Kann das weg?

Very sporty
Springe: Springe | „Du kennst doch diesen Spruch „Ist das hier Kunst oder kann das weg?““ fragte mich Luise neulich, als wir nach dem Shoppen noch auf einen Cappuccino beim Italiener saßen.
„Der passt genau zu dem, was meiner Schwester neulich passiert ist. Die ist doch Fachberaterin für den Schulsport beim Ministerium, wie ich dir schon mal erzählt habe.“
Ich nickte und nippte an meinem nur noch lauwarmen Cappuccino.
„Die wurde neulich hier in dieser Stadt in eine große Schule gerufen, weil die da alles umkrempeln wollen, so mit Integration, Ganztagsbetrieb und dieser Inklusivierung oder wie das heißt, du weißt schon.“
Ich grinste sie an und schüttelte den Kopf. „Inklusion heißt das“, verbesserte ich sie.
„Ist ja auch egal“, sagte sie. „Also, jedenfalls ist meine Schwester mit dem Fachleiter für Sport an der Schule – so einem smarten jungen Mann, wie sie sagte - in die Turnhalle gegangen, weil da auch alles umgebaut werden soll und dann wollte der wissen, was da alles weg könne, wie er meinte. Vieles sei ja wohl inzwischen überflüssig. Die Ringe und das Reck brauche man ja gar nicht mehr, weil die sowieso kein Sportlehrer mehr benutze und das große Trampolin sei auch nur ein Staubfänger.
Meine Schwester sagte, sie habe ihn mit großen Augen angesehen und gefragt, ob er das im Ernst meine und er habe gesagt, dass sie sowieso nur noch Spiele machten im Unterricht, - Fußball, Basketball und so - und dass sowieso kein Kind mehr am Reck turnen könne oder am Kasten, weil die motorisch schon beim Laufen genug Probleme hätten. Und den Kollegen sei das alles viel zu gefährlich und auch zu mühsam aufzubauen.
Und dann seien sie in den hinteren Teil des Geräterraumes gekommen, wo zwei wunderschöne Barren völlig verstaubt ihr Dasein gefristet hätten und dann habe er gesagt „ und die Dinger können sowieso weg. Da weiß hier von uns auch keiner was mit anzufangen. Da kommt auch kein Jugendlicher mehr hoch. Wer kann denn heute noch in den Stütz springen?“
Meine Schwester sagte, sie habe ihn völlig entsetzt angesehen. „Die Dinger“ hatte der Typ gesagt. Wahrscheinlich kannte der sogenannte Sportlehrer nicht einmal mehr den Namen der Geräte. Ist doch echt ein Hammer, oder?“
Ich hatte ihr interessiert, mit einem milden Lächeln auf dem Gesicht, zugehört. Geräteturnen war eigentlich auch nie meine Lieblingssportstunde gewesen. Aber einen Aufschwung am Reck mit anschließender Bauchwelle und Unterschwung oder einen Stützsprung am Barren mit einer Rolle vorwärts auf den Holmen war nie ein Problem gewesen und ich glaubte, sowas sogar noch mit meinen 50 Jahren noch hinzukriegen. Dafür hätte man zu meiner Schulzeit gerade mal eine schlappe Drei bekommen.
Heute gäbe es dafür bestimmt eine Eins, weil man damit wahrscheinlich sogar dem Sportlehrer noch eine Runde voraus wäre. Aber das war ja alles sowieso alles sinnloses Spekulieren.
Die „Dinger“ sollten ja alle weg, weil die vielen übergewichtigen, computersüchtigen Kids
schon vom Aufbauen so erschöpft wären, dass selbst an einen ordentlichen Strecksprung nicht mehr zu denken wäre.
Vielleicht konnte man so einen ausgemusterten Barren ja günstig erwerben und dann.........
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2 Kommentare
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Andreas Szramka aus Lehrte | 14.03.2015 | 14:22  
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Heike L. aus Springe | 15.03.2015 | 18:27  
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