahrhunderte von Menschenhand geschaffen und die Landschaft eindrucksvoll veränderte. Diese Wanderfreizeit mit den landschaftsprägenden Teichen sowie den Kilometer langen Wassergräben gab allen Kneippianern das Gefühl, in weit entlegene Feuchtgebiete auf dieser Erde entflohen zu sein.
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2 Kommentare
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Romi Romberg aus Berlin | 17.06.2015 | 16:08  
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Johanna M. aus Stemwede | 17.06.2015 | 23:53  
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