Dankbar, obwohl sein eigenes Leben zerstört ist

Bei einem Besuch in Thierhaupten bedankte sich Georg Karmann bei Thierhauptens Feuerwehrkommandanten Thomas Hauser (rechts) für den Einsatz der Thierhauptener Wehr.
 
Bei einem Besuch in Thierhaupten bedankte sich Georg Karmann bei Thierhauptens Feuerwehrkommandanten Thomas Hauser (rechts) für den Einsatz der Thierhauptener Wehr.
Thierhaupten: Feuerwehr | Schicksal Georg Karmann aus Lechsend überlebte einen schweren Verkehrsunfall und zeigt tiefe Dankbarkeit gegenüber denen Menschen, die ihm das Leben gerettet haben

Von Claus Braun

Thierhaupten/Lechsend. Auf sozialem und ehrenamtlichem Engagement fußt unsere Gesellschaft, jedoch finden sich immer weniger Menschen, die bereit sind, sich für andere einzusetzen und sich einbringen. Gescheut werden eine hohe Verantwortung, Zeitverlust und auch eine zu geringe Wertschätzung und Dankbarkeit. Dass es auch anders geht, zeigen die nachfolgenden Zeilen:

Donnerstag, 4. Juli 2013, der Tag, der das Leben von Georg Karmann von einer Sekunde auf die andere verändern sollte! Er macht sich mit seinem gelben Auto von seinem Wohnort in Lechsend, dort, wo der Lech so natur-idyllisch in die Donau fließt und sein Ende findet, auf über Rain in Richtung Thierhaupten, um im Klinikum Augsburg einen Onkel zu besuchen. Dort wird er auch ankommen, jedoch schwerst verletzt, Tage um sein Leben ringend. Auf kerzenebener Straße, kurz vor dem Kreisverkehr nördlich von Thierhaupten kollidiert er auf Höhe des Festplatzes mit dem Pkw einer jungen Frau, die aus bislang ungeklärten Gründen, jedoch zweifelsfrei, auf die Seite fährt, wo Karmann mit den vorgeschriebenen 80 Stundenkilometern unterwegs ist.

Derselbe Tag, um 9.10 Uhr: Die Leitstelle alarmiert die Freiwillige Feuerwehr Thierhaupten per Fax, dass sich ein Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen ereignet hat. Erster Kommandant Thomas Hauser, der an diesem Tag zufällig Urlaub hat, und weitere Feuerwehrler lassen nach dem Sirenenalarm alles liegen und stehen und machen sich blitzschnell auf den Weg ins Feuerwehrhaus. Zusammen mit 18 Mann und zwei Einsatzfahrzeugen erreicht Hauser nur sieben Minuten später den Unfallort. Auch die Feuerwehrkameraden aus dem benachbarten Baar treffen wenig später ein. Fast automatisiert, in hunderten Übungseinheiten erprobt, sichern die Feuerwehrleute, die meist von ihrem Arbeitsplatz weggerufen wurden, die Unfallstelle, richten schweres Bergungsgerät her und sind auch darauf eingestellt, Unfallopfer mit Spreize und Schere aus ihren demolierten Autos zu befreien. Der 50jährige Karmann ist bewusstlos und kann aus seinem auf der Fahrerseite schwer eingedrückten Pkw zum Glück relativ problemlos befreit werden. Die Feuerwehrler prüfen die Vitalfunktionen und legen Karmann auf die Krankentrage. Wenig später übernimmt der herbeigeilte Notarzt die Versorgung von Georg Karmann, ebenso das zweite Unfallopfer, was beim Zusammenstoß nur leicht verletzt wird.
Nachdem beide Unfallbeteiligten mit dem Krankenwagen abtransportiert werden, können die Feuerwehren jedoch noch nicht gleich die Unfallstelle reinigen. Nachdem aufgrund der Verletzungen von Georg Karmann laut Polizei „mit dem Ableben zu rechnen sei“, musste auf das Eintreffen des Gutachters gewartet werden.
Nach dessen Arbeit und den letzten Tätigkeiten am Unfallort, ging es für die Feuerwehrleute zurück ins Feuerwehrhaus, wo nach dem Reinigen des Fahrzeugs und der benötigten Einsatzgeräte auch ein Zusammensein im Gruppenraum angesagt war. Thomas Hauser: „Dies ist unabdingbar, da die gemeinsamen Gespräche dabei helfen, Erlebtes besser zu verarbeiten.

Für Georg Karmann beginnt nach dem Unfall die schwerste Zeit seines Lebens. Nach sechs Tagen im Komma müssen ihn die Ärzte im Klinikum Augsburg „zurückholen“, um weitere Funktionen überprüfen zu können. Insgesamt liegt er drei Wochen auf intensiv, ringt um sein Leben. Nach weiteren fünf Wochen im Klinikum darf er für 14 Tage nach Hause und kommt danach für sechs Wochen in die Fachklinik nach Ichenhausen und durchlebt dort eine intensive Reha. Hier wird auch klar, dass Georg Karmann aufgrund bleibender Dauerschäden, die seine linke Körperhälfte vom Fuß bis zum Auge betreffen, niemals mehr wird arbeiten können. „In meinem Körper ist so viel Metall, dass ich bei einem Gewitter in den Keller gehen muss“, sagt Karmann, der beim Gespräch mit dem Verfasser dieses Artikels immer wieder von tiefem Schmerz gezeichnet ist und in Tränen ausbricht.

Für Georg Karmann hat sich seit dem Unfall alles geändert: vorbei ist die Zeit, wo er als Hausmeister gerne im Landratsamt und des St. Elisabeth Geriatrie-Zentrums in Neuburg arbeiten hat können. Vorbei ist auch das unbeschwerte Familienleben mit Ehefrau Claudia und den zwei Kindern Julia und Markus. Vorbei auch sein selbstloser Einsatz seit seinem 16. Lebensjahr als aktiver Feuerwehrler in Lechsend, wo er Ende der 90ger Jahre als gelernter Maurer beim Bau des Feuerwehrhauses ein gerngesehener Helfer war oder bei der Kollision eines Privatflugzeuges mit einem Segelflugzeug im August 2003 über Marxheim mit sechs Toten mit ausgerückt ist.

Georg Karmann weiß, dass er trotz seines Unglücks auch noch Glück gehabt hat. Nach den Worten des Notzarztes Dr. Wintersfeld hatte er Glück, so schnell aus dem Unfallauto geborgen zu werden, eine so schnelle Erstversorgung gehabt zu haben und so schnell auf dem OP-Tisch im Klinikum gelegen zu haben. „Die Feuerwehrler in Thierhaupten haben mir mein Leben gerettet und die Ärzte das Beste für mich getan“, sagt Karmann. Seine Frau Claudia ergänzt: „Viele haben Großes geleistet!“
Deshalb hat sich Karmann bereits beim Kommandanten Thomas Hauser bedankt, der dies auch auf der Jahreshauptversammlung so an seine Feuerwehr-Kameraden weitergeleitet hat. In ein paar Monaten will Georg Karmann zum Sommerfest der Feuerwehr wieder nach Thierhaupten kommen: „Ich habe den inneren Antrieb allen beteiligten Feuerwehrkameraden persönlich die Hand zu schütteln und Danke zu sagen!“

Kommandant Thomas Hauser zeigt sich gerührt: „Das Verhalten von Georg Karmann ist absolut selten anzutreffen und bedeutet für mich und meine Kammeraden absolute Wertschätzung. Genau das ist es, was unseren Dienst an der Allgemeinheit so wertvoll macht!“
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