Freude! Freude! Freude?

Ein bunt bemaltes Flugzeug kreist flügelschwenkend über einer begeisterten Menschenmenge, deren Jubel vielleicht noch zu steigern wäre, wenn die Weltsiegermannschaft auf den Tragflächen sitzen und Jogi Löw auf dem Bug thronen würde.
Wohlverdienter Applaus auf dem Weg durch die Stadt, misslungener Versuch einer Performance der völlig ausgepowerten Nationalspieler, deren Können auf dem Fußballfeld nicht ihrem tänzerischen Vermögen entspricht; wäre dem so, müsste eine unterste Liga neu erfunden werden.
Das Volk jubelt, die Presse auch. Und wittert sofort eine Geschichte, die wohl den Aufreißer des Aufreißers darstellen soll. Den Rest besorgen Twitter & Company.

Sie wittern Rassismus, Faschismus. Vergleich mit braunen Zeiten. Gauchogate.

Wenige machen sich Gedanken, welche Männer sich vor ihnen gebaren. Völlig ausgelaugt nach Wochen höchster Anstrengung, die mit einem kleinen bisschen Glück den verdienten Titel brachte.

Kaum jemand scheint darüber nachzudenken, welch psychologischem Druck Menschen beim Anblick mehrerer hunderttausend Menschen ausgesetzt sind, die nach mehr lechzen und dann das geboten bekommen, was noch möglich ist. Irgendwann muss das schiefgehen.

Diese Geschichte wird sehr bald eine von gestern sein. Jogi wird glaubhaft beteuern, dass das nicht böse gemeint war. Die Südamerikaner werden nach dem Wundenlecken ob der verlorenen Meisterschaft und der damit verlorenen Ehre wieder zum Alltag zurückkehren, der in Brasilien einige Luxusstadien zurücklässt, für die niemand Verwendung hat. Und der Alltag wird von dem bestimmt sein, was bereits vor der Weltmeisterschaft den Alltag sehr vieler Brasilianer bestimmte: Armut.

Zur gleichen Zeit muss die FIFA Sonderschichten fahren, um die immensen Einnahmen zu zählen. Sie muss dafür sorgen, dass die übernächsten Spiele in Katar noch prächtiger werden und noch mehr Einnahmen bringen. Und verschleiern, dass sie natürlich nicht durch sklavenartige Ausbeutung der dort arbeitenden Menschen erst ermöglicht werden.

Während wir uns aufregen oder auch nicht aufregen, sterben Menschen in Palästina, Israel, in der Ukraine und an vielen anderen Plätzen auf dieser an und für sich schönen Erde eines gewaltsamen Todes.

Es wäre schön, wenn die Begeisterung über die vergangenen Wochen in eine kritische Betrachtung unserer Situation übergehen würde. So mancher Krieg und so manches Unrecht ließen sich mit dieser Energie dann vielleicht vermeiden oder lindern.


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