Windmühle mahlt für Weihnachtsmarkt

Bockwindmühle Wettmar, Mahlbetrieb am 25.11.14, zwei Segelflügel, zwei Jalousieflügel, zur Zeit noch nicht voll aufgesegelt mit Windbrettern
Bockwindmühle Wettmar im Einsatz für die Weihnachtsbäckerei

Wind aus Südost. Windstärke 3, Böen 4, lautete für Langenhagen in den letzten drei Wochen häufig die Windvorhersage des Internetportals „Windfinder“ und war damit grob übertragbar für Wettmar. Die bisherige Erfahrung der Müller besagt jedoch, dass die Windstille im Dorf Wettmar überhaupt nicht übereinstimmen muss mit der ihres neuen Mühlenstandortes auf dem Brammerberg, südlich von Wettmar gelegen: Denn wenn der Wind irgendwo weht, dann dort. Wenn man allerdings mahlen will, dann braucht man mindestens konstant Windstärke 3, besser mehr.

Allerdings haben die Müller in diesem Jahr die Erfahrung gemacht, dass es ein schlechtes Windjahr war, denn die wettterbestimmenden Hochwetterlagen führten über lange Zeiträume zu geringen Windstärken, zumeist aus Südost und nicht aus der Hauptwindrichtung Südwest. Und in der Zeitung ist inzwischen zu lesen, dass dieses Jahr möglichweise das heißeste seit der Wetteraufzeichunung sein könnte: Die Klimaveränderung lässt also wahrscheinlich nicht „grüßen“, sondern schickt mal wieder ihre bedrohlichen Botschaften durchs angenehm warm empfundene Land!

Für die Müller gab es in diesem Jahr eine Reihe von geplanten Mahlterminen, die sich schwierig oder gar nicht realisieren ließen, weil einfach ein notwendig kräftiger Wind fehlte. Da andererseits das Mehl der Bockwindmühle Wettmar bei Besuchern durchaus begehrt ist, wurde im „Heimatverein“, dem Eigentümer der Mühle, der Plan entwickelt, jetzt für den Weihnachtsmarkt in Wettmar, am Sonntag, dem 30. Dezember und ersten Advent, ausreichend Mehl bereit zu stellen.
Der Plan ist realisiert, denn an vorhergehenden Wochenenden gelang es hin und wieder zu mahlen, und die Pensionäre unter den ausgebildeten Müllern fanden sich mehrfach wochentags spontan zusammen, um das Vorhaben schließlich zu ermöglichen.

So wird also am ersten Advent am Stand des „Heimatvereins“ u.a. Roggenschrot, Roggenvollkornmehl, Weizenschrot und Weizenvollkornmehl angeboten. Die Getreidequalität ist durch den heutigen Getreidehandel gesichert, Das angebotene Mehl wird in hygieníscher Hinsicht produziert, so wie es unsere Vorfahren aßen, also als ein gesundes, unbehandeltes Lebensmittel. Diese, ihree Proiduktion wird von den Müllerinnen und Müller überwacht nach dem sogenannten HACCP-Konzept der EU von 2004, einem Konzept zur Lebensmittelsicherheit. Sie selbst entwickelten es für ihre Mühle und nutzen auch das Mehl selbst bzw. geben es gern an Interessenten weiter. Die Abgabe erfolgt umsonst oder gegen Spende, weil ein gemeinnütziger Verein keine wirtschaftl.ichen Interessen verfolgen darf.

Das Mehl wird gern gemahlen. Die Mühle wird mit Engegement als kulturhistorisches Denkmal erhalten und ihre spezielle Geschichte, aber auch die Geschichte der Müllerei und Mühlentechnik wird allen Besuchern ebenso gern vermittelt, aber ein Kilo Mehl kann nicht wie im Supermarkt für 1,29 € gemahlen werden, Schlechte Windlagen sind nicht allein der Grund.

Wilhelm Busch, der lebenslang immer wieder ein Gast in der Mühle in Ebergötzen bei Göttingen war, sah das Problem der privaten Müller im 19. Jahrhundert folgendermaßen:

Aus der Mühle schaut der Müller,
Der so gerne mahlen will.
Stiller wird der Wind und stiller,
Und die Mühle stehet still.

So geht’s immer, wie ich finde,
Rief der Müller voller Zorn.
Hat man Korn, so fehlt’s am Winde,
Hat man Wind, so fehlt das Korn.

(Wilhelm Busch)
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2 Kommentare
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Christel Löhle aus Wedemark | 28.11.2014 | 21:36  
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R. S. aus Lehrte | 29.11.2014 | 08:00  
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