Brillanten blühen am bayerischen Donauufer

  Neu-Ulm "Wir setzen auf Qualität, nicht auf Quantität" betont Bernd Treder, der Präsident der Deutschen Orchideen-Gesellschaft (DOG) und meint damit die 17. Orchideentage Neu-Ulm, die vom 7. bis 9. Februar im Edwin-Scharff-Haus stattfinden. Wenn man anderswo die Masse in den Vordergrund stellt, so präsentieren sich am bayerischen Ufer der Donau die "Brillanten unter den Orchideen", die die Besucher bewundern können.

(aad) Orchideen galten vor ein paar Jahrzehnten als eine Art „Edelsteine“ unter den Blumen. Der Grund: sie waren so teuer, dass der Otto Normalverbraucher sich solche Pflanzen oder auch nur eine Blüte davon kaum leisten konnte. Hinzu kam noch die mimosenhafte Empfindlichkeit, so dass es nur wenigen gelang, eine Orchidee auf der Fensterbank zu halten. Inzwischen hat sich die Situation gründlich gewandelt. Dank der großen Erfolge vieler Züchter erobern diese an sich sehr anspruchslosen Gewächse, die die herrlichsten und vielgestaltigsten Blüten entwickeln, immer mehr Wohnstuben. Wichtigste Voraussetzung dafür war, dass die Orchideen gegenüber der Umwelt widerstandsfähiger wurden und zum anderen spielte der Preis eine Rolle.

Entscheidende Fortschritte konnten – wie ein Züchter uns erklärte – durch die sogenannte „Meristem“- Vermehrung erreicht werden, besser bekannt als „Klonen“. Hierbei wird aus kleinen Teilen einer Mutterpflanze – z. B. vom Blatt - eine neue Orchidee „geboren“. Auf diese Weise züchtet man heute etwa ein Drittel aller Orchideen. Zwei Drittel werden durch Samen herangezogen. Ausserdem werden so neue Arten in einem langwierigen Prozess im Labor entwickelt. Damit beschäftigen sich Gärtner ebenso wie Hobby-Züchter.

Die Orchideengattung, die heute wohl aufgrund ihrer Verbreitung am bekanntesten ist, ist die „Phalaenopsis“. In Massenkulturen wird sie meistens in weiss und lila für den Markt produziert. Aber auch Miltonien (Urwaldstiefmütterchen) sind auf dem Vormarsch in deutsche Wohnzimmer. Dabei ist es - wie bei vielen anderen Dingen im Leben - eine Kostenfrage, wofür man sich letztendlich entscheidet. Seltene Exemplare sind eben teurer als Massenware. Pflegeleicht - so betonen erfahrene Gärtner - sind jedoch im Grunde alle. Das bedeutet, dass sie nicht täglich bemuttert werden müssen und auch dann noch nicht ihre Köpfe hängen lassen, wenn die Hausfrau mal Urlaub macht.

So gehören Orchideen heute zum festen Angebot von Gärtnereien und Blumengeschäften. Dort findet man sowohl Topfpflanzen wie auch Blüten, die zu wunderschönen Arrangements verarbeitet werden. Auch wenn heute die Preise von Art zu Art sehr unterschiedlich sein können, so ist das überhaupt kein Vergleich zu der Situation, wie man sie Anfang der 50er Jahre noch antraf. „Damals - so erinnert sich ein erfahrener Gärtner - musste man für eine Orchidee sage und schreibe 100 bis 120 Mark hinblättern. Das war 1952 der Fall, wie ich noch gut weiss“. Das entsprach damals dem Monatseinkommen eines Arbeiters oder Handwerkers. Heutzutage zahlt man für die einstigen „Edelsteine“ nicht mehr als für einen schönen Blumenstrauss, nämlich 15 bis 20 Euro.

Aus den Tropen, woher die schönen Pflanzen einst zu uns kamen, werden inzwischen fast keine Orchideen mehr mit Wurzeln eingeführt. Der Artenschutz spricht auch dagegen. Heute ist es fast umgekehrt. Europäische Züchtungen finden immer häufiger den Weg zurück in die tropischen Länder. Eingeführt werden lediglich Schnitt- Orchideen, die von kultivierten Pflanzen, jedoch nicht aus freier Natur stammen.

Europaweit befinden sich derzeit - wie Fachleute berichten - rund 15 bis 18 Millionen Sämlinge in der Aufzucht. Das bedeutet, dass das Orchideenangebot buchstäblich in die Höhe wächst. Allerdings geht es nicht so schnell wie bei anderen Blumen. Von der Bestäubung bis zur verkaufsfertigen Pflanze muss man mindestens viereinhalb Jahre, oft auch länger, Geduld haben.

Die zunehmende Popularisierung der Orchidee hat auch dazu geführt, dass neben der Pflanze vieles angeboten wird, was teilweise auch auf den 17. Neu- Ulmer Orchideentagen (7. – 9. Februar) erhältlich sein wird, Fachliteratur, passende Töpfe, die richtige Erde-Mischung oder sogar Gewächshäuser. Für alle, die selbst ausprobieren wollen, welch außergewöhnliche Pflanzen man im Reagenzglas züchten kann, ist gewiss das „kleine Labor“ mit entsprechendem Zubehör von besonderem Interesse. Auch hierüber gibt es zumindest Informationen auf der Neu-Ulmer Orchideenschau, die hinsichtlich der Pflanzen-Qualität zu den besten im Zuständigkeitsbereich der Deutschen Orchideen-Gesellschaft (DOG) zählt.
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