Beruflich und privat ist Sascha Tenholt aus Bergkamen ein Helfer

Der Bergkamener spendet Stammzellen in Birkenfeld, bei der Stefan-morsch-Stiftung.
 
Unter der kostenfreien Hotline 0800 - 76 67 724 sind Mitarbeiter der Stefan-Morsch-Stiftung erreichbar.
Unna: Kreisverwaltung |

Vor sieben Jahren hat Sascha Tenholt aus Bergkamen (Kreis Unna) einen Freund nach Birkenfeld zur Stefan-Morsch-Stiftung begleitet. Der Freund spendete Stammzellen, um einem Leukämiepatienten das Leben zu retten. Der Ergotherapeut fand das überwältigend und ließ sich ebenfalls als Spender registrieren. Vor einigen Monaten war es soweit: „Anderen Menschen helfen – das ist das, was ich am liebsten mache.“ Auch er durfte mit seiner Stammzellspende einem wildfremden Menschen, die Chance geben, den Blutkrebs zu besiegen.

Die Stefan-Morsch-Stiftung ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Sie leistet seit fast 30 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist es, Menschen zu werben, sich als Stammzellspender zu registrieren. Der Ergotherapeut Sascha Tenholt ist einer von fast einer halben Million Menschen, die seit der Gründung der Stiftung, in die bundesweit agierende Stammzellspenderdatei aufgenommen wurden.

Leukämie ist nur eine der bösartigen Erkrankungen, die eine Übertragung gesunder Blutstammzellen erfordern können. Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System – seine einzige Chance auf Leben, wenn Chemotherapie oder Bestrahlungen nicht geholfen haben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn es Menschen wie Sascha Tenholt gibt, die sich typisieren lassen – sprich: als Stammzellspender einer Spenderdatei erfasst sind. Um Stammzellen transplantieren zu können, müssen die Gewebemerkmale von Spender und Patient übereinstimmen. So sind in den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung zwar weltweit über 20 Millionen Menschen registriert – trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Spender findet.

Sascha Tenholt ist so ein Glücksfall. Als Ergotherapeut arbeitet er in der Praxis Rosewitz für Ergotherapie in Kamen. Nach Feierabend kocht der 38-Jährige gerne gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin oder geht mit ihr spazieren. Er interessiert sich für Sport - spielt Badminton.

Ende 2013 meldete sich die Stefan-Morsch-Stiftung bei dem Borussia Dortmund-Fan, denn er kam als Spender für einen Leukämiepatienten in Frage. „Für mich stand es außer Frage, dass ich helfe. Ich hatte nie Bedenken oder Zweifel“, erzählt Tenholt. Familie, Freunde und seine Vorgesetzten unterstützen sein Engagement und finden es gut, dass er einem Menschen helfen will.
Bevor der Bergkamener Stammzellen spenden darf, wird er umfassend aufgeklärt und gründlich untersucht. Bei diesen Voruntersuchungen wird geprüft, ob er wirklich der optimale Spender ist. Gleichzeitig soll ausgeschlossen werden, dass der Fußball-Fan ein gesundheitliches Risiko eingeht. Die Mitarbeiter der Stiftung beraten und begleiten ihn während dieser ganzen Vorbereitungsphase.

Dann beginnt die entscheidende Phase vor der Transplantation. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender einige Tage lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert. Apherese heißt dieses Verfahren, das heute am häufigsten angewandt wird.

Bei der klassischen Methode – der Knochenmarkspende – entnehmen die Mediziner Knochenmark aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Weder der Spender noch der Patient erfahren zu diesem Zeitpunkt, wer der andere ist. Sascha Tenholt und sein Empfänger bleiben in jedem Fall bis zum Ablauf von zwei Jahren anonym. Erst danach besteht die Möglichkeit, je nach Gesetzeslage des Landes, in dem der Patient lebt, dass Spender und Patient einander kennenlernen können.

Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Parallel zur Vorbereitung von Sascha Tenholt wird in der behandelnden Transplantationsklinik der Patient vorbereitet. Das bedeutet: Sein Immunsystem wird stark unterdrückt oder sogar ausgelöscht – durch Bestrahlung oder/und Chemotherapie. Wenn er sich jetzt mit einem Virus infiziert oder es aus irgendeinem Grund mit der Stammzellspende nicht klappt, ist sein Leben massiv gefährdet. Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender der Stefan-Morsch-Stiftung: „Eine Transplantation ist immer eine letzte Chance. Diese Chance hat er nur durch Sascha Tenholt.“

Der Ergotherapeut hat mittels Apherese gespendet: „Das lange, ruhige Liegen während der Spende ist anstrengend und das Spritzen war auch unangenehm. Aber die Mitarbeiter der Stiftung versuchen, es mir so angenehm wie möglich zu machen. Das Wichtigste ist jetzt, dass der Patient überleben kann.“

Die nächsten Termine, sich im Kreis Unna typisieren zu lassen sind am:

Freitag, 20. Februar, 15 bis 19.30 Uhr, im Freiherr-vom-Stein Berufskolleg, Becklohhof 18, in Werne
Dienstag, 24. Februar, 15 bis 20 Uhr, im DRK-Heim, Königsholz 1a, in Bönen

Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Thema Stammzellspende:

Wie wird man Stammzellspender?

Prinzipiell kann jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren Stammzellen spenden. Informationen über Ausschlussgründe lassen sich auf der Internetseite der Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de) nachlesen. Die Typisierung ist für alle Spender kostenlos, jedoch werden Spenden zur Finanzierung der Blutuntersuchungen gerne entgegen genommen – da jede Spenderregistrierung mindestens 50 Euro kostet.
Die aktuellen Termine für die Typisierungsaktionen der Stefan-Morsch-Stiftung findet man auf der Homepage. Zudem gibt es dort auch die Möglichkeit, sich online registrieren zu lassen. Über den Button „Online-Registrierung“ auf der Startseite kann man sich eingehend informieren, die Einverständniserklärung ausfüllen und sich ein Entnahmeset zuschicken lassen. In dem Päckchen ist das entsprechende Material, um sich bei seinem Hausarzt eine kleine Blutprobe entnehmen zu lassen oder einen Abstrich der Mundschleimhaut durchzuführen. Dieses Päckchen wird einfach an die Stefan-Morsch-Stiftung zurückgesendet. Falls Sie Fragen zu den Ausschlusskriterien haben, rufen Sie einfach unsere gebührenfreie Hotline (08 00 - 766 77 24) an.

Ab welchem Alter kann man sich typisieren lassen?
Jeder gesunde Erwachsene ab 18 Jahren kann sich als Stammzellspender registrieren lassen. Mit dem Einverständnis der Eltern kann man sich bereits ab 16 Jahren typisieren lassen. Die Eltern sollten dann die Einverständniserklärung mit unterschreiben. Für die Spendersuche wird man erst mit Erreichen der Volljährigkeit freigeschaltet. Bevor das geschieht, wird der Spender von der Stefan-Morsch-Stiftung noch einmal angeschrieben, um die Einverständniserklärung zu bestätigen.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient einen passenden Spender findet?
Die Wahrscheinlichkeit, für einen Patienten einen kompatiblen Stammzellspender zu finden, liegt in der Größenordnung von 1:10.000 und 1:1.000.000 und ist abhängig von den Gewebemerkmalen (HLA-Merkmalen) des Patienten. Je genauer die Übereinstimmung zwischen den Merkmalen dieses DNA-Teilstückes des Spenders und denen des Patienten ist, umso größer sind die Erfolgsaussichten für eine Stammzelltransplantation.

Sollten Sie noch Fragen haben – die Stefan-Morsch-Stiftung ist unter der gebührenfreien Hotline 08 00 - 766 77 24 oder über info@stefan-morsch-stiftung.de erreichbar. Auf der Homepage www.stefan-morsch-stiftung.de oder via Facebook kann man sich ebenfalls informieren.

Die Stefan-Morsch-Stiftung ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ leistet sie schnelle und persönliche Hilfe für Krebskranke und ihre Familien. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit Chemotherapie und/oder Bestrahlung aber nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich somit die Chance, dass einem todkranken Patienten das Leben gerettet werden kann.
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