Foto des Monats: Eine Fahnenweihe mit Folgen

Der Männergesangverein Allendorf im jahr 1925 (Foto: MGV Stadtallendorf)
Das Foto des Monat Mai des DIZ - Stadtmuseum Stadtallendorf ist eine Referenz an das 125 Vereinsjubiläum des MGV Stadtallendorf.

Das Bild zeigt den Männergesangverein Allendorf im Jahre 1925. An der Tischmitte sitzend Dirigent Josef Fickert. Dieser hatte im Jahre 1913 seine erste Lehrerstelle in Allendorf angetreten. Gleich zu Beginn seiner Lehrtätigkeit wurde ihm zusätzlich die Gesangsabteilung des „Männer- u. Arbeitervereins St. Josef“ übergeben. Dies war der Vorläufer der heutigen KAB, der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung. „Erfahrung hatte ich noch keine, war plötzlich Dirigent und musste sehen, wie ich damit fertig wurde“, so ist aus seinen späteren Aufzeichnungen zu erfahren.

Doch schon bald gab es durch den 1. Weltkrieg eine Unterbrechung und die Chorarbeit musste über Jahre ruhen. Als die Sänger nach dem Krieg wieder zusammenfanden, gelang es Fickert mit Eifer und viel Freude am Gesang, aus dem „namenlosen“ Chor einen beachtlichen Klangkörper zu formen. Der Ehrgeiz packte sie und sie suchten durch die Teilnahme an Sängerwettstreiten den Vergleich mit anderen Chören. Vordere Platzbelegungen bestätigten das hohe Niveau des Chores.

Bis zum Jahre 1923 war der Männerchor in dem St. Josefs-Verein organisiert. Um sich aber der eigentlichen Aufgabe des Gesanges zu widmen, beschlossen die Sänger, sich als Unterabteilung aufzulösen und einen eigenständigen Männergesangverein zu gründen.

Josef Fickert hatte als ausgebildeter Zeichenlehrer immer wieder Skizzen aus dem alten Allendorf gefertigt, welche heute bereits von historischer Bedeutung sind. Als man im Jahre 1925 eine neue Vereinsfahne anschaffen wollte, übernahm Josef Fickert deren Gestaltung.

Neben der goldgelben Rückseite ist die Vorderseite der Fahne in kräftigem Dunkelblau gehalten. Auch die Vereinsnadel mit dem Gründungsjahr 1923 ist in blau und gelb ausgeführt. Die Fahnenweihe wurde mit einem großen Sängerfest gefeiert. Samstagabend gab es ein Festkommers. Am Sonntag folgte ein Sängerwettstreit mit befreundeten Chören, dem sich am Nachmittag ein Volksfest anschloss. Mit der Fahnenweihe endete vorerst die Tätigkeit von Lehrer Fickert. Er wurde an das staatliche Gymnasium nach Rinteln berufen und verließ Allendorf.

In der Folgezeit ließen die Vereinsaktivitäten etwas nach, es wurden nur noch wenige Sängerwettstreite besucht und durch den 2. Weltkrieg gab es einen weiteren Einschnitt.

Als man nach dem 2. Weltkrieg begann den Chor wieder zu aktivieren, wurde Josef Fickert von seinen ehemaligen Sängern bedrängt, als Schulleiter nach Allendorf zurückzukehren und den MGV wieder zu übernehmen. Nach über 20 Jahren Abwesenheit ließ er sich überreden und kam 1947 zu seinen Sängern zurück. Für ihn kein leichter Entschluss, war es für ihn doch mit einem beruflichen Abstieg in die Volksschule verbunden. Sehr schnell entwickelte sich der Chor zu neuer Blüte.

Im Jahre 1955 entwarf Josef Fickert ein Wappen für die Gemeinde Allendorf das, neben dem hessischen Löwen und dem Mainzer Rad, den goldgelben Bären auf blauen Grund zeigte. Blau und Gelb waren Fickert‘s Farben und so auch die des MGV. Diese blau-gelben Farben wurden fünf Jahre später wiederum verwendet, jetzt als Stadtfarben für die im Jahre 1960 genehmigte Stadtflagge.

Der MGV Stadtallendorf begeht sein Jubiläum mit einem festlichen Konzert am 07. Mai 2016 in der Stadthalle Stadtallendorf.

Text: Arnold Schmitt


www.diz-stadtallendorf.de
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