Vereinsausflug MGV Niederweimar 1895 e.V. und Klangfarben in den Harz am 18.6.2014

Weimar (Lahn): Bürgerhaus. | Dieses Jahr sollte der Vereinsausflug in einem ruhigen, gemütlichen Rahmen und heimatnah stattfinden und so beschloss der MGV Niederweimar mit Klangfarben Niederweimar eine mehrtägige Fahrt in den Harz.
Die Wetterprognosen standen auf Schafskälte, als wir am 18. Juni in aller Frühe losfuhren, aber mit warmen Anorak und froher Laune im Gepäck konnten wir uns auf die nächsten Tage freuen. Kurz nach Kassel machten wir unseren ersten Halt auf dem neuen Flughafen Calden um uns von diesem Finanzprojekt ein Bild zu machen. In einem Souvenirladen gab es tatsächlich niedliche kleine Stofftiergeier zu kaufen. Weiter brachte uns der Omnibus zu einem Göttinger Rastplatz, wo wir ein opulentes und liebevoll zusammengestelltes Frühstück mit viel Zeit einnehmen konnten.
Bald danach taten sich die Hügel des Harzes vor uns auf und wir erreichten in der Mittagszeit unser Hotel in Goslar. Nachdem jeder sein Zimmer hatte, konnte man das Hotel inspizieren und der Swimmingpool im Haus fand gleich großes Interesse. Wer wollte, machte bereits diesen Nachmittag seinen ersten Orientierungsspaziergang in Goslar und am Abend ließen wir uns von einem großartigen Büffee verwöhnen.
Am nächsten Tag empfing uns Herr Bayer, der uns nun die nächsten zwei Tage durch den Harz und die Fachwerksehenswürdigkeiten der Region führen wird. Auf der Fahrt vorbei am Breiten Tor in Goslar, erhielten wir eine kleine Stadtkunde und erfuhren, dass Goslar früher durch den Bergbau eine wohlhabende Stadt war. Der Rammelsberg war reich an Bodenschätzen, wie Eisenerz, Blei, Kupfer uns Silber und wurde schon im 9. Jahrhundert abgebaut. Der Sage nach hatte ein Pferd des Ritters Ramm eine Silbermine auf dem Berg freigescharrt. Die Bodenschätze trugen erheblich zur Stadtentwicklung Goslars bei und nicht zuletzt auch die Gründung einer sog. Königspfalz, später Kaiserpfalz. 1989 wurde der Bergbau geschlossen.
Weiter ging die Fahrt nach Bad Harzburg, wo auf dem Burgberg Heinrich IV. seine Burg baute. In der Ferne grüßte schon der Brocken im Nebel und nun ging es stetig bergauf in das Waldgebiet des Harzes. Leider mussten wir sehen, dass der Wald sehr unter den Borkenkäferbefall leidet. Nach dem sog. Torfhaus erreichten wir nun Braunlage, das sich durch den Wurmberg zu einem bekannten Wintersportort entwickelt hatte. Über eine kleine Brücke wechselten wir nun nach Sachsen-Anhalt über und Herr Bayer stellte uns gleich die Orte mit den wunderlichen Namen Elend und Sorge vor. Hier machten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit der Harzer Schmalspurbahn und der legendären Dampflok, die wie eine vergrößerte Märklinbahn den Berg hinaufdampft. Bald erreichten wir Hasserode, bekannt durch sein Bier und dann endlich Werningerode.
Das einmalige und vielbewunderte Fachwerk dieser Stadt stammt bereits aus dem 16. Jahrhundert und war 1847 teilweise schon abgebrannt. Das imposante Schloss Werningerode wird das Neuschwanstein des Nordens genannt und wurde von den Braunschweiger Herzögen erbaut. Das fachwerkliche Rathaus wurde von einem schwäbischen Baumeister gebaut und dabei einige unvernünftige Ratsherren als Schweinsköpfe verewigt.
Als nächste Stadt besuchten wir dann Quedlinburg und wieder hatten wir Gelegenheit das wunderschöne Fachwerk zu bewundern. Wir ließen uns von unserem Reiseleiter durch den Ort zum Schloss führen, indem Heinrich I. mit seiner Frau Mathilda und dann Otto I. hier residiert hatte und in der Stiftskirche begraben liegen. Der Domschatz war lange verschollen und ist nun auch wieder zurückgegeben worden. Das Rathaus ist mit seinen 700 Jahren das Älteste in Deutschland und gehört zum Weltkulturerbe.
Dann amüsierten wir uns noch über eine Hausbrauerei, die das sog. Pfurzknallarschbier braut, dessen Wirkung sich zeigt, wenn das Bier länger als drei Tage steht. So woarns halt, die alten Rittersleut´.

Das absolute Highlight des Tages war zweifelsohne das Kaffeetrinken beim Windbeutelkönig.
Diese Windbeutel in Übergröße und in verschiedenen Variationen ließen kaum jemand kalt und wir kämpften uns durch die Schlagsahne, dass es eine Freude war. So vertilgten einige Herren fußballgroße Weltmeisterwindbeutel und ein ganz romantischer einen Köhlerlieslwindbeutel.
Zum Abendessen hatten wir kaum noch Appetit.

Am dritten Tag stand nun die Kaiserpfalz, das Wahrzeichen Goslars, zur Besichtigung an.
Heinrich III. ließ hier, nachdem schon eine Pfalz vorhanden war, dieses Gebäude neu errichten und diente jeweils als Sitz für den nicht sesshaften Herrscher, um hier seine Regierungsgeschäfte mit den adligen Grundherren abzuwickeln. Die St. Ulrichkapelle als Anbau, ist zugleich das Grabmal Heinrich III. Nachdem im 13. Jahrhundert die Pfalz an Bedeutung verlor und 600 Jahre still lag, baute sie Kaiser Wilhelm I. als Symbol des neuen Kaiserreiches wieder auf und ließ im Reichssaal das mittelalterliche Kaisertum in Bilder malen. Eine sachkundige Führerin erklärte uns im Saal die Entstehungsgeschichte und wir waren alle sehr beeindruckt von diesem geschichtlich geprägten Gebäude.

Weiter ging es nach Hahnenklee zu der bekannten Stabskirche, die 1916 hier, nur genutet und gespundet, erbaut worden ist. Hier liegt auch Paul Lincke begraben, den wir als Operettenkomponist kennen. Nachdem jeder sein Foto gemacht hat, kehrten wir über das romantische Lauthental nach Goslar zurück.
Hier zeigte uns Herr Bayer die Stadt Goslar von seiner schönsten Seite. Wir sahen das Siemenshaus, den Ursprung der Firma Siemens und wir spazierten den Anzuchtbach entlang zu den verschiedenen Gildenhäuser der Stadt. Im ehemaligen Preussaghaus sind heute das Rathaus und das Glockenspiel untergebracht. Der Reichsadler der Pfalz steht als Kopie auf dem Marktbrunnen.

Ein Höhepunkt unserer Vereinsfahrt war die Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn auf dem Brocken, die am nächsten Tag auf den Reiseplan stand. Die Fahrt ging zunächst nach Werningerode, dem größten Schmalspurbahnhof. Die Dampflokomotiven der Bahn wurden von 1897 bis 1901 gebaut und sind heute alle noch leistungsfähig. Wir stiegen mit unseren Billetts in die nostalgischen Wagons ein und fuhren gemächlich zwei Stunden lang durch das Naturschutzgebiet des Oberharzes, an den Stationen Schierke und Elend, gen Brocken hinauf. Blumenpflücken während der Fahrt ist ausdrücklich verboten! Oben angekommen empfing uns eine eiskalte Windhexe und mit der Aussicht war es auch nicht weit her, weil der Brocken 300 Tage im Jahr vernebelt ist. Nach einem kurzen Spaziergang zogen wir es vor, beim Brockenwirt einzukehren und die Bahn brachte uns dann ein wenig schneller nach Werningerode zurück.

Zweifelsohne standen wir - fast - alle unter dem Eindruck, der zurzeit laufenden Fußballweltmeisterschaft. Jeden Abend traf sich ein Trüppchen im Fernsehzimmer, um sich die aktuellen Spiele anzusehen, während andere wieder Rommee spielten oder sich im Schwimmbad vergnügten. Aber das Spiel Deutschland gegen Ghana war eine gemeinsame Sache. Wir sangen, jubelten und bangten mit den anderen Hotelgästen und bedauerten unsere Mannschaft für das Unentschieden. Noch ist nicht Feierabend.

Aber dann mussten wir schon wieder an das Kofferpacken denken.
Gut gefrühstückt brachen wir am nächsten Tag los, fuhren aber längst noch nicht heim.
In Hann. Münden machten wir nun einen Zwischenhalt. In der Kirche St. Aegidien liegt der legendäre Dr. Eisenbart begraben. In der Ratshausschänke des Ratbrauhauses, das seit 1550 besteht, hatten wir die Gelegenheit, bei einem großartigen Büffee und bei Dr. Eisenbart-Bier, - 0,2 l krank, 0,3 l schwer krank - , unseren Hunger kurieren zu lassen.

Ein kurzer Spaziergang durch die Fachwerkstraßen und dann saßen wir wieder in unserem Bus, traten nun die Heimfahrt an und kamen noch bei Kaffeezeit zu Hause an. Der Harz ist wirklich eine Reise wert, waren alle der Meinung und am schönsten ist es immer noch in der fröhlichen Gemeinschaft des Chores.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.