Frauenfrühstück in Stadtallendorf: Über den Wolken – vom Glück der Grenzen (05.03.2016)

Sketch beim Frauenfrühstück in Stadtallendorf
 
Vorbereitung fürs Frühstück (Foto: Simone Schmitt)
  Stadtallendorf: Jugendzentrum |

Beim Frauenfrühstück am 5. März 2016 hielt Schwester Christine Muhr einen Vortrag mit dem Titel "Über den Wolken – vom Glück der Grenzen". Der Titel passte nicht ganz, da sie sich nur bei der Einleitung über die Wolken erhob. Das änderte aber nichts daran, dass es sich um einen interessanten Vortrag handelte.

"Der Grund, warum Vögel fliegen können und wir nicht, ist der, dass sie voller Zuversicht sind, und wer zuversichtlich ist, dem wachsen Flügel." Mit diesem Zitat begrüßte Maria Sulkowski die zahlreichen Besucherinnen, um anschließend das Wort an Johanna Rausch aus Roßdorf zu übergeben, die für die musikalische Begleitung der Veranstaltung sorgte, indem sie verschiedene Stücke auf ihrer Querflöte spielte. Sie hatte bereits mit drei Jahren musikalische Früherziehung genossen und im Alter von fünf bis vierzehn Jahren Blockflöte gespielt. Allerdings hatte sie im Alter von zwölf mit Querflöte angefangen, welche sich zu ihrer Leidenschaft entwickelte. Johanna Rausch hat sogar am Wettbewerb "Jugend musiziert" teilgenommen, nun aber wegen ihrer Ausbildung nicht mehr ganz so viel Zeit für die Musik.

Vor dem Vortrag von Schwester Christine gab es jedoch erst einmal Gelegenheit zu einem reichhaltigen Frühstück. Außerdem folgte noch ein Sketch: Opa und Oma sitzen zusammen. "Ach ja", seufzen beide. "Ach ja, Oma. Wollen wir nicht einmal so wie früher - es war doch immer so schön!" meint Opa. Oma hat aber nicht so richtig Lust. Opa muss viel Überzeugungsarbeit leisten, bis Oma nachgibt und er sein Ziel erreicht. Damit wird endlich auch für die Zuschauer das Rästel gelöst, was Opa von Oma eigentlich will". "Back backe Kuchen", klatschen beide zusammen.

Über den Wolken – vom Glück der Grenzen
"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein" ist ein Liedtext von Reinhard Mey. Auf der Erde hingegen gibt es keine Grenzenlosigkeit. Bei einem Waldspaziergang können ein Baumstamm oder eine große Pfütze den Weg versperren. Wir können darüber hinweg steigen, drumherum gehen oder umkehren. Eine viel schwerer zu überwindende Grenze trennte damals den Westen und den Osten Deutschlands. Und wenn im Laufe des Lebens unsere Kräfte nachlassen, stoßen wir an vorher nicht vorhandene Grenzen.

Grenzen umgeben etwas und halten es zusammen: Die Schnittblumen werden von einer Vase gehhalten, die Tasse hält den Kaffe davon ab, grenzenlos über den Tisch zu schwappen, und unsere Haut umgibt unseren Körper.

Grenzen bieten Halt und geben Schutz: Der Gartenzaun schützt uns vor Wildschweinen und Rehen, Geländer am Gebirgswanderweg halten uns vor dem Sturz in die Tiefe ab und eine Arbeitsplatzbeschreibung gibt uns Klarheit, was wir zu tun haben. Ein weiteres Beispiel sei der Fahrplan der Deutschen Bundesbahn, welcher die Zeit eingrenzt, wann wir mit dem nächsten Zug rechnen können - so dass wir nicht wie in manchen anderen Ländern viele Stunden auf die nächste Fahrtmöglichkeit warten müssen. (Wobei angemerkt sei, dass dieses Beispiel nicht wirklich aktuell ist, da es die Deutsche Bundesbahn schon lange nicht mehr gibt.)

Wir brauchen Grenzen, um zu überleben: Wenn wir die Grenzen des Wachstums nicht beachten, können wir durch unsere Maßlosigkeit zerstört werden.

Grenzen können uns zeigen: Ich bin dabei (z.B. mein Freundeskreis), sie können aber auch ausgrenzen (z.B. Flüchtlinge).

"Zur Einzigartikeit des Menschen gehören seine Grenzen." war eine wichtige Aussage. Man muss nicht alles können - was mir schwer fällt, mag einem anderen leicht fallen. Wie weit wir uns durch mangelnde Fähigkeiten begrenzt fühlen, hängt auch von uns ab. Die meisten Menschen hier stoßen dadurch an keine Grenze, dass sie kein Chinesisch sprechen können - wer in China ist, sieht das anders.
Unsere Grenzen können sich leider auch verschieben: Bei Tätigkeiten, die wir in der Jugend gut beherrscht haben, stoßen wir im Alter schnell an unsere Grenzen (z.B. weil die nötige Kraft fehlt).

Typische Grenzerfahrungen sind:
- Ich stoße an meine Grenzen.
- Ich fühle mich total hilflos.
- Ich weiß nicht weiter.
- Mein Denken kreist nur noch um ein Thema - das ist meine Grenze.
Die Fixierung auf ein Problem führt zu Resignation und Verzweiflung. "Es macht keinen Sinn" und "Ich bin es einfach leid" sind typische Gedanken dazu.

Der Vortrag von Schwester Christine wurde an dieser Stelle durch eine Gruppenarbeit unterbrochen. "Was ist meine Grenze?" und "Wie gehe ich damit um?" waren Frage, über die sich die Telnehmerinnen mit ihren Sitznachbarn austauschen sollten.

Friede den Grenzen - was kann mir helfen, mit meinen Grenzen zu leben?
1. Die eigenen Grenzen erkennen (z.B. die Anzeichen körperlicher Überlastung)
2. Die eigenen Grenzen akzeptieren (z.B. Belastungen reduzieren)
3. Abschied nehmen (z.B. von nicht mehr erreichbaren Zielen)
4. Meine Grenzen schützen ("Nein" sagen und sich zurücknehmen)
5. Den Freiraum innerhalb meiner Grenzen entdecken

Christine Muhr etwa hatte das Ziel nicht erreicht, Impulse für alternative Lebensweisen von Diakonissen in Marburg zu geben. Von dieser Aufgabe hatte sie sich verabschiedet, nachdem sie feststellen musste, dass es auch für sie an der Zeit war, Belastungen zu reduzieren. Das ist nicht schlimm, denn so können andere auch ihre Fähigkeiten entdecken: Wenn etwa die Oma keinen Kuchen mehr Backen kann, werden die Enkel vielleicht feststellen, dass sie selber das auch gut können. Wichtig ist, nicht nur auf die eigene Grenzen zu schauen - wer den Blick fest auf die Wand vor sich gerichtet hat, kann nicht den freien Raum hinter sich entdecken.

"An Gottes Möglichkeiten festhalten - auch in meinen engen Grenzen", wurden die Zuhörerinnen ermutigt. Gott kann uns Türen öffnen, die wir nicht sehen, und hat noch was mit uns vor.
Schwester Christine schlug als Übung vor, aufzuschreiben, mit welchen inneren und äußeren Grenzen man Mühe hat. Dazu sollte man dick die Zeile "Er schafft deinen Grenzen Frieden" aus Psalm 147 schreiben und sich immer wieder laut und betont lagsam vorlesen.
Zum Abschluss des Vortrags riet Christine Muhr den Zuhörerinnen, an der Überzeugung fesdtzuhalten, dass Gott ihnen etwas Gutes tun will.

Nach der Veranstaltung gab es wie üblich viel aufzuräumen - die Tische müssen abgeräumt, geputzt und abgebaut werden, während das Geschirr in die Küche zu bringen und zu spülen ist. Leider waren einige eingeplante Helfer nicht erschienen.

Das nächste Frauencafe ist für den 29. Oktober geplant, wobei Pfarrerin Andrea Wöllenstein den Vortrag halten soll.

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