Kleine Meise fliegt von Ederbringhausen übers Meer nach Finnland

  Vöhl: Ederbringhausen | Vogelberingung – toller Wiederfund in Finnland

Groß war die Freude in der letzten Woche bei Jens Freitag, Naturfreund und Kenner der heimischen Wälder, Seen und Felder.

Im Spätwinter 2013/2014 hatte der Pädagoge der Burgwaldschule eine kleine Kohlmeise beringt, im Oktober war exakt dieses bekannte Vögelchen im fernen Finnland abermals für kurze Zeit „in wohlwollende Gefangenschaft“ geraten und als Tier mit der Ringnummer „Helgoland ..82189029“ identifiziert worden.

Von Ederbringhausen, dem Beringungsort in der Gemeinde Vöhl, war die Meise bis nach Skandinavien geflogen... Was für eine phänomenale Leistung.

Vor nur wenig mehr als hundert Jahren begannen Liebhaber und Freunde der wildlebenden Vogelwelt Europas damit, erstmals einzelne Vögel mit sehr leichten Ringen aus Metall oder Kunststoff an den Beinen zu versehen.
Ornithologen, also zoologisch interessierte Personen, die sich mit der gesamten Vielfalt der weltweit über 10.000 Vogelarten beschäftigen, wollten bereits damals mehr herausfinden über das spannenden Leben der Arten, aber auch des einzelnen Tieres.
Besonders Hans Christian Mortensen, eine Däne, sowie Johanns Thienemann (tätig in einer Vogelwarte auf der Kurischen Nehrung) waren bekannte Pioniere der wissenschaftlichen Beringungen der Vogelbeine.

Aus den Beringungs- und Wiederfunddaten toter oder lebender Tiere können Experten eine Menge spannender Dinge ablesen: Routen der Vögel, Bestandsrückgänge oder Bestandszunahmen, Gefährdungen der jeweiligen Art, die verschiedenen Faktoren innerhalb der bevorzugten Ökosysteme, Krankheiten, Rückschlüsse auf Klimaveränderungen und einige Dinge mehr.
Doch auch die Verhaltensweisen sind Teil der Forschung an und mit den bekannten Sommer- und Wintergästen in der Region. Fast kein Futterhäuschen, an sie nicht schon zu Gast waren…

Jens Freitag ist fasziniert von der Energieleistung und dem unglaublichen Orientierungssinn seiner gefiederten Freunde im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Woher hat der Biologie- und Sportlehrer die die Kenntnisse für das anspruchsvolle Beringen der Tier?

Über seinen Schwiegervater Wilhelm Breßler wurde die immer schon vorhandene große Liebe zur Natur ein weiteres Mal verstärkt. Auf Helgoland, der einzigen deutschen Hochseeinsel mitten in der Nordsee, absolvierte er eine intensive Ausbildung zum anerkannten „Beringer wildlebender Vögel“. Hier lernte er, wie die Vögel in Netzen schadlos gefangen werden, wie Körpermaße ermittelt sowie Alter und Geschlecht bestimmt werden.
Das Institut für Vogelforschung Wilhelmshaven nahm die Prüfung ab. Das erste eigene Beringungsprojekt begann im vergangenen Winter bei Ederbringhausen an den Flüssen Orke und Eder. Es hatte den Arbeitstitel „Winterökologie von Singvögeln in Vöhl-Ederbringhausen“.

Die Kohlmeise (Parus major), deren Daten jetzt am 11.10.2014 in Finnland nach dem Fang von finnischen Naturfreunden in offizielle Dateien eingegeben wurden, identifizierten den Vogel als weiblich und gesund, das Gewicht betrug 18,7 Gramm.

Jens Freitag hatte im Februar 20 Gramm auf der sensiblen Waage ablesen können. Den Mitarbeitern des Bird Observatory Hanko/Uusimaa (Nyland) in Finnland war die Meise ins Netz gegangen.
„Es waren enorme 1.305 Kilometer, die von dem Vogel bewältigt wurden“, staunt der Frankenberger immer noch. Er nimmt an, dass das Tier nicht in Deutschland geboren wurde, sondern in Finnland. Somit habe es die Distanz mindestens schon zweimal bewältigt.

Offen bleibt, welches der genaue Weg und wie groß die Teilstrecke war, die über der weiten Ostsee geschafft wurde. Sollte die Kohlmeise gesund bleiben und auch keinem Beutegreifer zum Opfer fallen, könnten noch mehrere Flüge Finnland-Deutschland-Finnland anstehen. Schließlich können die Tiere bis zu zwölf Jahre alt werden. Allerdings sterben bis zu 85 Prozent der Jungvögel schon im ersten Lebensjahr.

Eine ganz besondere Mitteilung war für Jens Freitag noch die Krönung in der erhaltenen Mitteilung des Instituts für Vogelkunde: In der hundertjährigen Geschichte war der Wiederfund der siebtnördlichste aller Zeiten und überhaupt erst der sechste in Finnland.

In der Burgwaldschule versucht der Lehrer immer wieder, den Jugendlichen die Natur nahezubringen – ob bei Aktivitäten im Wald, an den Futterhäuschen vor Fenstern der Bioräume, bei Pflanzenbestimmungsübungen oder bei regelmäßigen Exkursionen in den Park oder während fröhlicher Wanderungen.
Äußerst gespannt ist der begeisterte Beringer Jens Freitag darauf, ob die hübsche Kohlmeisendame wieder den Weg nach Ederbringhausen finden wird.

„Es ist nicht unwahrscheinlich. Aber auf jeden Fall bedeutet dieser Fund in Skandinaviens Nord-Osten eine enorme Motivation für unsere echt spannenden Tätigkeiten hier in der tollen Natur des Landkreises – oder mal wieder auf der herrlichen Insel Helgoland…!“

Fotos:
>Jens Freitag auf dem Schulhof während eines Festes 2014
>Kohlmeise (Parus major)
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