Im Dorfladen gibt es auch das Lebensmittel Menschlichkeit - Nähe sticht Größe

von links: Hermann Schmidt, Bürgermeister der Gemeinde Amerdingen; Helga Hörmann, Ladenleitung Dorfladen Jedesheim; Gerlinde Augustin, Geschäftsführerin der Schule der Dorf-und Landentwicklung Thierhaupten; Wolfgang Gröll, Berater im Einzelhandel
 
von links: Hermann Schmidt, Bürgermeister der Gemeinde Amerdingen; Helga Hörmann, Ladenleitung Dorfladen Jedesheim; Gerlinde Augustin, Geschäftsführerin der Schule der Dorf-und Landentwicklung Thierhaupten; Wolfgang Gröll, Berater im Einzelhandel
Thierhaupten: Schule der Dorf-und Landentwicklung | Seminar zur Gründung eines Dorfladens in der Schule der Dorf- und Landentwicklung Thierhaupten (SDL)

Der Strukturwandel im Einzelhandel ist derzeit noch nicht abgeschlossen, so Geschäftsführerin der SDL Thierhaupten Gerlinde Augustin. Während kleine Läden schließen, entstehen nach wie vor Discounter auf der grünen Wiese. Orte mit weniger als 2000 Einwohnern haben oft keinen eigenen Laden mehr. Dieser Entwicklung gilt es aktiv gegenzusteuern, zumal Dorfläden in einer Kommune viele wichtige Funktionen übernehmen und einen maßgeblichen Beitrag zur Lebensqualität aller Generationen leisten. Welche Voraussetzungen bei der Gründung eines Dorfladens notwendig sind lernten die Teilnehmer im Seminar „Tante Emma ist wieder da“.

Bürgermeister und interessierte Bürger konnten sich hier informieren, Erfahrungen austauschen und sich Impulse und Motivation für ihre Projekte holen.


Dorfläden bewegen Bürger

Der Praxisbericht von Ladenleiterin und Referentin Helga Hörmann aus Jedesheim, Landkreis Neu-Ulm, Stadt Illertissen, zeigte schnell, dass mit einem Dorfladen mehr zusammenhängt als nur die Vor-Ort-Versorgung. Denn dadurch, dass sich die Bürger im wahrsten Sinne des Wortes im Dorf wieder bewegen, entsteht auch im übertragenen Sinne eine Bürgerbewegung, so formulierte Frau Hörmann. „Die Initiative von Bürgern für Bürger schafft einen neuen Lebensmittelpunkt und sorgt für Leben und Lebensmittel im Dorf“, resümierte Helga Hörmann.
Der Jedesheimer Dorfladen existiert bereits seit 14 Jahren. Helga Hörmann‘s Erfahrungen sind: „Nie darf man sich auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern der „Lebensmittelpunkt“ muss sich ständig in Sortiment, Angebot und Gestaltung weiterentwickeln.“ Das ehrenamtliche Engagement ist hierbei ebenso wichtig wie regelmäßige Präsenz in den regionalen Medien.

Ein Dorfladen ist kein Selbstläufer. Er muss preislich Schritt halten mit den umliegenden Discountern. Die Rentabilität darf jedoch nicht der Hauptgrund zur Eröffnung eines Dorfladens sein, betonte Bürgermeister Hermann Schmidt aus der Gemeinde Amerdingen, Landkreis Donau-Ries. Vielmehr sieht er diesen als Begegnungsstätte für Bürgerinnen und Bürger aller Altersstufen und als Schlüssel für eine nachhaltige Gemeindeentwicklung. „Eine starke Dorfgemeinschaft brauchen wir aktuell auch zur Lösung anderer Probleme“, meinte der Bürgermeister.
Ein eigenes Profil mit abgestimmter Vermarktungsstrategie sowie Kreativität und Engagement in Service und Angebot sind die Schlüssel zum Erfolg eines Dorfladens. Eröffnung und Leitung des Geschäfts erfordern Mut, Hartnäckigkeit und die Passion, die Lebensqualität im Ort verbessern zu wollen.


Renaissance der Nahversorgung

Die hohe Discountdichte in Deutschland muss bei der Akzeptanz eines Dorfladens nicht unbedingt ein Hindernis darstellen, ermutigte Wolfgang Gröll, freier Dozent und Berater im Einzelhandel. Der Trend im Einzelhandel geht derzeit hin zur Regionalisierung, da Kunden vermehrt bewusst, gesundheitsbetont und herkunftsorientiert einkaufen. Hier liegt u.a. auch eine wichtige Stärke von Dorfläden.

Ein Dorfladen muss von der Bevölkerung gewünscht werden. Erst dann geht es an die Klärung von Details wie Standort oder Betreiberform. Fachleute empfehlen die kombinierte Verwaltungsstruktur von Unternehmergesellschaft & Still („Bürgergemeinschaft“).

Das Gute liegt so nah

Während frühe Dorfläden wie kleine Supermärkte mit Zusatzfunktion betrieben wurden, stehen inzwischen Regionalität und Wertschöpfung im Vordergrund. Wolfgang Gröll empfiehlt eine strategische Preisgestaltung. Zucker, Butter und Mehl sollten günstig verkauft werden, was Vorurteile der Kunden abbaut. Bei regionalen Produkten ist der Kunde durchaus bereit einen angemessenen Preis zu zahlen. Jeder Dorfladen braucht ein eigenes Profil sowie individuelle Akzente in der Ladengestaltung. Dadurch entsteht ein Einkaufserlebnis, das die Kundenbindung stärkt. Authentizität schafft Vertrauen und die Herzlichkeit des Personals im Umgang mit den Kunden ist dabei das A und O.

Weitere Infos unter www.sdl-inform.de

Gerlinde Augustin
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