Kariesprophylaxe greift: Sozial Schwache aber weiter Risikogruppe

Gruppenprophylaxe in Kindergärten zeigt Wirkung (Foto: Intiative proDente e.V. Köln)
 
Gemeinsam gegen Karies kämpfen (Foto: initiative proDente e.V. Köln)

Hessisches Bündnis der Heilberufe macht auf Handlungsbedarf
aufmerksam


Frankfurt, 02. April 2015. Wer kleine Kinder hat, geht mit ihnen regelmäßig zum Kinderarzt. Die Entscheidung hierüber ist sogar gesetzlich geregelt. Das „Gelbe“ ärztliche Kinderuntersuchungsheft dient als Nachweisdokument, die Aufforderung zur Terminvereinbarung kommt als amtliches Schreiben ins Haus. Dies gilt noch nicht für alle Bereiche der kindlichen Gesundheit. Die Vorsorge für die
Mundgesundheit bleibt außen vor, obwohl die frühkindliche Karies an den Milchzähnen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Klein- und Vorschulkindern zählt.

Beim Nachwuchs in Hessen sprechen die Zahlen aktueller Querschnittsuntersuchungen eine klare Sprache: Aufgrund der Individual- und Gruppenprophylaxe in Krippen und Kitas haben zwei Drittel der Kindergartenkinder im Alter von fünf Jahren ein naturgesundes Gebiss; 25 Prozent zeigen Behandlungsbedarf und etwa 12 Prozent müssen aufgrund ihres Mundgesundheitszustands als Karies-Risikogruppe eingestuft werden. Diese Verteilung durchzieht mit geringen prozentualen Abweichungen alle Altersgruppen.

Das Bündnis Heilen & Helfen macht am Beispiel der Kinder und Jugendlichen aus sozial schwächeren Familien auf den verbleibenden Handlungsbedarf bei der
Kariesbekämpfung aufmerksam.

„Auch wenn wir in Deutschland im Kampf gegen Karies durch Aufklärung und Vor- sorge sehr viel erreicht haben und im internationalen Vergleich ganz klar einen Platz an der Spitze des Feldes behaupten, sind wir uns dennoch bewusst, dass der Erfolg unserer Maßnahmen noch immer an einem Teil der Kinder und Jugendlichen vorbei geht. Gerade sozial schwächer gestellte Familien sowie Familien mit Migrationshintergrund sind betroffen. 10 bis 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen tragen, je nach Altersgruppe, zwischen sechzig und achtzig Prozent der Karieslast. Diese Zahlen formulieren eine ganz klare Aufgabenstellung an die Zahnärzte und die anderen Instanzen der Fürsorge“, sagt Dr. Michael Frank, Präsident der Landeszahnärztekammer Hessen.

Stephan Allroggen, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, beklagt, dass viele Kinder einfach zu spät in die Zahnarztpraxis kommen: „Es schmerzt, Kinder mit zum Teil weit fortgeschrittener Karies zu sehen und zu wissen, dass es so weit hätte gar nicht kommen müssen. Die Ursachen dafür sind vielschichtig. Überforderung der Eltern, fehlendes Problembewusstsein und oft auch zu wenig Zuwendung lassen die Kinder schnell ins gesundheitliche Abseits geraten. Wer bereits kariöse Milchzähne hat, leidet häufiger als andere auch an Karies der bleibenden Zähne. Die Folgen mangelnder Fürsorge bei der Mundgesundheit sind für das spätere Leben von Kindern und Jugendlichen schwerwiegend. Durch Zerstörungen im Milchgebiss aufgrund mangelnder Mundhygiene, falscher Ernährung und dadurch bedingter frühkindlicher Karies kann die Sprachentwicklung des Kindes stark beeinträchtigt werden. Zudem sind auch die hierdurch verursachten ästhetischen und funktionalen Einbußen mit Einschränkungen der Lebensqualität verbunden. Wer einen Sprachfehler ausbildet oder aufgrund beschädigter Zähne kaum zu lächeln wagt, hat es in vielen Bereichen des Lebens schwerer. Manche dieser Folgen gehen mit einer sozialen Stigmatisierung einher.“

Erst Mitte 2014 wurde durch die 87. Gesundheitsministerkonferenz der Beschluss gefasst, Untersuchungen zur zahnmedizinischen Früherkennung mit den ärztlichen Untersuchungen zu verbinden und im „Gelben Kinderuntersuchungsheft“ festzuschreiben. Ein Beschluss, der vonseiten der Zahnärzteschaft schon lange eingefordert wurde, der aber immer noch nicht umgesetzt ist. Als Übergangslösung wurde durch die Landeszahnärztekammer Hessen (LZKH) und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen (KZV-Hessen) ein eigenes zahnärztliches Kinder- Untersuchungsheft erarbeitet und durch Frauenärzte, Hebammen, Kliniken und Zahnarztpraxen an werdende und neue Mütter ausgegeben, denn die Vorsorge in Sachen Zahngesundheit beginnt bereits im Mutterleib.

Das Bündnis heilen und helfen ist ein Zusammenschluss aller hessischen
Körperschaften der Heilberufe. Das Bündnis bestehend aus Ärzten, Zahnärzten, Apothekern, Psychotherapeuten und Tierärzten wurde vor sieben Jahren ins Leben gerufen. Ziel des Zusammenschlusses ist es, die Anliegen der Heilberufe und ihrer Patienten stärker in die gesellschaftliche Diskussion einzubringen und mit gemeinsamer Stimme diesen Anliegen auch gegenüber der Politik Gehör zu verschaffen.


Nähere Informationen unter www.heilberufehessen.de

Kontakt:
Stellvertretend für die beteiligten heilberuflichen Körperschaften:
Landeszahnärztekammer Hessen:
Annette C. Borngräber, 069 427275-114, borngraeber@lzkh.de
Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen:
Jörg Pompetzki, 069 6607-421, jpompetzki@kzvh.de
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