Die Linien von Nazca (Peru) – Maria Reiche & ihre Botschaften im Sand
Endlos zieht sich die Panamerica durch die Küstenwüste Perus. Eine menschenfeindliche Region, in der auch heute noch Wasser Mangelware ist. Was aber zieht Menschen in diese Gegend? Erst auf dem zweiten Blick eröffnet sich eine kulturgeschichtliche Besonderheit: die Nazca Linien.
Wir waren dort und haben diese außergewöhnlichen Zeichnungen, deren Entstehungsgeschichte noch immer ein wenig im Dunkeln liegt, angeschaut. Und das auf eine ebenso außergewöhnliche Weise. Nämlich aus einem kleinen Flugzeug. Diesen Flug werde ich niemals vergessen. Nie hat ein Pilot meinen Magen so „in Aufruhr versetzt“ wie hier …
=========================
Maria Reiche-Grosse wird am 15. Mai 1903 als erstes Kind des Amtsgerichtsrates Dr. Felix Reiche-Grosse und seiner Frau Elisabeth in Dresden geboren. Dort geht sie auch in die Städtische Studienanstalt in der Weintraubenstraße, das heutige Romain-Rolland-Gymansium. "Meine alten Lehrer würden es mir im Himmel niemals verzeihen, wenn ich diese Zeit vergessen würde. Das Ergebnis meiner heutigen Arbeit stammt aus dieser Grundlage der Erziehung...“. So wird Maria Reiche oft zitiert. Sie studiert und legt später die höhere Lehramtsprüfung in den Fächern Mathematik, Physik, Philosophie, Pädagogik und Geografie ab (1928). In Deutschland hält der Nationalsozialismus Einzug; für Maria Reiche der Grund, als Hauslehrerin in die Dienste des deutschen Konsuls in Cuzco zu treten (1932).
Sie trifft in Lima auf den Amerikaner Dr. Kosok, einem Spezialisten für antike Bewässerungssysteme und macht nun für ihn die Übersetzungen seiner englischen Artikel ins Spanische. Es war dann im Dezember 1941, als Maria Reiche das erste Mal nach Nazca reist, um die seltsamen, schurgeraden, linienförmigen Vertiefungen in der Wüste anzusehen, die Kosok dort sah. Doch erst 1946 kann sie mit ihrer Forschungsarbeit in der Wüste von Nazca beginnen.
Schon viele Jahrhunderte vor der Blütezeit der Inkas verstanden es die Menschen, in dieser trockenen Gegend blühende Flussufer zu schaffen. So entstand auf 500 Quadratkilometer Geröllboden ein Netz von schnurgeraden, bis zu zwölf Kilometer langen Linien und dreieckigen bzw. trapezoiden Flächen aus - dazwischen Zeichnungen, die Tiere, Menschen oder Pflanzen darstellen. Nur aus dem Flugzeug lassen sich diese einzigartigen Zeichungen erkennen. Zeichnungen, die seit 1995 zum Weltkulturerbe der UNESO gehören.
Die Küstenwüste besteht aus einer Oberfläche aus rotem oxidierten Geröll und durch Einritzen wird der der hellgelbe Untergrund freigelegt. So werden die Linien und Figuren sichtbar. Diese Entstehungsgeschichte ist wissenschaftlich untermauert. Doch der Sinn dieser von Menschen geschaffenen Zeichnungen und ihre genaue Entstehungszeit lässt die Wissenschaft immer noch rätseln. Viele Wissenschaftler zweifeln die Auslegungen der Untersuchungsergebnisse von und durch Maria Reiche an. Ist es vielleicht ein astronomisches Observatorium? Sind es sakrale Orte? Oder handelt es sich um Landebahnen Außerirdischer, wie Erich von Däniken vermutet?
Maria Reiche lässt sich von all dem nicht beirren. Täglich fährt sie von Nazca hinaus in die Wüste; sucht und findet immer neue Zeichnungen. Vermisst diese mit Maßband, Sextant und Kompass, sowie auch mit dem Theodoliten. Sie untersucht sie alles unter astronomischen Gesichtspunkten. Oft übernachtet sie mitten in der menschenfeindlichen Wüste. Sie verbringt mit ihren Studien über 40 Jahre; Hilfe bekommt sie durch die peruanischen Luftwaffe, die ihr mehrere Flüge über die Zeichnungen ermöglicht, wobei wertvolle Luftbilder enstehen.
Nazca ist heute eine Kleinstadt mit ca. 23.000 Einwohnern und dank der Linien ein vielbesuchter Ort. Zu Beginn der Forschungsarbeiten lachte man Maria Reiche aus, weil sie „die Wüste fegte“. Doch nach und nach erkennt man auch in Nazca die außergewöhnlichen Forschungsergebnisse an; der
Doctora Reiche wird die peruanische Staatsanehörigkeit ehrenhalber verliehen, weil sie ihre deutsche Staatsangehörigkeit nicht aufgegeben hat. Ihr ist es auch zu verdanken, dass 1955 der Bau eines Bewasserungssystems in diesem Teil der Wüste verhindert wurde.
ISBN Nr. 978-3894051037
ISBN Nr. 978-3898122986
Die Welt erfährt 1968 durch ihr Buch "Geheimnis der Wüste" von ihrer Forschungsarbeit. Das Buch wurde damals in deutsch, englisch und spanisch herausgegeben. Sie kämpft unermütlich um den Erhalt der Zeichnungen; Sie lässt einen Aussichtsturm an der Panamericana errichten, von dem einige Figuren und Linien zu sehen sind.
Maria Reiche erhält fünfmal die Ehrendoktorwürde und die höchsten Auszeichnungen in Peru sowie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland.
In Peru lernt heute jedes Schulkind diese Maria Reiche kennen, die am 6. Juni 1998 in Lima starb.
=======================
Nun noch etwas in eigener Sache:
Während unseres Urlaubs in Peru haben wir nicht nur auf diese spektakuläre Weise die Nazca Linie angeschaut; sondern haben in Arequipa ein Erdbeben mit einem Wert von 7,8 auf der Richterskala erlebt; sind über den Titicaca See geschippert; haben riesige Schwärme von Aras im Regenwald gesehen. Mein besonderes Highlight war das Geschenk, das ich mir zu meinem 50sten Geburtstag gemacht haben: Ich habe morgens früh zum Sonnenaufgang am Sonnentor gestanden und nach dem Inka Trail einen traumhaften Blick auf Machu Piccu genießen dürfen.
Na, neugierig geworden? Dann gibt es hier noch mehr zu lesen:
http://www.kuris-world.com/peru.html
Themen zum Beitrag
Liebe Uta, Du hast mich neugierig gemacht! Werde hoffentlich bald in aller Ruhe auch Deinem Link folgen!
LG.: Franz-Ludwig
Nein, das nicht - liebe Monika. Aber wir sind mit Michael außer in Peru auch in Indien, Malaysia und Tansania gewesen.
Aber Du hast recht; der Himalaya ist sein Spezialgebiet.
@ an Alle,
es ist bekannt, dass die Wissenschaft sehr unterschiedliche Meinungen zu den Forschungsergebnissen von Maria Reiche hat.
Und die Fragen von Jürgen, die er in Bild Nr. 2 aufgeworfen hat, sind sicher verständlich.
Aber diese Zeichnungen sind nun mal Realität; es ist nachgewiesen, dass sie vor gut 1000 Jahren entstanden sind. Vieles in der Geschichte der Menschheit liegt im Dunkel und die Linien und Zeichnungen von Nazca sind eines der letzten großen Geheimnisse unserer Menschheit.
Wer sich mehr mit Maria Reiche und ihren Forschungen beschäftigen möchte, dem empfehle ich folgende Websites:
http://www.maria-reiche.de/index.html
und
http://www.htw-dresden.de/nazca/maria01.htm
"Die Figuren in der Wüste wurden gezeichnet, um von oben betrachtet zu werden." Dieses Zitat von Maria Reiche lässt viele Auslegungen zu ...
Gruß Uta
Hallo Uta,
danke für die Auffrischung meiner eigenen Erinnerungen.
Ich war von den Linien auch fasziniert und auf dem Rundflug habe ich schöne Aufnahmen (Dias) machen können.
LG Horst
Ein wirklich spannender und informativer Bericht. Habe noch nie davon gehört. Was mich interessiert: Wie bleiben denn diese Zeichnungen, Linien erhalten? Werden sie denn nicht zugeweht bzw. abgetragen durch die Wetterbedingungen?
LG Brunhild
Danke Uta, es kommt gut rüber, wie sehr Dich dies Alles beeindruckt hat.
Seit Dänicken wissen wir von diesen Kunstwerken und ich finde es besonders gut, dass Du nicht versuchst, irgendwelche Interpretationen zu bringen. Dein begeisterter Bericht begeistert. Danke auch für die Links.
@ Brunhild,
die Oberfläche des Bodens besteht aus rotbraunem Steingeröll und wenige Zentimeter darunter befinden sich helle Sedimente eines Meeresbodens (Ton, Sand und Gips). Durch Wegkratzen der Oberschicht entstanden so die Zeichungen, die man der Nazca-Zeit von etwa 200 v.Chr. bis 800 n.Chr. zuschreibt.
Maria Reiche hat während ihrer Forschungszeit Zeichnung für Zeichnung freigefegt. Die extreme Trockenheit dieser Wüste sorgt dafür, dass die Linien nicht durch klimatische Einflüsse (wie z.B. Regen) zerstört werden.
Ein außergewöhnlicher Bericht. Da ich mich sehr für alles prähistorische interessiere, habe ich die Geschichte mehrfach gelesen. Ich schreibe demnächst einen Beitrag über einen Weltenbummler, der auch die Zeichen in Peru beobachtet hat. Mein Kompliment.
Mich fasziniert es, zu wissen, dass lang vor unserer technologischen Zeit Menschen in der Lage waren, großartiges zu bauen oder auch solche Spuren zu legen. Ich bin davon überzeugt, dass es noch viele Dinge auf Erden gibt, die wir noch nicht entschlüsselt haben.
Ein super Bericht Uta.
Ja, der Bericht ist wirklich sehr außergewöhnlich - und sehr interessant. Gestehe aber, dass ich ihn mir ausgedruckt habe, um ihn in aller Ruhe lesen zu können - so auf der Couch zum Beispiel! Was Du schon für super Reisen mit Hubert gemacht hast. Unglaublich. Ein gaaaanz klein wenig durfte ich davon ja schon sehen - freue mich auf den nächsten Teil!
Ein super toller Bericht. Ich kann mich noch sehr gut an Deine Begeisterung erinnern. Die Karte aus diesem Urlaub habe ich immer noch.
@ an Alle !!!
Ich möchte nun der "Aufforderung" von Petra nachkommen. Hier ist der Link zu einem weiteren Beitrag über Nazca:
http://www.myheimat.de/uetze/beitrag/67775/nazca-k...

Viel Spaß beim Lesen & schönes Fernweh !!!
Danke für diesen schönen und sehr informativen Bericht und dass Du uns auf diese Reise in die Ferne mitgenommen hast.
Den weiteren Bericht schaue ich mir jetzt auch und ich hoffe, Du bringst uns noch ganz viel von weiteren Reisen mit.
Sehr gut recherchierter Reisebericht! Danke!
Es wird auch vermutet, dass die Urbevölkerung es bereits verstand, mit einem Heißluftballon zu fahren.
Skizzen auf Tongefäßen aus dieser Zeit erhärten die Vermutung.
In den 70ern hat ein Forscherteam so einen Ballon aus Materialen, die es zur Entstehungszeit der Linien gab, nachgebaut und ist erfolgreich damit gefahren.



Hallo Monika,
so klein ist die Welt !!!
Wir sind und waren von den Reisevorschlägen und -planungen von Michael hellauf begeistert und Peru war nur eines der Länder, die wir über ihn gebucht haben.
Gruß Uta
PS:
Es gibt jedes Jahr ein Treffen in Friedensdorf; vielleicht sehen wir uns tatsächlich einmal ...