Im Stadtallendorfer Hallenbad - zum letzten Mal

Das Hallenbad von Stadtallendorf (17.11.2011)
 
Blick von der Südseite (05.11.2011)
 
Blick von der Südseite (17.11.2011)
Stadtallendorf: Hallenbad Stadtallendorf |

Am 31.5.2014 war das Hallenbad von Stadtallendorf zum letzten Mal für die Öffentlichkeit geöffnet. Das war eine gute Gelegenheit, noch einmal einen genauen Blick auf die Schwimmanlage zu werfen.

Das Hallenbad entstand im Jahre 1975 auf der grünen Wiese inmitten der Stadt. Zu diesem Zeitpunkt war das Gebiet zwischen Main-Weser-Bahn und Bahnhofsstraße nur an den umgebenden Straßen bebaut. Dort sollte das Zentrum der jungen Stadt errichtet werden mit Hallenbad, Gemeinschaftszentrum, Einkaufsmöglichkeiten, Sporthalle und Wohnbebauung. Das Hallenbad war das erste Gebäude der neuen Stadtmitte. Die Anfahrt erfolgte von Norden aus, da es weder die südlich gelegenen Parkplätze noch die Straße des 17. Juni (der damals Feiertag war) gab.

Badegäste mussten im Hallenbad wie auch im Freibad eine Badekappe tragen, wobei es auch einfache Überzieher aus Plastikfolie im Schwimmbad zu kaufen gab, die man als Ersatz nutzen konnte, wenn man keine richtige Badkappe aus Stoff oder Gummi dabei hatte. Anders als im Freibad war die Badezeit anfangs begrenzt. Beim Betreten wurde die Hallenbadkarte mit einem Zeitstempel versehen. Beim Verlassen wurde die Karte wegen der Einhaltung der Badezeit kontrolliert. Es gab Zehnerkarten, bei denen die Uhrzeiten nach und nach in die vorgesehenen Zeilen gestempelt wurden.

Das Hallenbad verfügte über sechs Umkleidebereiche. Vier wurden für den regulären Badebetrieb genutzt und waren getrennt nach Jungen, Herren, Damen und Mädchen. Dazu kamen im hinteren Teil zwei Gemeinschaftsumkleiden, die für den Schul- und Schwimmsport gedacht waren. Die Umkleidebereiche konnten durch unterschiedliche Farbschema an den Schildern und auch den Türen unterschieden werden. Der Besucher erhielt an der Kasse einen Schlüssel für einen der Spinde in dem vorgesehenen Umkleidebereich. Die Schlüsselausgabe wurde später durch Umbau der Schränke wegrationalisiert. Nun steckten die Schlüssel in den freien Schränken. Nach Einwurf einer Pfandmünze (2 DM) auf der Innenseite konnte der Schlüssel abgezogen werden. Die Pfandmünze wurde beim Aufschließen wieder freigegeben. Nach der Währungsumstellung wurden die Schlösser aber nicht für die neuen Münzen angepasst. Stattdessen wurden spezielle Pfandmünzen an die Besucher ausgegeben.

Der Besucher ging üblicherweise vom Gang aus in eine freie Umkleidekabine. Die Umkleidekabinen hatten Türen auf den gegenüberliegenden Seiten, die gemeinsam über einen Hebel verriegelt wurden. Eine Ausnahme bildeten lediglich die Behindertenkabinen, welche größer waren und die beiden Türen nicht gegenüber liegend hatten. Hier musste der Nutzer darauf achten, beide Türen zu verriegeln beziehungsweise freizugeben.

Im Duschraum gab es für Behinderte eine spezielle Dusche. Bei der Dusche hing ein Seil herunter, das aber nicht wie bei altertümlichen Klospülungen zum Auslösen des Wasserflusses, sondern zur Anforderung von Hilfe diente. Außerdem hatte diese Dusche einmal einen drehbaren Duschkopf gehabt, mit dem man bei enstrechender Positionierung die Wasserstrahlen quer durch die Nachbarduschen spritzen lassen konnte.

In der Schwimmhalle befanden sich mehrere Duschen an der Innenwand. Diese Duschen unterschieden sich von den Duschen im Duschraum dadurch, dass man das Wasser nach Belieben an- oder aufdrehen konnte. Die anderen Duschen hingegen waren mit einem Drücker ausgestattet, der das Wasser für eine gewisse Zeit laufen lässt und dann abstellt. Wer nicht nur kurz duschen möchte, muss also regelmäßig den Drücker betätigen. Bei den Duschen am Beckenrand hingegen war das nicht nötig, und es kam außerdem deutlich mehr Wasser aus dem sehr breiten Duschkopf heraus. Das war optimal, um sich nach dem Schwimmen unter der Dusche aufzuwärmen, aber nicht gut für die Betriebskosten. So wurden schließlich die Griffe zum Aufdrehen des warmen Wasses entfernt, so dass man nur noch kalt duschen konnte, und auch die Duschköpfe wurden später noch getauscht.

Das Hallenbad enthielt früher ein Solarium. Die Liegen zur Lichtbestrahlung befanden sich in einem abgetrennten Raum beim Nichtschwimmerbecken, weswegen der Nichtschwimmerbereich im Vergleich zum restlichen Bad etwas düster war. Nach außen hin verhinderten milchige Scheiben den Einblick in den Raum. Die Nutzung des Solariums war nicht im Preis inbegriffen. Es wurde später aufgegeben. Zuletzt wurde der Raum zum Abstellen von Zubehör wie etwa Schwimmbrettern benutzt.

Das Hallenbad wurde im Laufe der Zeit durch verschiedene Dekorationselemente verschönert. Dazu gehörten eine Art gelber Krake und eine Sonne sowie Felsen beim Babybecken, an der Wand hinter dem Nichtschwimmerbecken angebrachte Segel, echte und unechte Pflanzen, Liegestühle und Dekoration an den Fenstern.
Zur Aufwertung wurden außerdem am Rand des Hauptbeckens eine Wasserstrahldüse und ein Teil, aus dem ein breiter Wasserstrahl herauskam, eingebaut. Das Babybecken erhielt einen Badepilz mit Rutsche. Der Schwimmverein installierte Uhren und eine Anzeigetafel.

Im Laufe der Zeit gab es natürlich auch Veränderungen in der Technik. In der Bademeisterkabine befand sich früher ein größeres Bedienpult mit vielen großen Schaltern und Lämpchen. Im Kassenhäuschen befand sich aber wahrscheinlich auch zur Schließung noch das originale Schaltpult.

Zum Hallenbad gehörte auch eine Gaststätte, welche sich rechts vom Eingang befand und nur durch eine Glasfront vom Badebereich getrennt war. Dadurch hatte man einen schönen Ausblick auf die Sprunganlage. Ein kleiner Raum war abgetrennt für Badegäste, die direkt aus dem Badebereich in die Gaststätte kommen konnten.
Am Eingang zur Gaststätte standen mit der Zeit wechselnde Spielautomaten, an denen man Videospiele wie etwa "Space Invaders" spielen konnte. Einmal stand auch ein elektromechanischer Spielautomat da, bei dem man eine kleine Rakete über ein quadratisches Spielfeld steuern musste. Das Ziel bestand darin, am Rand aufleuchtende Schalter rechtzeitig anzusteuern und zu drücken.

Ein Schwachpunkt des Hallenbads waren die doppelt verglasten Fenster, von denen einige im Laufe der Zeit zwischen den Scheiben angelaufen waren.

Zahlreiche Badegäste haben das Hallenbad in den fast vierzig Jahren seines Bestehens genutzt. Es wurde für den normalen Badebetrieb, Schulsport und das Training der TSV-Schwimmabteilung genutzt. Zahlreiche Schwimmwettkämpfe wurden an Wochenenden ausgetragen. In der Vorweihnachtszeit ist der Nikolaus im Schlauchboot übers Becken gefahren, um Süßigkeiten zu verteilen. Bei den Badeparties sei insbesondere das Halloween-Schwimmen erwähnt, wo durch gruselige Dekoration für eine schaurige Partystimmung gesorgt wurde.
Durch den Abriss des Hallenbads müssen die Einwohner von Stadtallendorf und der Umgebung auf diese zahlreichen Angebote verzichten, bis endlich auf der alten Grundkonstruktion ein neues Bad aufgebaut worden ist. Das wird ein völlig anderes Erscheinungsbild als sein Vorgänger haben. Die folgenden Bilder sollen daran erinnern, wie schön Baden im ersten Hallenbad von Stadtallendorf war. Als die letzten Schwimmer durch die Becken zogen, waren außen übrigens schon die Bagger im Einsatz und hatten das Hallenbad schon teilweise ausgegraben.

Am 20.11.2011 gab es übrigens auch schon einen Aktionstag im Hallenbad, bei dem die Besucher über die mögliche Zukunft ihres Schwimmbads informiert wurden. Zu diesem Zeitpunkt waren aber noch mehrere Planungsvarianten offen - neben der Sanierung auf dem bestehenden Standort war auch ein Neubau auf dem Freibadgelände in der Diskussion.

Bilder von Sören-Helge und Leif-Erik Zaschke (Innenaufnahmen vorwiegend vom 31.5.2014, teilweise auch vom 20.11.2011, Außenaufnahmen unterschiedliche Aufnahmedaten)

Links
Abschiedsfeier zur Hallenbad-Schließung
Blick ins Wasser
Halloween-Badeparty (2013)
Aktionstag im Hallenbad (2011)
Die Technik des Hallenbads (2011)
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