Oslo Marathon 2013

Das Rathaus von Oslo, Symbol für die norwegische Unabhängigkeit, bildet die Kulisse für Start und Ziel des Oslo-Marathons.
 
Die Abgabe der Bekleidungsbeutel klappt noch ohne Irritationen.
 
Halbmarathonteilnehmer machen sich auf den Weg zu den Starterblöcken.
Oslo (Norwegen): Rathausplatz | Ein Lauf-, Reise- und Veranstaltungsbericht von einem Teilnehmer des Halbmarathons am 60. Breitengrad

Zwei Veranstalter bieten für Laufinteressierte diese Fahrt zum Danske Bank Oslo Marathon an. Das Busunternehmen Schörnig-Reisen startet in Hannover-Langenhagen seine 5-tägige Laufreise. In dieser Sonderreise sind zwei Übernachtungen an Bord der Color Line Fantasy und zwei im Thon Hotel Slottsparken, sowie die Bustransfers in Oslo enthalten. Das Laufabenteuer im hohen Norden steht unter der Leitung von Inhaber Klaus Schörnig (auch Laufteilnehmer) und Trainer Marian Bigocki vom DJK Sparta Langenhagen.
Die gleiche Überfahrt nach Norwegen, das Hotel Slottsparken und die Transfers in Oslo bietet auch das Fährunternehmen Color Line GmbH direkt an. Allerdings nur von/bis Terminal Kiel. Um beide Gruppen kümmern sich ab dem Norwegenkai, dem Terminal der Color Line in Kiel, auch zwei Vertretern der Reederei bis wiederum zum Terminal Hjortneskai (Richtung Kiel).

Marian Bigocki (ja, genau der – vom Runners Point Hannover) erwartet seine Teilnehmer an der Stadtbahnhaltestelle Langenhagen/Zentrum. In entspannter Fahrt (die man im Bus sicher leichter erfährt als im eigenen Auto) erreicht der Reisebus pünktlich Kiel. Vor der Einschiffung gibt es für alle Athleten und Begleiter bei einer Nudelparty im Terminal erst mal was zu essen und ein Begrüßungsgetränk. Die Einschiffung läuft für ein Schiff mit 15 Decks und 2.667 möglichen Passagieren erstaunlich zügig ab, allerdings waren auch nicht alle Kabinen belegt. Die Color Line bemüht sich aktuell mit Mini-Kreuzfahrten, Tagungs-, Messe-, und Sonderveranstaltungen um Auslastung im Fährverkehr.
Auf keinen Fall sollte man bei der Hinfahrt die Unterfahrung der Großen-Belt-Brücke verpassen. Das beeindruckende, 18 (!) km lange Bauwerk verbindet Ost- und Westdänemark miteinander. Es ist Tag und Nacht für Kraftfahrzeuge und zum Teil für Schienenfahrzeuge geöffnet. Erst bei schwerem Sturm ab 90 km/h wird die Brücke für sämtlichen Verkehr geschlossen.

Am Tag vor Norwegens einzigem Citymarathon macht sich die Gruppe „Marian“ zu Fuß auf den Weg vom Hotel zur Startnummern-Ausgabe auf dem Rådhusplassen. Die Unterschiede norwegisch/deutsch sind gar nicht so groß und viele geschriebene Wörter sind leicht zu erahnen. Amüsanterweise wird in Norge der Helfer bei der Laufveranstaltung „Funksjonær“ genannt. Im Nu erhalten die Langstreckenläufer ihre Unterlagen und machen sich noch am frühen Vormittag auf den Weg zur Stadterkundung.

Oslo zählt mit zu den vier teuersten Städten der Welt. Das ist nicht verwunderlich, wenn man berücksichtigt, dass das BIP/Einw. nominal an 3. Stelle, nach Kaufkraftparität an 4. Stelle steht (zum Vergleich: D liegt an 20. bzw. 18. Stelle). Das ursprünglich zu den ärmsten Regionen Westeuropas zählende Land erlebte seinen Aufschwung durch das Öl Anfang der 70er Jahre. Mein Eindruck nach einer stundenlangen Wanderung durch das Zentrum und dem 21-Kilometer-Lauf am nächsten Tag ist aber ganz anders. Die Straßenbahnen, die in der Halb-Millionen-Stadt fahren, sehen ein wenig klapperig aus, die Straßen sind keineswegs in besserem Zustand als bei uns, die Häuser im Arbeiterviertel haben den Charme vom alten Ostberlin und moderne Architektur ist nur in Aker Brygge im Ansatz zu sehen – und ich frage mich, wo das ganze Geld abgeblieben ist. Denn Norwegen ist der weltweit dreizehntgrößte Förderer von Erdöl mit etwa drei Prozent der Welterdölförderung (Stand 2008). Und hat nur fünf Millionen Einwohner.

Ohne großes Zeitpolster machen sich die Teilnehmer „Halvmaraton“ am nächsten Tag auf den 20-Minuten-Fußweg zum Rådhusplassen. Der Platz um das Startareal zwischen Rathaus und Hafen ist mit Menschenmassen angefüllt. Nach der Kleiderbeutelabgabe ist es höchste Zeit auf die Start-Straßenseite zu kommen und den richtigen von neun Startblöcken beim HM zu finden. Fatalerweise wird gerade die Straßenseite zwischen Beutelabgabe und Starterfeld von den Marathonläufern auf der zweiten Runde benutzt. Die Zeit ist knapp. Ich klettere wie andere HM-Starter über die erste Absperrung, schlängele mich quer durch die 42er Läufer, überwinde die zweite und lande so irgendwo unter den 8.000 Startern. Die ersten davon befinden sich schon auf der Strecke und alle drei Minuten wird eine weitere Gruppe auf den Weg geschickt. Das Wetter konnte bei dieser Veranstaltung am 21. September 2013 in Oslo gar nicht besser sein: Windstill, sonnig und knapp über 10 °C. Die Strecke ist ein attraktiver Rundkurs durch Stadtteile mit verschiedener Nutzung. Im Zentrum die Verwaltung, Wohngebiete unterschiedlicher Art, Fährhafen, das 1987 eröffnete Einkaufs- und Amüsierviertel Aker Brygge, Containerhafen, Botanischer Garten und die Karl Johans gate, die Haupt- und Prachtstraße der Innenstadt von Oslo. An Sehenswürdigkeiten befinden sich Rathaus, Akershusfestung, Oper, Parlament, in einiger Entfernung in der Verlängerung der Karl Johans gate „Det Kongelige Slott“ und zahlreiche Skulpturen an der Strecke.

Noch nie habe ich in einer Stadt so viele Skulpturen wie in Oslo gesehen. Das rådhus ist auf seiner Frontseite mit Standbildern aus der Arbeitswelt geschmückt. Auf dem Vorplatz Richtung Hafen wetteifern an jeder Ecke Statuen um Aufmerksamkeit der Besucher. Während hier alles in Bronze ausgeführt ist, bestehen die Skulpturen im Vigeland-Park überwiegend aus Granit. Alles im Park sieht etwas dramatisch und tiefgreifend aus. Man stemmt und ringt und rangelt mit Gegnern, der Frau, den Kindern und wahrscheinlich auch mit sich selbst. Für mich ist dann „Der Schrei“ von Edvard Munch nur noch die Fortsetzung vom Skulpturenpark.

Zuschauer an der Laufstrecke gibt es außer am Rathausplatz und auf den letzten zwei Kilometern nicht viele. An den Hotspots werden die Athleten aber immer wieder mit „Heia! Heia!“ oder „Heia Norge!“ lautstark angespornt und der Zieleinlauf, nur 100 Meter vom Oslo Fjord entfernt, ist schon ein einmaliges Erlebnis. Ganz besonders bei einem so optimalen Wetter wie am Lauftag 2013.

Den Oslo-Marathon gibt es seit 1981 mit einer Unterbrechung von 2001 bis 2003. Am Veranstaltungsablauf ist im Prinzip nichts auszusetzen. Verbessert werden sollte unbedingt die Kleiderbeutelrückgabe. So habe ich mit kurzer Hose und T-Shirt, nass bis auf die Haut, am späten Nachmittag bei Temperaturen unter 10 °C, für meine trockenen Sachen 45 (!) Minuten anstehen müssen. Generell sollte bei einer Laufveranstaltung dieser Größenordnung (16.606 Gesamtfinisher) auch ein ausführlicher Lageplan zur Verfügung stehen.
Der Veranstalter hat allem Anschein nach ein starkes Interesse den Zugang zu den Finisherzahlen zu erschweren. Am Anfang kann man auf der Webseite noch zwischen norwegisch und englisch wählen, findet kurz danach alle Angaben nur auf norwegisch. Wenn man dann mit Glück zur ersten Finisherseite gelangt ist, stellt man fest, dass man alle Seiten (158) nacheinander durchorgeln muss, um die gewünschte Zahl zu erhalten. Auf der anderen Seite wurde meine Mailanfrage zu den Finishern von den Norwegern schnell und freundlich beantwortet.
Zu guter Letzt noch etwas zu den Startgebühren. Für die 3-km-Strecke beträgt das Startgeld (umgerechnet) 38 (!) €. Für die 10 km, 21 km und 42 km werden in der günstigsten Stufe 56 €, 75 € und 88 € verlangt. Kurz vor dem Starttermin wird die Gebühr für alle Distanzen zusätzlich in zwei Schritten angehoben.

Mit 2.310 Finishern auf der Marathondistanz ist der Oslo-Lauf die größte Marathonveranstaltung in Norwegen. Schon die beiden nächsten bedeutenden Veranstaltungen Midnight Sun Marathon (Tromsø) und Nordmarka Marathon (Oslo) liegen bei den Finisherzahlen nur im dreistelligen Bereich. Auch wenn man die Bewohnerzahl von 5 Millionen berücksichtigt, hat Laufsport in Norwegen nicht die Attraktivität wie in anderen westlichen Ländern und Japan.
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