Tex Rubinowitz zur Literaturwoche Ulm 2015 - Quirliger Allrounder im Höhenflug

Tex Rubinowitz - ein ungewöhnlicher Autor unterhielt bestens zum Auftakt der diesjährigen "Literaturwoche Ulm"

Dünn, quirlig, mit lebendig blitzenden Augen und erstaunlicher Gestik gesegnet ist dieser Tex Rubinowitz, 1961 geborener Wahl-Wiener und Sieger des renommierten Bachmannpreises 2014 in Klagenfurt. Zur Literaturwoche Ulm 2015 hatte sich Initiator Florian L. Arnold diesen Autor und Zeichner als Eröffnungsgast gewünscht.

Ein Wunsch, der nun in der Museumsgesellschaft Ulm in Erfüllung ging. Wortreich, mit voluminöser Gestik und eindrucksvoller Mimik, hielt es den Mann nicht auf dem bereitgestellten Stuhl - um sich in dem von Neugierigen überfüllten Saal der Museumsgesellschaft Gehör zu verschaffen, stieg Rubinowitz auf einen Stuhl - und blieb fast den ganzen Abend über dort. Er ließ keinen Platz für Eröffnungszeremonien, Formalitäten, Konventionen. Man kann es ihm nicht verübeln. Der Autor, Zeichner und Musiker hat schließlich einen Ruf als Außenseiter und charismatischer Unangepasster zu verlieren - mit einem Bachmann-Preis in der Tasche, 53 Jahren auf dem Buckel und einer Ausstellung im Wiener Museum Leopold ist das gar nicht so einfach.

Beim Reden spielt Rubinowitz, der als Dirk Wesenberg in Hannover geboren wurde, mit den Höhen und Tiefen seiner Biografie.

Mit sieben Fünfen von der Schule geflogen, vom Vater als absoluter Versager gesehen, Missbrauch und Gewalt – und dazwischen die Satire, die Luft verschafft. Mit seinem eigentlichen Namen Dirk darf ihn niemand ansprechen; ihn empfindet der Autor als die Wiedergabe des Geräusches, mit dem der Körper gegessene Nahrung wieder nach oben und außen befördert. Sprich: Er findet ihn zum Kotzen. Mutters Kosenamen „Sputnik“ darf wirklich nur Mama benutzen – darum also steht auch im Ausweis „Tex“. Nur so will er angesprochen werden.

Aus seinen Büchern "Irma" und "Die Sieben Plurale von Rhabarber" las der Autor ein wenig vor. Wenig. Lieber erzählte er Schnurren und Anekdotisches rund um die Entstehung der Bücher, macht Witze und kumpelt mit den knapp 120 Gästen.
Wenn Rubinowitz auf der Bühne steht, sollte man besser auf alles gefasst sein. Ein paar mag es gegeben haben, denen der Abend nicht gefiel. Nach kurzer Eingewöhnung wußte das Gros der Gäste den unkonventionellen und begabten Erzähler zu schätzen, der dann fleißig Bücher signierte oder mit kleinen Zeichnungen verzierte. Beispiele seiner Begabung als Karikaturist und Cartoonist zierten die Wände der Museumsgesellschaft - zu sehen sind diese mit klarem Strich skizzierten Cartoons bis 1. Juli im Foyer der Ulmer Stadtbibliothek unter dem Titel "Wollen wir uns Nichtduzen?"

"Tex ist genau das, was wir haben wollen - eigenwillig und unangepasst"

, findet Literaturwochen-Initiator Florian Arnold. Bei der Literaturwoche Ulm, die sich über fast drei Wochen erstreckt, solle es um die kleinen, um die unabhängigen Verlage gehen, denn: "Diese Verlage veröffentlichen Literatur noch, weil sie an die Literaten glauben, und nicht an den Profit."

https://literatursalonulm.wordpress.com/
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