Evangelische Woche in der Wasserkirche am 8.9.2010

Norbert Mecke bei seinem Vortrag
    Stadtallendorf: Stadtkirche Stadtallendorf | Musik von der Gitarre
Keine Langeweile kam beim Musikprogramm der evangelischen Woche auf, da jeden Tag andere Klänge ertönten. An diesem Tage begleitete Guido Baltes mit seiner Gitarre den Abend und demonstrierte, dass man auch mit einfachen Mitteln die Zuhörer begeistern konnte.

Zeitzeuge Hanns Baumeister
Dekan Hanns Baumeister war sechs Jahre Pfarrer in der Stadtallendorfer Stadtkirche, wobei er sich die Pfarrstelle mitb seiner 2002 gestorbenen Frau Ingeborg teilte. Passend zum Namen fanden während seiner Dienstzeit zahlreiche Umbaumaßnahmen statt, wobei aber die meisten davon schon vorher genehmigt worden waren. Zu den vom ihm durchgeführten Änderungen gehörten die Montage zweier Scheinwerfer in der Stadtkirche, die Wiederherstellung des Altars in der Notkirche (der in einem kleinen Raum hinter zwei Türen sitzt, welcher zeitweilig als Abstellkammer genutzt worden war) und die Versetzung des Taufbeckens, welches nun nicht mehr fest vor dem Altar installiert ist, sondern beweglich ist und meist an der Seite steht.
Eine Geschichte aus dem Leben von Pfarrer Baumeister drehte sich um einen Leuchter, den er nun seit etwa fünf Jahren auf seinem Schreibtisch hat. Dieser hatte über 20 Jahre auf dem Altar in der Stadtkirche gestanden. Das hatte sich ergeben, nachdem Pfarrer Baumeister den Leuchter aus seinem Wohnzimmer für eine Veranstaltung auf den Altar gestellt hatte und es der Kirchengemeinde so gut gefiel, dass der Leuchter dort stehen blieb. Als Hanns Baumeister dann viele Jahre später zu Besuch in der Stadtkirche war, entdeckte er den Leuchter wieder und weil er hörte, dass der Altar umgestaltet werden sollte, bat er darum, den Leuchter mitnehmen zu dürfen.
Pfarrer Baumeister hatte verschiedene neue Gottesdienstangebote eingeführt wie einen Gottesdienst am Ostermorgen oder den Spätgottesdienst zu Weihnachten. Seine Frau leitete einen Frauenkreis. Über ein ähnliches Angebot für Männer erzählte er, wie er mit der Männergruppe nach dem WM-Sieg von Deutschlang 1990 (dem ersten Male, wo die WM so richtig auf den Straßen gefeiert wurde) zum Kirchturm stürmte und die Glocken läutete und er einen lachenden Rüffel vom Dekan bekam, weil die Glocken nur zum Gebet geläutet werden sollen.
Pfarrer Baumeister hatte außerdem Weintrauben und Brot mitgebracht, die er auf dem Altar ablegte. Damit er erinnerte er an eine andere Begebenheit: Er hatte während seiner Dienstzeit Weintrauben und Brot zu einem Jubiläum in die katholische Kirche St. Michael gebracht, was auch von katholischer Seite als nette Geste aufgenommen wurde.

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens
In einem kleinen Anspiel zeigten vier Gemeindemitglieder die Schwierigkeiten bei der Suche nach dem Sinn des Lebens. Ein Mädel ging suchend umher. Eine Person kam vorbei und fragte, ob sie etwas Bestimmtes suche. Nach der Antwort "Ich suche nach dem Sinn des Lebens" bekam das Mädel den Hinweis, dass er so nicht zu finden sei.
Ein Versuch, die Antwort im Lexikon zu finden, erwies sich als ebenso wenig hilfreich wie die Auskunft einer weiteren Person, die Erfüllung darin fand, sich bis zu den oberen Zehntausend hochzuarbeiten. Zuletzt kam noch ein reicher Unternehmerssohn, der aller Arbeit aus dem Wege ging und seinen Sinn in Parties und LSD gefunden hatte. Auch nach dieser Begegnung war die Sinnsuchende noch keinen Schritt weiter.
Das Spiel endete damit, dass das Mädel mit dem Mikrofon zu den Pfarrern in der ersten Reihe ging und sie nach dem Sinn des Lebens fragte. Norbert Mecke wollte dazu noch nichts sagen, sondern verwies auf seinen noch folgenden Vortrag. Pfarrer Baumeister antwortete, dass sein Glaube der Sinn seines Lebens sei und ihm Vertrauen und Hoffnung gibt.

Jesus der Partykönig?
Superpfarrer Norbert Mecke begann seine Ansprache mit einer biblischen Geschichte, bei der Jesus auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelte. Dazu hatte er noch eine andere unterhaltsame Geschichte, bei der ein Pfarrer beim Zoll angibt, er hätte mehrere Flaschen mit Wasser aus Israel dabei. Als der Zöllner stattdessen Wein im Koffer findet, fällt der Pfarrer auf die Knie und sagt "Mein Gott, du hast es wieder getan!".
Was für Kinder die Lach- und Sachgeschichten sind, sind bei Erwachsenen meist die Sauf- und Raufgeschichten. Wenn Jesus 600 Liter Wein aus Wasser macht, wäre das sicherlich eine gute Saufgeschichte. Norbert Mecke fragte sich auch, ob die Wasserkirche nicht mehr Besucher gehabt hätte, wenn es dort statt rieselnden Wassers rieselnden Riesling oder Freibier gegeben hätte. Die Verwandlung von Wasser in Wein soll nicht nur zeigen, dass Christsein nicht freudenfeindlich ist, sondern ein Zeichen sein und etwas ankündigen: "Ich bringe Leben im Überfluss", will Jesus damit sagen.
Norbert Mecke konnte in der Suchtklinik in Fürstenhagen erfahren, was Menschen zum Alkokol bringt. Meistens war es der Verlust des Sinn des Lebens, und so waren das eigene Leben und sein Wert Hauptthema in der Suchtklinik. Er konnte aber auch erleben, wie sich Menschen durch das Finden eines Sinns in der Gemeinde wieder zum Guten verwandeln konnten.
"Jesus ist kein Partykiller, sondern ein Lebensfüller!" war eine Kernaussage in der Ansprache. In jedem Leben, das sich Gott öffnet, gibt es einen Qualitätssprung. Wir müssen nur unser Wasser zu Jesus bringen. Jesus schenkt unserem Leben ein zielgerichtetes Ganzes.
Die Botschaft von "Wasser zu Wein" ist aber nicht "tolles Rezept", sondern "toller Koch". Norbert Mecke schloss mit dem Wunsch, dass für uns die Geschichten von Jesus das sein sollen, was für andere die Sach- und Lachgeschichten oder Sauf- und Raufgeschichten sind.

Weinprobe am Tisch der Begegnung
Eine ungewöhnliche Idee von Pfarrer Thomas Peters war die einer Weinprobe am Tisch der Begegnung. Im Vorbereitstreffen fragte er aber noch einmal die Anwesenden, ob sie die Idee für gut befinden - schließlich bestand das Risiko, dass der Weingenuss am Tisch der Begegnung bei einigen Menschen auf totale Ablehnung stoßen würde. Es hatte jedoch keiner der Anwesenden Bedenken gegen die Weinprobe, und so wurden nach Programmende mehrere unterschiedliche Weine am Tisch geöffnet und von anwesenden Gemeindemitgliedern gekostet.

(Bilder von Leif-Erik und Sören-Helge Zaschke)
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