Maler der Musik: Pub-Session der Extraklasse

Weißenfels: Geleitshaus Battlefield | Drei Männer in Freizeitkleidung, Jeans, T-Shirt, aufgeknöpftes Hemd. Drei Instrumente: Flöte, Geige, Gitarre. Es ist Donnerstag, der 30. Oktober 2014, und der Irish Pub im Geleitshaus hat zu einer ganz besonderen Irish Folk Session geladen, die in vielerlei Hinsicht den Rahmen sprengt. Der Pub ist rappelvoll, die Stimmung zunächst ausgelassen, neugierig. Später wird sie kippen in fasziniertes Erstaunen, euphorisches Mitklatschen und inbrünstiges Mitsingen.

Die drei echt irischen Musiker aus Dublin sind Alan Doherty, Paul Kelly und Mick McNamarra, die dem Publikum als wahre Institutionen ihrer Szene vorgestellt werden und das sogleich beim ersten Lied beweisen. Es braucht nur Sekunden, schon sind die drei kleinen, erdigen, quirligen Iren eins mit sich selbst und der Musik, völlig im Reinen und wie in Trance, selig, erhaben, und strahlen pure Energie aus. Dreieinhalb Stunden reißen sie das Gasthaus mit, wechseln zwischen irischem Folk und amerikanischem Bluegrass, spielen mit allen Genres und Variationen, brechen mit ihnen und mit so manchem Vorurteil über die drei Instrumente, die sie virtuos beherrschen. Ihr Spiel lebt von der Improvisation – scheinbar aus dem Nichts schaffen sie mit jedem Lied ein kleines irisches Landschaftsgemälde. Sie sind Maler der Musik, das wird schnell klar und mit jedem neuen Stück unterstrichen.

Aber nicht die international tourenden Dixie Micks allein – Doherty, Kelly und McNamarra als Trio – begeistern das Publikum. Improvisiert wird gern auch mit den Leuten, die dicht an ihnen dran stehen oder sich an ihnen vorbeidrängen, beladen mit Tellern, Gläsern und Flaschen. So wie Andreas Frank, der an dem Abend kellnert und spontan als Rapper und Beatboxer verpflichtet wird. Nach vorn gerufen ins rot-grüne Bühnenlicht wird auch Undine Theile, die für den Fall der Fälle immer ihre Flöte dabei hat und mit den Dixie Micks ein andachtsvolles Stück darbietet. Besinnliche Balladen, schnelle, poppige Nummern und Dohertys Reggae-Einlagen runden den Abend zu einer Pub-Session der Extraklasse ab.

Am Ende lenken die Musiker alle Aufmerksamkeit auf den Initiator Uwe Brückner, einem der wichtigsten Kulturförderer von Weißenfels, und seine Frau Peggy, die scherzhaft in gebrochenem Deutsch besungen wird. Brückners Lebenswerk, dieser einzigartige Treffpunkt in unserer Stadt für Künstler, Sportler und Publikum jeder Generation, erlebt mit diesem Konzert eine geniale Widerspiegelung. Er holt die Welt nach Weißenfels und nimmt uns mit auf Reisen zur grünen Insel, deren Musik uns an jenem Abend tatsächlich verzaubert hat.
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