ziviler Widerstand gegen eine fremdenfeindliche und menschenverachtende Politik

Völlig überrascht war das Ehepaar Helferich-Little des Gasthaus "Zur Krone" in Mörlenbach, als sie durch einen Hinweis davon erfuhren, dass eine privat angemeldete Reservierung in Wirklichkeit eine AfD-Wahlkampfveranstaltung werden sollte. Die Gaststättenbetreiber sind politisch neutral und bewirten selbstverständlich Gäste, Vereine und Parteien für Zusammenkünfte, Sitzung oder Veranstaltungen. Bill Helferich-Little ist in England aufgewachsen und hält die demokratische Auseinandersetzung für eine große Errungenschaft. Jedoch als Veranstaltungsort für eine Partei, dessen Vorsitzende Frauke Petry u.a. gefordert hatte zur Grenzsicherung auf Flüchtlinge schießen zu lassen, wollten sie sich nicht hergeben lassen und stornierten die unter einem anderen Vorwand angemeldete Reservierung.

Wie sich herausgestellt hat, ist das Ehepaar Helferich-Little nicht allein betroffen. Unter privaten Namen wurden auch in anderen Lokalitäten reserviert, die auf der Webseite der AfD als Veranstaltungsort für den AfD-Wahlkampf beworben wurden. Die Betreiber der Gasthäuser fürchten nun um ihren guten Ruf. Dies ließ sich auch Sascha Bahl, Spitzenkandidat der Partei DIE LINKE. für den Kreistag Bergstraße, in einem persönlichen Gespräch mit den Gastwirten des Gasthaus "Zur Krone" bestätigen. Er hatte zusammen mit Christiane Hennrich, ebenfalls Kandidatin der Linken für den Kreistag, einige Tage zuvor im Umfeld der örtlichen Gewerkschaften und anderen Organisationen dazu aufgerufen die Veranstaltung zu besuchen, konfrontierende Fragen zu stellen, zivilen Widerstand gegen eine fremdenfeindliche und menschenverachtende Politik zu leisten und so einige, unseres Erachtens untragbare, Standpunkte der AfD zur Diskussion zu stellen. Fast zeitgleich gab es auch in Bürstadt Bemühungen seitens Politiker der Jusos und der Grünen eine Infoveranstaltung der AfD mit den gleichen Zielen zu besuchen, wurden jedoch an der Tür abgewiesen. Kritische Fragen der anwesenden Presse wurden mit "Lügenpresse"-Rufen gestört.

"Nicht nur, dass die AfD sich vor kritischen Fragen schützen will um ihre rechtspopulistischen Thesen möglichst ungefiltert verunsichernden Bürgerinnen und Bürgern zu vermitteln, sie nehmen auch einen Imageschaden der Gasthäuser in Kauf, denen erst gar nicht die Wahl gelassen wurden ob sie eine Wahlkampfveranstaltung der AfD beherbergen wollen“, so Sascha Bahl. Besonders ärgerlich findet er, dass der Aufruf die Veranstaltung zu besuchen nun mitsamt der Adresse des Gasthauses auf der Webseite der AfD-Bergstraße zu finden ist. Obwohl der bewusste Aufruf ausschließlich per Email an einen engen Personenkreis ging und im Vorfeld sehr bewusst auf einen öffentlichen Aufruf verzichtet worden sei, gerade um den Ruf des Gasthauses nicht zu beschädigen. Diese Rücksichtnahme hätte nun die AfD mit ihrer Veröffentlichung niedergetrampelt.

Christiane Hennrich hätte sich gerne einen persönlichen Eindruck dieser Partei verschafft: „Ich hätte gerne den Vertretern dieser Partei, insbesondere Rolf Kahnt, Fragen zu diversen Äußerungen seiner Parteikollegen und zu seinen kommunalpolitischen Standpunkten abseits des Flüchtlingsthemas gestellt, denn diese sind nach wie vor nicht erkennbar. Unserer Meinung nach, gilt es sich jetzt mit dieser Partei auseinanderzusetzen und nicht erst dann, wenn sie in den Parlamenten vertreten ist. Gerade im Beisein von interessierten Zuhörern hätten wir gerne gewusst, ob Standpunkte der AfD zur Abschaffung des Mindestlohn, Aberkennung des Wahlrechts für Langzeitarbeitslose oder die Forderung die Anzahl Homosexueller zu ermitteln, allgemein bekannt wären.“

Denkwürdig findet Sascha Bahl, dass seitens der etablierten Parteien im Kreis, bis auf die Linken, so gut wie keine Anstrengungen unternommen werden Rechtspopulismus zu begegnen: „Eine Auseinandersetzung mit der immer größer werdenden Fremdenfeindlichkeit, würde gerade für die CDU, SPD, Grüne und FDP bedeuten, die Ursachen in ihrer eigenen Politik zu suchen. Breite gesellschaftliche Schichten verharren im verelenden Hartz IV, befristeten Beschäftigungsverhältnissen, sowie, Teilzeit, Leiharbeit, Werkverträge und Minijobs. Das alles ist als Chance für den Arbeitsmarkt erkoren worden, was es letztendlich nicht ist. Die Renten wurden durch politische Maßnahmen gekürzt, Verbrauchssteuern, wie die Mehrwertsteuer erhöht. Die Kommunen erhöhen ihre Gebühren und Abgaben und können doch nicht den Verfall der Infrastruktur aufhalten, weil auf der anderen Seite die Vermögenden begünstigt werden. Viele Menschen vergessen leider, dass es eben nicht die Flüchtlinge sind, die den Leuten die Wurst vom Brot nehmen. Ohne die Linken würde es keine Partei geben, die darauf hinweisen würde, dass soziale Ungleichheit Rassismus begünstigt.“
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29 Kommentare
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Wolfgang H. Zerulla aus Burgwedel | 12.02.2016 | 23:18  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 13.02.2016 | 02:10  
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Helmut F. FRANK aus Bielefeld | 13.02.2016 | 09:44  
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Christiane Hennrich aus Wald-Michelbach | 13.02.2016 | 16:27  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 13.02.2016 | 18:21  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 13.02.2016 | 18:23  
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Christiane Hennrich aus Wald-Michelbach | 13.02.2016 | 18:51  
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Tina vom Saalestrand aus Bad Kösen | 13.02.2016 | 19:45  
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Helmut F. FRANK aus Bielefeld | 13.02.2016 | 19:48  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 13.02.2016 | 20:23  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 13.02.2016 | 20:26  
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Tina vom Saalestrand aus Bad Kösen | 13.02.2016 | 20:32  
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Helmut F. FRANK aus Bielefeld | 13.02.2016 | 20:34  
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Helmut F. FRANK aus Bielefeld | 13.02.2016 | 23:05  
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Christiane Hennrich aus Wald-Michelbach | 13.02.2016 | 23:17  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 14.02.2016 | 04:02  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 14.02.2016 | 04:05  
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Wolfgang H. Zerulla aus Burgwedel | 14.02.2016 | 15:30  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 14.02.2016 | 17:48  
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Christiane Hennrich aus Wald-Michelbach | 14.02.2016 | 18:23  
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Wolfgang H. Zerulla aus Burgwedel | 14.02.2016 | 18:26  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 14.02.2016 | 22:55  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 14.02.2016 | 22:58  
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Wolfgang H. Zerulla aus Burgwedel | 14.02.2016 | 23:16  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 14.02.2016 | 23:25  
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Christiane Hennrich aus Wald-Michelbach | 15.02.2016 | 09:31  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 15.02.2016 | 18:12  
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