Der Ikarus von Giengen zeigt Pynchon-Zeichnungen zur Literaturwoche Ulm 2015

Max P. Häring: Das Buch "Weltgebäude" mit Zeichnungen zu Thomas Pynchon kann bei der Ulmer Buchhandlung "Jastram" erstanden werden.
Ulm: Café SCHMIZZ |

Max Häring gehört zu den Künstlern, die so gar nicht zum modernen Kulturbetrieb zu passen scheinen. Und das ist gut. Denn anders als die Künstler unserer Zeit, die so eloquent wie ein Wirtschaftsmagnat den Preis ihrer Arbeit über Äußerlichkeiten und Kleinskandale hochtreiben, erweist sich Häring als stille Wucht abseits ausgetretener Kunst-Pfade.

Max Häring, 1951 in Giengen a. d. Brenz geboren, zeigt uns vom 3. Juni bis 10. Juli im Ulmer Café "Schmizz" einen sorgfältig ausgewählten Ausschnitt seines Könnens - seine Zeichnungen, die von den Büchern Thomas Pynchons inspiriert wurden. Es ist ein wohldosiert eingesetzter Einblick in eine künstlerische Arbeit, die neben altmeisterlicher Handwerklichkeit und formaler Ausgereiftheit vor allem eines darstellt: Das Auffinden, das Erfinden, das Aufgreifen und Weiterspinnen von Geschichte und Geschichten.
1973 bis 1979 studierte Häring an der Akademie der bildenden Künste in München bei Prof. Mac Zimmermann und Prof. Sauerbruch; das 1. Staatsexamen erfolgte 1978, Diplom 1979, seit 1982 ist Häring als freischaffender Künstler tätig, lebt und arbeitet in Giengen. Härings Welten bannen das Chaos der Moderne. Der Künstler zeichnet dieses Chaos als feines Mosaik aus komischen, dramatischen, skurrilen und raumgewaltigen Szenen. Häring knüpft dabei durchaus an die Tradition des altniederländischen Tableaus an, wie es von Hieronymus Bosch und Pieter Breughel entworfen wurde; dem literarisch interessierten Leser erscheint die Bildgewalt des Zeichners als perfekte Entsprechung der Sprach- und Erzählwucht von Thomas Pynchon. So, wie in den Werken des mysteriösen amerikanischen Romanschriftstellers die wahren Helden eben „Underdogs“, Querdenker und Seitenwechsler sind, so lassen sich auch die Figuren in Härings Bildern als „Antihelden“ charakterisieren.

Selbst zu einem Teil phantastischer Welten werden.


Das einzige, was den Antihelden vom Helden ernstlich unterschiedet, ist die Heterogenität seines Denkens und Handelns. Wo der Held von seinem Tun zweifelsfrei überzeugt ist, durchläuft der Antiheld Phasen von Selbstbefragung und Selbstzerstörung; er löst sich auf, erscheint mitunter schattenhaft, fragmentiert, unergründlich.
Wer sich auf eine Max Häring – Arbeit einläßt, taucht ein in eine Welt, in der alles miteinander vernetzt ist. Durch die Ausstellung zur "Literaturwoche Ulm 2015" haben wir die seltene Gelegenheit, selbst zum Teil einer sagenhaft-unglaublichen Geschichte zu werden, minutenlang in Bildern zu verschwinden und selbst zu Zeitreisenden, Alleswissenden, zu Schöpfern und Fantasten zu werden, die gleich Pygmalion alles, was uns gefällt, zum Leben zu erwecken.

LINK: Homepage von M. P. Häring
LINK: Literaturwoche Ulm - Begleitausstellungen
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.