Geschichte der Zahnheilkunde anschaulich gemacht

Das Dentalhistorische Museum in Zschadraß zeichnet sich durch die Kombination aus Museum und Wissenschaftszentrum aus. (Foto: Foto: KZV LSA)
 
Ausstellung im Dentalmuseum (Foto: Dentalmuseum)
 
Zahnärztliches Sprechzimmer für die Verfilmung der Buddenbrocks (Foto: KZV LSA)
Liebe Leser von Myheimat! Schon öfters habe ich an dieser Stelle über das Dentalhistorische Museum in Zschadraß in Sachsen berichtet. Heute darf ich hier einen Beitrag von Herrn Robin Wille, dem Pressemitarbeiter der KZV Sachsen Anhalt, über das Museum veröffentlichen. Viel Spaß beim Lesen und: Fahren Sie doch mal hin und schauen Sie!

Das Dentalhistorische Museum in Zschadraß vereint Wissenschaft und Historie

Schon die frühzeitlichen Strategien zur individuellen Bewältigung der Mundhygiene, zur Behandlung von Zahnschmerzen oder zur Herstellung von Zahnersatz schreiben eine Geschichte von Fortschritten und Irrtümern, mal auf amüsante, oft auf bittere Art und Weise. Dennoch werden die historischen Markierungen und Wendepunkte dieses Fachgebietes erst seit einigen Jahren systematisch aufbereitet und museal präsentiert.

In Zschadraß, gelegen in der Mitte der drei Städte Leipzig, Dresden und Chemnitz, auf dem höchsten Punkt des Muldentalkreises, dem Zschadraßer Berg, hat sich der Zahntechniker Andreas Haesler dieser Herausforderung verschrieben. Mit viel persönlicher Mühe hat er ein Museum zur Geschichte der Zahnmedizin und Zahntechnik gegründet. Er hat unzählige Exponate aus dem Fachgebiet der Zahnheilkunde zusammengetragen, geordnet und diese einmalige Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute präsentiert sich die Ausstellung im Dentalhistorischen Museum Zschadraß.

Es handelt sich um eine „Museumsperle Mitteldeutschlands“, meinte der Mitteldeutsche Rundfunk in einer Reportage über die Ausstellung. Weltweit existieren nur circa 20 Museen zur Geschichte der Zahnheilkunde, namhafte Ausstellungen in Europa finden sich in Linz, Wien, Utrecht und Turin. Zschadraß ist dennoch eine besondere Ausnahme. Die Kombination von Museum und Wissenschaftszentrum ist einzigartig auf der ganzen Welt.

Fast eine halbe Million Ausstellungsstücke


Historiker und Mediziner treffen an diesem Ort auf einen enormen Fundus an Wissen und auf unzählige Artefakte aus allen geschichtlichen Epochen der Dentalmedizin. Kulturelle und technische Kuriositäten – zum Anschauen, Anfassen und Ausprobieren – bieten aber auch fachfremden Besuchern des Museums reichlich spannende und aufklärende Unterhaltung.

Das Museum befindet sich in einer 10.800 Quadratmeter großen Parkanlage. Der Komplex umfasst ein Museumsgebäude, eine Bibliothek mit Konferenzräumen, ein Technikum für Großgeräte und ein Gästehaus. Die Kernausstellung erstreckt sich zurzeit über 250 Quadratmeter. Präsentiert werden die Geschichte der zahnärztlichen und der zahntechnischen Berufsausübung, der Zahnhygiene und der Zahnmedizin sowie kunst- und kulturgeschichtliche Artefakte, darunter über 2.500 bildliche Darstellungen. Das Wissenschaftszentrum beinhaltet etwa eine halbe Million Ausstellungsstücke, etwa außergewöhnliche Zahnprothesen, komplette Zahnarztstühle im Originalzustand aus den Anfangszeiten der Zahnmedizin, menschliche und tierische Gebisse, historische Bild- und Werbematerialien und vieles mehr.
Die ältesten Objekte des Museums sind Munddarstellungen aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend, medizinische Instrumente, mit denen vor 1.800 Jahren Zahnschmerzen behandelt wurden sowie Mundhygieneartikel, die von Prophylaxemethoden von vor 2.000 Jahren zeugen. Ein besonderes Exponat ist auch der Arbeitsplatz eines Zahntechnikers um 1873, das älteste vollständig erhaltene Dentallabor der Welt.

Einige Objekte aus dem Fundus des Museums wurden sogar schon als Requisiten für bekannte Film- und Fernsehprojekte verwendet. So stellte das Museum das Sprechzimmer des Dr. Brecht (1873) in kompletter Ausstattung für die Neuverfilmung des Romans „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann zur Verfügung.
Eine unglaubliche Sammlung an Literatur befindet sich in der „Bibliotheca Dentaria“: Mehr als 100.000 Kataloge und internationale Zeitschriftentitel sowie zehntausende Bücher zurückgehend bis in das Jahr 1490. Die gesamte Sammlung umfasst an die einhundertfünfzig Fachbibliotheken aus Universitäten, von Sammlern und Museen, von Firmen und sehr viele Werke aus privaten Beständen. Sie ist mit Sicherheit eine Referenzbibliothek, die weltweit ihresgleichen sucht.

Gesammelt und archiviert werden dort auch wissenschaftliche Abhandlungen. Mittlerweile stehen über 10.000 Forschungs- und Promotionsarbeiten aus der Zahnmedizin zur Verfügung. Als Angehöriger des Faches darf man daher nicht überrascht sein, sollte die eigene geistige Schöpfung in den wissenschaftshistorischen Schatz des Museums eingegangen sein.

Der Besuch des Museums ist ein Erlebnis. Dafür sorgt der Museumsgründer und Kurator Andreas Haesler höchst persönlich. Er hat sich mit Leib und Seele dem Museum und der Geschichte rund um die Zahnmedizin verpflichtet. Das ist spürbar an der Begeisterung und der Art, wie er den Besuchern während einer Führung durch das Museum kleine Geschichten und Anekdoten zu jedem Exponat erzählt.

Unterstützung gesucht: Für die Zukunft des Museums


Von Beginn an hat Andreas Haesler den Kontakt zu Kollegen und Gleichgesinnten auch international gesucht. So hat er weitere umfangreiche dentalhistorische Sammlungen in den medizinischen Museen von St. Petersburg, Prag, Breslau, Wien, Linz, Zürich und Utrecht angestoßen. Sein Ziel ist die Gründung einer internationalen Arbeitsgruppe, um die jeweiligen Möglichkeiten und Perspektiven zu erweitern.
Andreas Haesler ist auch der Vorsitzende des Vereins zur Förderung und Pflege des Dentalhistorischen Museums, der als Rechtsträger fungiert. Bis heute ist das persönliche Engagement des Fördervereins von großer Bedeutung für den Ausbau, den Erhalt und die Vermittlung der vielfältigen Sammlungen. Hinter dem eingetragenen gemeinnützigen Verein stehen fünf ehrenamtlich engagierte Menschen aus der Region. Viele Aufgaben und Angebote konnten nur durch die Unterstützung von einigen wenigen Engagierten, Förderern und Sponsoren, darunter auch zahnärztliche Kolleginnen und Kollegen, realisiert werden.

Für die Zukunft des Museums wünscht sich Andreas Haesler, dass die Möglichkeiten des Wissenschaftszentrums entfaltet und genutzt werden und es sich irgendwann aus sich selbst heraus weiterentwickelt. Derzeit sei diese Aufgabe jedoch nicht zu bewältigen. Dafür fehle es an Mitteln und an Personal. Hilfe ist daher stets willkommen.

Robin Wille
KZV Sachsen-Anhalt

Korrespondenzadresse:
ZTM Andreas Haesler
Im Park 9b
04680 Colditz OT Zschadraß
E-Mail: info@dentalmuseum.de
Tel.: 034381 189506
www.dentalmuseum.eu
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2 Kommentare
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Thorsten Löffler aus Stadtallendorf | 08.06.2015 | 23:32  
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Herbert Köller aus Stadtallendorf | 09.06.2015 | 14:45  
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