Buchbesprechung: Die Jagd auf den Wolf

(Isegrims schweres Schicksal in Deutschland. Beiträge zur Jagdgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts von Matthias Blazek)


Inhalt - Bewertung - Fazit

Der Wolf kommt wieder. Seit über 100 Jahren war er ausgerottet und jedes einzeln einwandernde Tier danach hatte eine knapp begrenzte Halbwertzeit und wurde mit allen Mitteln verfolgt und abgeschossen.

Seit etwa 20 Jahren wandert er nun ungehindert von Osten her ein und vermehrt sich hier, diesmal nicht nur geduldet sondern gesetzlich unter besonderen Schutz gestellt.

Heute sind die Einwanderer also offiziell willkommen. Aber wie war das damals, als es noch Wölfe gab hier in Deutschland - bevor sie zusammen mit Bären, Luchsen und Steinadlern als Raubzeug angesehen und ausgerottet wurden, als Isegrim noch bejagt wurde?

Der Schriftsteller und Geschichtsschreiber Matthias Blazek ist dem nachgegangen und hat nach seinen Recherchen ein broschiertes Sachbuch daraus gemacht. Tief ist der Historiograph in die vorhandenen Archive getaucht und hat intensive Nachforschungen betrieben. Allein das Quellenverzeichnis von „Die Jagd auf den Wolf“ umfasst acht Seiten.
Entsprechend genau und akribisch sind seine Angaben zu den Ereignissen, die bis in das 16. Jahrhundert zurückreichen. Beim Lesen erfährt man, warum dem Wolf so hartnäckig nachgestellt wurde. Besonders nach langen Kriegszeiten wurden die Rudel und später die selten gewordenen Einzelgänger zur Plage. Man bezeichnete sie als Bestien und Würger. Dass man an vielen Kadavern der Beute Schnittspuren fand und manches Tier schon aus der Decke geschlagen war, deutet eher auf hungrige Menschen hin. Gleichwohl erkor man meist den „bösen“ Wolf als Ursache und stellte ihm erbittert nach.

Der Text des 106 Seiten schmalen Sachbuches ist gespickt mit Zitaten aus amtlichen Meldungen und – in späterer Zeit – auch aus Zeitungsartikeln und historischen Erlebnisberichten.
Besonders erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die lokalen Ereignisse im Raum Hannover, Lüneburg, Steinhude, Grohnde und so weiter. Die hier ansässigen Leser werden vielleicht noch von dem letzten Wolf gehört haben, der 1872 in der Lüneburger Heide erlegt wurde. Matthias Blazek aber hat sämtliche bekannten Abschüsse der Gegend bis ins 16. Jahrhundert zurück dokumentiert. Ganz nebenbei erfährt der Lesende in den Schilderungen, dass man im Königlichen Jägerhof, am Georgsgarten, den „Hannoverschen Schweißhund“ züchtete und wer sich um den Kirchroder Tierpark verdient gemacht hat.
Nach meiner Meinung fehlt der Hinweis, dass nach heutigem Wissen der Forschung in Nachkriegszeiten den Wölfen durch das radikale Ausplündern der Ressourcen die natürliche Beute fehlte und sie sich notgedrungen am Vieh der Menschen vergriffen. Aber das Werk erhebt ja auch keinen Anspruch darauf, biologische Hintergründe auftun zu wollen. Es geht nur um die Jagd auf Isegrim vor 1990 und man versteht gut, dass jede Meldung eines wilden Wolfes damals (wie heute?) die Bevölkerung aufschreckte, die sogleich einen Abschuss forderte.

Es ist eine etwas andere Sicht der Dinge, die hier vom Autor geschildert wird.
Unser Augenmerk auf den Wolf ist eine zukünftige, von Wissen, Forschung und Aufklärung geprägte. Wenn heutzutage Wölfe sterben, dann meist beim Überqueren von Fahrbahnen. Wer jedoch auch einen Blick zurück riskieren will, sei es als Jäger, Naturliebhaber oder an geschichtlichen Ereignissen Interessierter, kann mit der Lektüre des Buches eigentlich nicht so viel verkehrt machen. Der Band kostet 16,90 Euro und ist im Ibidem-Verlag erschienen.
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